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freizeit Leben, Liebe & Sex
06/29/2020

Bald starten die Ferien: Lernen oder entspannen?

Wegen der Corona-Krise ist viel Unterricht ausgefallen – was Kinder jetzt brauchen.

von Ute Brühl

Es waren nervenaufreibende Zeiten – Eltern und Kinder standen häufig besonders unter Druck. Klar, dass sich jetzt  jeder nach den am kommenden Freitag in  den ersten Bundesländern beginnenden Ferien sehnt. Doch ist dafür Zeit? Sollen die Kinder die Ferien nicht lieber nutzen, um eventuell versäumten Stoff nachzuholen. Und was passiert überhaupt im Sommer?

Für die klinische Psychologin Sabine Kainz (kinderpsychologinnen.at) ist die Sache klar: „Weil für viele Schülerinnen und Schüler diese Zeit oft anstrengender war als gewöhnlicher Unterricht, brauchen sie jetzt erst einmal Pause.“

Ganz wichtig sei, mit den Kindern jetzt viel zu reden und ihnen klarzumachen, dass das jetzt für alle Familienmitglieder eine schwierige Zeit ist: „Vielleich müssen manche von ihnen heuer in die Ferienbetreuung und können nicht zu Hause bleiben, weil die Eltern schon den ganzen Urlaub aufgebraucht haben. Auch das muss den Kindern dann deutlich vermittelt werden.“

An die Schule sollte in der Familie niemand vor August denken – rund zwei Wochen vor Ferienende ist noch genug Zeit, sich wieder auf den Schulalltag vorzubereiten.

Vorbereitung

Was das heißt? Zuerst einmal Ordnung machen: Die alten Schulhefte wegräumen, den Schreibtisch wieder sortieren. „Je jünger das Kind ist, desto mehr muss man es unterstützen“, sagt die Psychologin. „Aber auch Jugendliche, die schon in die Oberstufe gehen, brauchen oft noch ein bisschen Anleitung.“

Sind alle Hefte und Schulbücher sortiert, kann das Lernen beginnen: „Dabei ist es wichtig, dass das Kind sich an eine Struktur gewöhnt, etwa dass es jeden Tag nach dem Frühstück eine halbe Stunde bis Stunde gleich nach dem Frühstück. Das reicht vollkommen aus. Danach darf die Schule wieder Schule sein und das Kind das tun, was es in den Ferien gerne macht.“

Auch wenn das Kind selbst keine Leseratte ist: Alle Kinder bis zum Volksschulalter lieben es, vorgelesen zu bekommen. „Das sollte ein selbstverständliches Ritual am Abend sein“, meint Kainz.

Damit Volksschulkinder dabei das Lesen üben, sollten die Buben und Mädchen ab und zu selber ein paar Sätze in der Geschichte lesen. Wie viele, hängt auch immer vom Können der Kinder ab. „Liest das Kind zum Beispiel schnell, macht aber viele Fehler, dann reicht es, dass es drei Sätze konzentriert liest. Liest es ein Wort falsch, können Sie das Kind kurz anstupsen und ihn so ermuntern, noch einmal genau zu lesen.“

Damit das Lesen auch wirklich Spaß macht, darf das Kind sich aussuchen, was gelesen wird: „Ein besonderer Anreiz kann sein, dass es ein Buch ist, das von der Schwierigkeit her eigentlich für ältere Kinder gedacht ist.“ Aber auch ganz einfache Bücher sind erlaubt. „Auch im Mickey-Maus-Comic oder im Bundesligaheft stehen ganze Sätze.“

Ferientagebuch

Vorlesen ist auch immer Sprachförderung. Ein weiterer Tipp, wie Kinder lustvoll ihren Wortschatz erweitern und die Grammatik festigen können, ist ein Ferientagebuch: „Es reicht, wenn die Kinder jeden Tag da in ein, zwei Sätzen aufschreiben, was sie an jedem Ferientag erlebt haben. Als schöne Erinnerung können sie Eintrittskarten oder Fotos einkleben. In einem Schatzkästchen lassen sich Erinnerungsstücke wie Muscheln, Steine oder getrocknete Blüten sammeln. Die Kinder macht es sehr stolz, ihre Werke bei Schulbeginn wieder der Lehrerin zu zeigen.“