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Chancengleichheit
12/08/2019

„Bildung, Bildung und noch einmal Bildung“

Georg Kapsch ist der aktuelle Präsident der Industriellenvereinigung. Im Interview spricht er über sein Fazit des ZukunftMonitors.

KURIER: Mit dem ZukunftsMonitor wurde eine neue Studie in Österreich durchgeführt. Wie würden Sie diese beschreiben?

Georg Kapsch: Die Studie zeigt, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt. Das unterstützt Unternehmen bei der Planung der Zukunft – und die Politik bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Gesellschaft. Wir wollen dabei helfen, essenzielle Fragen zu beantworten. Wie wirkt sich die voranschreitende Digitalisierung auf die Menschen aus? Driften wir auseinander oder rücken wir zusammen? Was macht Populismus mit der Gesellschaft? Es gibt zahlreiche Veränderungen, die relevant für uns alle sind.

Die Industriellenvereinigung hat die Studie in Auftrag gegeben und finanziert. Was war der Anstoß dafür?

Verantwortung ist hier der wichtige Aspekt. Und Verantwortung zu übernehmen heißt nicht nur, sich an einem BIP, an einer Lohnquote oder an einem Verschuldungsgrad zu messen, sondern das heißt auch die weichen Faktoren, sprich die Kohäsion einer Gesellschaft und das Wohlbefinden in einer Gesellschaft zu messen, weil uns interessiert einfach beides. Mit den harten Faktoren sind wir tagtäglich stark konfrontiert. Die weichen Faktoren spüren wir aber in den regelmäßigen Diskussionen mit unseren Mitarbeitern und auch in Diskussionen, die wir mit den Menschen auf der Straße führen. Oder wir vernehmen sie durch Äußerungen von Menschen in unterschiedlichen Medien.

Wie würden Sie die Ziele des ZukunftMonitors konkret ausformulieren?

Große gesellschaftliche Entwicklungen, wie etwa der Umgang mit Fremden, Pluralität, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Innovationsfreudigkeit – all das wollen wir sichtbar und messbar machen. Außerdem soll der Zustand der Gesellschaft durch einen neuen sozialwissenschaftlichen Indikator erhoben werden.

Chancenungerechtigkeit bereitet den Menschen Sorge. Worin sehen Sie eine Möglichkeit, hier Verbesserungen zu schaffen?

Bildung ist der Schlüssel. Eigentlich liegen die Konzepte seit Jahren auf dem Tisch und es gibt ja auch internationale Vergleichsmodelle, die uns vormachen, wie es besser funktionieren könnte. Erstens sollten wir die Elementarbildung stärken, denn was wir in den ersten Jahren nicht zugrunde legen, das kommt auch nicht mehr oder kommt selten später noch. Zweitens brauchen wir deutlich mehr Qualität in der Grundbildung von 4- bis 14-Jährigen und einen entsprechenden aussagekräftigen Abschluss. Wir wissen, dass Bildung in Österreich stark weitervererbt wird. Die einzige Möglichkeit, die wir haben, heißt also Bildung, Bildung und noch einmal Bildung.

Wie beurteilen Sie das Ergebnis zu den Zukunftseinschätzungen?

Mit Blick auf die eigene wirtschaftliche Situation oder die Innovationskraft der heimischen Wirtschaft haben die Menschen überwiegend positive Zukunftserwartungen. Durchaus positiv wird auch die Entwicklung des gesellschaftlichen Zusammenhalts eingeschätzt. Hingegen wird die Gesamtentwicklung Österreichs leicht negativ bewertet. Kritisch wird hier vor allem die zukünftige Entwicklung der Politik gesehen. Auffällig ist der Zusammenhang zwischen Bildung und Einstellung: Menschen mit Matura oder Hochschulabschluss sind wesentlich optimistischer als die Befragten mit maximal Pflichtschulabschluss.

Wie sieht Ihr persönliches Fazit des ZukunftsMonitors aus?

Es ist erfreulich, dass die Unternehmen für die Menschen eine hohe Bedeutung haben. Aber wenn wir im Land etwas bewegen wollen, dann geht es auch um die grundsätzliche Einstellung der Menschen und die müssen wir sehr ernst nehmen.

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