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freizeit Leben, Liebe & Sex
12/17/2020

So viel Sex steckt in der Suppe

Eine gute Suppe wärmt nicht nur den Magen, sondern sorgt auch weiter unten für sehr viel Zufriedenheit.

von Gabriele Kuhn

"Iss erst einmal deine Suppe, dann schaut das Leben schon wieder ganz anders aus!“: Ein Satz, den wohl viele kennen – von Großtanten, Mamas, Omas und Uromas. Die kochten und servierten gute Suppen in allen Lebenslagen – wenn es draußen sehr kalt war, wenn’s heiß war und wenn uns wieder irgendein Typ das Herz zerschmettert hatte.

Suppe ist das Salz des Lebens, obwohl sie als Gericht eher unspektakulär daherkommt. Ich gehe trotzdem um einiges weiter: Suppe hat Sex, besser: Im Süppchen steckt Sex. „Die Suppe ist die Geliebte des Magens“, heißt es immerhin. Ein Satz, der Marie-Antoine Carême – einer der bedeutendsten Köche des 19. Jahrhunderts, der auch für Napoleon kochte – zugeschrieben wird. Immerhin: Sein Buch „Die Kunst der französischen Küche“ enthielt an die 300 Rezepte für verschiedene Bouillons, unter anderem aus Huhn, Hase oder Fisch.

In alten Rezepturen wird zum Beispiel empfohlen, einen frischen Rinderpenis oder ein paar Rinderhoden zusammen mit chinesischen Wolfsbeeren und einigen Scheiben Ingwer in Wasser zu dämpfen, um die geschwächte Libido anzukurbeln.

Schön schlürfen als Kunst

Die Erotik des Gebräus birgt drei Aspekte: Wie man die Suppe isst bzw. schlürft. Und zu welchem Zeitpunkt sie serviert wird. Schließlich geht’s um ihre Wirkung. In der Traditionellen Chinesischen Medizin spielen Brühen eine wichtige Rolle, weil sie nähren und den Organismus mit Lebensenergie versorgen. In alten Rezepturen wird zum Beispiel empfohlen, einen frischen Rinderpenis oder ein paar Rinderhoden zusammen mit chinesischen Wolfsbeeren und einigen Scheiben Ingwer in Wasser zu dämpfen, um die geschwächte Libido anzukurbeln. Alternativ könnte man zu Aal greifen, der – 30 Minuten gedämpft, mit Reiswein – ermattete Lenden zum Leben erwecken soll. Manchen reicht eine schlichte Reissuppe, in alten Schriften heißt es dazu: „Die Reissuppe schenkt zehn Dinge: Leben und Schönheit, Leichtigkeit und Kraft, sie vertreibt Hunger, Durst und Wind, sie reinigt die Blase und die Niere und fördert die Verdauung.“ Ein paar Mal schlürfen – alles Gute inklusive, quasi. Aber vielleicht steckt, wie bereits erwähnt, der wesentliche Aspekt in der Art des Genusses selbst, jenseits von Zubereitung oder Rezeptur. Suppenschlürfen, auch wenn es bei Tisch verpönt ist, kann durchaus lasziv wirken. Stimmt: Der Grat zum Grauslichen ist schmal, und schön schlürfen eine Kunst, die geübt werden sollte. Aber dann!

Zum Thema empfehle ich erneut die Lektüre des wunderbaren Buchs „Unmoralische Rezepte“ von Manuel Vázquez Montalbán. Er meinte: „Um möglichst unmoralisch zu sein, gibt es kein besseres Mittel, als zwei so ultimative Genüsse wie gut Essen und gut Lieben miteinander zu verbinden.“ So betrachtet, könnte man die Suppe als Pendant zum Vorspiel verstehen, als Steigbügel zur Ungezwungenheit ohne Messer und Gabel. Dabei empfiehlt es sich vielleicht, etwas frisches Brot in die Suppe zu tunken und sich das triefende Gebäck gekonnt in den Mund zu schieben.Montalbán empfiehlt zum Beispiel „Jamaikanische Suppe“ mit Kalbshaxe und einem Schweineschwanz sowie Riesengarnelen, dazu schreibt er: „Denken Sie daran, dass sowohl der Schweineschwanz als auch die ausgelösten Garnelen saturnalische Phalli von magerer Konsistenz darstellen, dafür aber gekrümmt vom Hin und Her zwischen dem Begehren und seiner Befriedigung.“ Aus seiner Sicht passe das Gericht „ausgezeichnet zu gleichgeschlechtlichen Paaren, die häufig die Vereinigung der Extreme frönen, hier abgebildet in der Zusammenkunft von Schweineschwanz und Garnele“. Weiters erwähnenswert: Suppen erzeugen kein unangenehmes Sättigungsgefühl, das beim Vögeln zwischen den Gängen ungelegen kommt. Beim Nachspiel kann man ja wieder beherzt zugreifen.

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