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freizeit Leben, Liebe & Sex
10/02/2021

Tipps: Mit den Kindern lernen will gelernt sein

Die Leistung sollte nicht an die Liebe von Mama und Papa geknüpft sein

von Theresa Bittermann

Dividieren, ganz ohne Taschenrechner? Gar Integralrechnen oder französische Grammatik? Oft stehen Kinder mit einem Fragezeichen im Gesicht vor den Eltern, wenn es um Schulaufgaben geht. Besonders in den vergangenen eineinhalb Jahren sind die Eltern durch das Home Schooling auch zu Lehrerinnen und Lehrern geworden – keine einfache Aufgabe. Ganz und gar nicht. Eine eigene Profession, wie Barbara Schober von der Uni Wien betont. Sie ist Bildungspsychologin und hat seit dem ersten Lockdown regelmäßig Schülerinnen und Schüler und deren Eltern befragt. Obwohl die Zeit ohne Frage hart war, habe sie auch Positives gebracht.

Selbstorganisation

Dadurch dass Kinder und Jugendliche in den vergangenen eineinhalb Jahren zum Großteil auf sich gestellt waren, hätten viele besser gelernt, sich die Zeit selbst einzuteilen und das Lernen zu organisieren. Der Knackpunkt: „Das hat aber nur dann gut funktioniert, wenn von der Schule und auch seitens der Familie die richtigen Rahmenbedingungen da waren.“ Zurück in der Schule kommt es jetzt ganz darauf an, genau hinzuschauen, was ist der Status quo bei den einzelnen Kindern? „Wir können nicht so tun, als wäre die letzten eineinhalb Jahre alles normal gewesen“, sagt Schober.

Die Belastung für die Eltern im Home Schooling war auf jeden Fall enorm, das bestätigt auch die Studie. Aber wie ist es eigentlich richtig, wie sollten Eltern beim Lernen helfen und wann ist die gut gemeinte Hilfe auch vielleicht zu viel?

Schritt Nummer Eins: Hilfe anbieten, da sein, wenn das Kind Unterstützung braucht, aber sich nicht aufdrängen, rät die Expertin. Und wenn die Unterstützung dann auch gefragt ist, sollte sie auch genau das sein und keine Drohung über mögliche Fehlschläge. „Wenn die Motivation fehlt, kann man das natürlich zum Thema machen und gemeinsam nach Lösungen suchen.“ Schließlich geht es beim Lernen nicht nur um die Lerninhalte. Auch das Lernen selbst will gelernt sein. Schlüssel dabei ist laut Schober vor allem, immer daran zu glauben, dass man auch tatsächlich etwas dazulernen kann.

37 Prozent der Kinder und Jugendlichen bekamen im vergangenen Schuljahr private Nachhilfe. Weitere 27 Prozent hätten gerne Nachhilfe genommen, jedoch konnten die Eltern keine organisieren - das hatte vor allem finanzielle Gründe, zeigt das Nachhilfebarometer der Arbeiterkammer. 

Schulangebote nutzen

Klassischer Nachhilfeunterricht muss nicht immer die Lösung sein. Bildungspsychologin Barbara Schober rät, zuerst die Schulangebote auszuloten. 

Online-Nachhilfe

Klappt das nicht, gibt es auch im Internet zahlreiche Angebote. Ob Youtube oder TikTok ist dabei nebensächlich - die Quelle hinter dem Video ist entscheidend. Die Universität Wien etwa hat einen eigenen Youtube-Channel mit Mathe-Erklärvideos – „Mathematik macht FreuNde“ – für Schülerinnen und Schülern der ersten und zweiten Sekundarstufe. 

Buddysystem

Auf der Plattform #weiterlernen (weiterlernen.at), die das Bildungsministerium zu Zeiten des Schul-Lockdowns geschaffen hat, gibt es Online-Kurse und Vernetzungsmöglichkeiten. Braucht man Hilfe, kann man auf dieser Plattform einen „digitalen Buddy“ finden, der oder die beim Lernen hilft. 

Nix ist fix

Läuft es mal weniger gut, sollte man auch auf tröstende Worte wie „Macht doch nichts, Mathe ist halt nichts für dich“ verzichten, rät die Expertin. Denn: „Nix ist fix. Beim Lernen muss man an Veränderung glauben, anstatt sich zu sagen: Ist halt nichts für mich.“

Wichtig ist: Die Schule und das Lernen sollte nicht Gegenstand der Beziehung zwischen Eltern und Kindern sein. Heißt, das Kind soll nicht das Gefühl bekommen, die schulische Leistung sei an die Liebe, die es von den Eltern bekommt, geknüpft. Läuft das schief, kann das späte Folgen haben: „Viele Erwachsene haben Probleme, weil sie ihr Selbstwertgefühl über die eigene Leistung aufbauen.“

Letzter Tipp: Zu viel gut gemeinte Unterstützung verdirbt auch den Brei. So hat das Kind nämlich keine Chance, selbst zu lernen. Schober: „Schule ist kein Ort, an dem man primär beweisen soll, was man kann, sondern an dem man vor allem etwas lernt.“

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