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07/01/2020

Das perfekte Hochbeet: Das Hochamt des Gartelns

Seit Jahren sind Hochbeete in Mode, aber noch immer ist vielen unklar, worauf es ankommt: Verrottungswärme und Bodenkontakt.

von Axel Halbhuber

Das städtische Gärtnern ist zwar seit Jahren im Trend, aber es wächst unaufhörlich. Zuletzt beförderte das verordnete Daheimsein die Überlegungen der Menschen, wie sie ihre kleine Gartenfläche, Balkon oder Terrasse noch besser in Szene setzen können – und den Ertrag steigern könnten. Und viele landeten bei der Feststellung: Ich brauche dringend ein Hochbeet.

„Es ist eine Ikone für das Urban Gardening geworden – so wie es zuvor schon die Paradeiser waren“, kommentiert Ingrid Greisenegger den ungebrochenen Hochbeet-Boom. Die leidenschaftliche Umweltjournalistin und Autorin leitet gemeinsam mit dem Gemüseforscher Wolfgang Palme die City Farm im Wiener Augarten. „Dabei ist das ja nicht neu, das hatten schon die indigenen Völker vieler Kulturen, zum Beispiel in China: Es gab schon  vor 4.000 Jahren Hügelbeete, weil man dadurch einfach mehr Anbaufläche hatte.“

Neben solchen Vorteilen, etwa auch dass man aus dem Hochbeet mehr Ertrag holen kann, begründet sich die große Liebe dazu aber auch in der Ästhetik und Bequemlichkeit moderner (Stadt)Gartler. Ein solcher Kasten ist oft mehr Einrichtungsgegenstand als Ort des Grabens und Erntens, er macht sich gut neben der fancy Sitzgruppe und ist bequem zu bestellen. Außerdem ist es eine saubere Lösung.

Wie ist das perfekte Hochbeet?

Auch wenn das klassische Hochbeet immer Bodenkontakt hat und unten offen ist, gibt es geschlossene Varianten, die den Terrassenboden nicht verschmutzen: „Dann ist aber eine sehr gute Drainage unabdingbar, damit das Wasser abrinnen kann“, rät Greisenegger.

Den wirklichen Vorteil eines Hochbeets verliert man damit auch. Denn die unmittelbare Verbindung zum natürlichen Bodenleben mit all seinen Regenwürmern und Mikroorganismen, macht das Feld in der Kiste aus. Wichtig ist nur eine Sperrschicht aus Draht gegen ungebetene Erdbewohner wie Wühlmäuse (und eventuell eine Schneckensperre).

Apropos Schichten: Eine gewisse Kreativität darf man beim Aufbau des Hochbeets zwar walten lassen, dennoch gibt es einen ganz bestimmten Aufbau, damit man wirklich zur Mehrfachernte in einer Saison kommt. Ganz unten kommen Baum- und Strauchschnitt, die so entstehende Verrottungswärme wirkt in den ersten sechs bis sieben Wochen „wie eine Fußbodenheizung, das ermöglicht einen früheren und besseren Start in die Anbausaison und mehr Ernten“. Darauf kommt Grasschnitt, dann Biomist aus der Küche, dann Erde. So hat das Substrat immer frische und natürliche Düngung von innen, weshalb Hochbeete besonders von ökologisch interessierten Gartlern geliebt werden. Durch die Verwertung von Grünschnitten in einem Kreislauf fällt auch weniger in der Biotonne an.

Das längste Hochbeet

Dieser naturnahe Zugang steht auch in der City Farm im Fokus, wo es das längste Hochbeet Österreichs gibt, vielleicht sogar Europas, sagt Greisenegger: „45 Meter lang und mit 104 Paradeisersorten bunt gemischt – darauf haben wir uns konzentriert.“ Die Außenwände – die sich je nach dem Stil des Erbauers richten, sie dürfen nur keine problematischen Stoffe an die Erde innen abgeben – bestehen bei dem Rekordbeet aus Cortenstahl. „Durch die Oxidation wirkt es, als ob es schon immer dagestanden wäre. Wir haben in der City Farm auch das ,niedrigste‘ Hochbeet mit 20 Zentimeter, speziell für Kinder.“ Denen möchte man hier nämlich besonders die Nähe zur Natur beibringen, unter anderem mit dem „Garten der Kinder“ und in Sommergartenwochen (siehe Info unten). Es gibt allerdings auch zahlreiche Workshops für Erwachsene.

Und was wird im 45 Meter-Beet neben Paradeisern über die ganze Saison angebaut, schließlich soll ein echtes Hochbeet alljahreszeitlich nutzbar sein? „Im Winter ist Low-Energy-Gemüse drin (eine Spezialität von Wolfgang Palme, Anmerkung), das setzen wir im Spätsommer bis in den Herbst hinein. Das kann man dann im Winter ernten.“ Denn was ein wahres Hochbeet ist, ist auch ein Wunderwuzzi – ob im großen Betontrog oder in der alten Badewanne.

Info

City Farm Augarten Gemüseforscher Wolfgang Palme und Umweltjournalistin Ingrid Greisenegger, Chefredakteurin des Grüne Welt Journals in der KURIER Freizeit, leiten den Erlebnisgarten mit dem gartenpädagogischen Zentrum im Wiener Augarten: 1020, Ob. Augartenstraße 1C, www.cityfarm.wien

Gartenspaßwochen Beim Sommerferienprogramm der City Farm Augarten können Kinder umstechen, säen, ernten, Obst und Gemüse naschen. Daneben gibt es Wissenswertes zum Gärtnern, Spielzeit auf Wiesen und Naturentdeckungen. Gruppen bis 15 K. von 6–12 Jahren: 13.–17.7. und 24.–28.8. (9–16 Uhr), Kosten 350 €/ Kind inkl. Essen (Geschwisterrabatt 10 %), Anmeldung: info@cityfarm.wien