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freizeit Leben, Liebe & Sex
03/08/2021

Elisabeth Puchhammer-Stöckl: "Ich wollte zeigen, dass beides möglich ist"

Die Chef-Erklärerin der Coronaviren erzählt, warum ihr Leben nicht nur der Forschung gehört.

von Julia Pfligl

Zwölf Monate nach Ausbruch der Pandemie ist Elisabeth Puchhammer-Stöckl immer noch die gefragteste Virus-Expertin des Landes. Über die Erreger und deren Bekämpfung hat die 58-Jährige im vergangenen Jahr in Hunderten Interviews gesprochen. Drei Eigenschaften wurden dabei zu ihrem Markenzeichen: Sachlich, unaufgeregt und souverän – als Antithese zur allgemeinen Hysterie – erklärte sie Politikern und Bürgern SARS-CoV-2.

Ob diese Zuschreibung auch der Privatperson Elisabeth Puchhammer-Stöckl entspricht? „Meine Kinder waren über diese Attribute doch sehr überrascht“, lacht die Wienerin, „denn als Mutter bin ich wahrscheinlich nicht immer so unaufgeregt“.

Frauenförderung

Mehr möchte Puchhammer-Stöckl von ihrem Familienleben nicht preisgeben – ihr Name soll in der Öffentlichkeit auch weiterhin mit Wissensvermittlung in Verbindung gebracht werden. So gern sie über Viren aufklärt, so ungern spricht die zweifache Mutter über Privates. „Es ist ja auch der Wert einer Expertin, dass sie um Sachlichkeit bemüht ist“, sagt die Virologin.

Auch ihre Mitarbeiterinnen am Zentrum für Virologie der MedUni Wien – drei Viertel sind weiblich – schätzen sie für ihre Art, schwärmen von ihrer Offenheit für Neues und dem guten Arbeitsklima am Institut: „Jeder wird gehört“, sagt eine langjährige Kollegin auf Nachfrage des KURIER. „Sie fördert ihre Mitarbeiterinnen sehr. Es wurde immer ermöglicht, auch als Frau mit Kindern Karriere zu machen.“

Harter Schnitt

Bei der Vereinbarung von Familie und Forscherkarriere ist die „Wissenschafterin des Jahres 2020“ eine Pionierin in ihrem Bereich: In den Neunzigerjahren nahm sie als erste Frau am Institut die Möglichkeit der Teilzeitarbeit in Anspruch. Kinder ja oder nein, diese Frage stellte sich für sie nicht. „Ich wollte zeigen, dass beides möglich ist – Kinder und eine Karriere. Beim Berufseinstieg geht es noch gar nicht so sehr darum, ob jemand männlich oder weiblich ist. Der harte Schnitt kommt dann, und das kann man nicht wegdiskutieren, wenn die Familiengründung ansteht. Ich kann mich an Meetings in Deutschland erinnern, wo ich gefragt wurde: ,Was, das geht, Teilzeit in der Forschung? Das Leben gehört doch der Forschung!‘“

Dass es möglich war, verdankt sie auch den Großmüttern, die ihr zur Hand gingen, solange die Töchter klein waren. Wenn die Kinder schliefen, arbeitete sie in der Nacht weiter. Ins Ausland – als Gastprofessorin an die Universität Pavia – ging sie erst, als die Kinder groß waren.

Aus heutiger Sicht waren die schlaflosen Nächte eine gute Vorbereitung auf ihre Expertinnen-Rolle in der Pandemie. „In den ersten Wochen haben wir durchgehend gearbeitet. Da gab es keine freien Wochenenden.“

Hund und Cello

Normal ist ihr Alltag bis heute nicht – doch Jammern liegt nicht in der Natur der Forscherin. „Wir hatten keine Zeit, darüber nachzudenken. Die Lage war so dramatisch – da macht man einfach. Das Schwierigste war, in der Vielzahl an Studien das Richtige herauszufiltern und den Menschen mitzuteilen.“ Eitelkeit ist ihr fremd, vom Wort „prominent“ will sie trotz vieler Fernsehinterviews nichts wissen. „Manchmal werde ich erkannt, aber ich glaube, die Leute können mich nicht wirklich zuordnen.“

Am Höhepunkt der Krise blieben nur die Spaziergänge mit dem Hund, um abzuschalten. „Beim Spazierengehen bemühe ich mich, im Moment zu bleiben – aber das gelingt natürlich nicht immer.“ In normalen Zeiten entspannt die Hobby-Musikerin am Cello oder Klavier, auch zusammen mit Freunden.

„Das ist das, was ich am meisten vermisse: ein normales Sozialleben. Gemeinsam Sport machen, wandern, sich zu einem Essen treffen. Die Idee eines Urlaubs. Darauf freue ich mich schon sehr.“

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