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freizeit Leben, Liebe & Sex
07/01/2021

Erotisch? Was es heißt, wenn sich Menschen selbst angreifen

Wer einen Tag am Strand verbringt, sieht Leute, die sich selbst berühren – auch an intimen Stellen. Was das zu bedeuten hat.

von Gabriele Kuhn

Da sind sie wieder, diese Tage mit Blick auf das Wasser, auf Wellen, Männer in engen Badehosen und Frauen oben ohne. Ein Stück Freiheit, gleichzeitig eine interessante Studie zum Thema „Selbstberührung“. Dort die Frau, die verträumt ihre nackte Haut betastet, sich tätschelt und streichelt. Dort der Mann, der sich, en passant, an die Badehose fasst, als würde er wissen wollen, ob die große Welt da drinnen eh noch in Ordnung ist. All das unbewusst – zum Beispiel, während man sich von der Sonnenliege erhebt, um nach einem Handtuch zu suchen. Vielleicht lässt man dabei den Blick schweifen – in den blitzblauen Himmel, in die Wolken, ins Nichts. Dabei wandern Hände plötzlich wie von selbst an intime Orte, fummeln, greifen, tätscheln. Frauen wiegen Brüste in ihren Händen, wenige Sekunden lang. Fast so, als würden sie schauen wollen, ob sich die Hübschen wohl fühlen. Zarte Gesten, keineswegs sexuell konnotiert und unterschiedlich. Manche Frauen verharren etwas länger, kneten ihre Brust einige Momente lang, andere formen die Hände zu einer kleinen Schale, sodass die Brüste darin gehalten, gehoben, gewogen werden können. Das alles geschieht nicht zielgerichtet, es geschieht einfach.

"Sack checken"

Ähnlich wie bei Männern, die sich träumerisch, aber entschlossen in den Schritt greifen, um den Penis, meist aber die Hoden ganz kurz zu berühren oder wieder in die Idealposition zu hieven. Manche nennen das „Sack checken“, was insofern eine gute Idee ist, als Männer tatsächlich regelmäßig ihre Hoden abtasten sollten – im Sinne der Krebsfrüherkennung. Doch abgesehen davon geht’s auch hier um eine unbewusste Selbstberührung, die beim Mann einen Hauch öfter vorkommt als bei ihr. Und bei ihm um einiges intimer/konkreter wirkt als ihr leises Do-it-yourself-Brustgrapschen. Damen, die in der Öffentlichkeit ihren Schritt fummelnd checken, sind eher rar. Bleibt nur noch der psychologische Aspekt all dessen: Was hat es zu bedeuten, zumal diese Sorte von Selbstberührungen wenig erregend wirken? Nun, wir sind schlicht Berührungswesen, wollen möglichst viel und oft gestreichelt, gehalten, gekratzt und geknetet werden, idealerweise von einem anderen Menschen und manchmal von uns selbst. Forscher eines „Haptik-Labors“ in Leipzig haben das Phänomen „Selbstberührung“ untersucht, dazu gehören beispielsweise Berührungen des eigenen Gesichts mit den Fingern. 800 Mal pro Tag tun das Menschen – Experten nennen das „Selbstexploration“, und diese findet sogar schon im Mutterleib statt, wenn Föten ihren kleinen Körper haptisch erkunden.

Später dann, am Strand, exploriert die Frau ihre Brüste und der Mann sein Ding in der Hose – und ja: Das wirkt! Im Gehirn nämlich, etwa, wenn es darum geht, Emotionen (egal, ob negativ oder positiv) zu verarbeiten. Die Berührung hilft Menschen ins emotionale Gleichgewicht, in jenen angenehmen Zustand des „Alles-ist-gut“. Sie unterstreichen ihn. Doch auch körpersprachlich darf ein bisschen herumgedeutelt werden. Frauen, die an ihrem eigenen Dekolleté herumfummeln, verraten Meister der Küchenpsychologie, sind „flirtbereit“, weil sie so die Aufmerksamkeit des Gegenübers auf ihren Körper lenken möchten. Alles unbewusst, eh klar. Der männliche Griff in den Schritt hingegen hat flirttechnisch keine so fundamentale Bedeutung, sondern meist praktische Gründe: Er tut’s, wenn das Gemächt verrutscht ist, wenn’s juckt, weil man’s halt so macht – und schließlich: Um sich zu versichern, dass sein allerbestes Stück nicht womöglich verloren gegangen ist. Das wär’ nämlich blöd.

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