Katzenhaltung: Wie Besitzer Tierleid vermeiden können
KURIER-Tiercoach Katharina Reitl erklärt, wie Halter ihren Vierbeinern ein gesundes und glückliches Leben ermöglichen.
Als die Jäger und Sammler der Steinzeit begannen, Vorräte anzulegen, kamen ihnen die Mäusejäger gerade recht. Aus der Zweckgemeinschaft entwickelte sich eine innige Mensch-Haustier-Beziehung – mit subtilen Zeichen der Zuneigung:
Reibt eine Katze ihren Kopf an den Beinen ihres Besitzers, überträgt sie Pheromone aus den Duftdrüsen und markiert ihn als Familienmitglied. Präsentiert sie ihren empfindlichen Bauch, zeigt sie großes Vertrauen. Auch langsames Blinzeln gilt als freundliche Geste. Ihr Miauen wiederum richtet sie gezielt an Menschen, entspanntes Schnurren signalisiert Wohlbefinden.
Am 8. August ist Weltkatzentag
Die Zuneigung ist keine Einbahnstraße. Zum Weltkatzentag am 8. August erklärt KURIER-Tiercoach Katharina Reitl, wie Halter ihr Herz für die Vierbeiner beweisen.
1. Wissen schützt vor Tierleid.
„Ein Sachkundenachweis, wie er für Hunde, Papageienvögel und Exoten mittlerweile in ganz Österreich vorgeschrieben ist, lässt sich bei Katzen nur schwer umsetzen“, sagt Zoodoc Reitl.
Katzen werden häufig privat abgegeben, wodurch sich der Besuch eines einschlägigen Kurses kaum kontrollieren lässt. Zudem gibt es – anders als bei Hunden – keine qualifizierten Trainer, die entsprechende Inhalte vermitteln können. Umso wichtiger sei es, dass sich Halter freiwillig Wissen aneignen – und Medien zur Aufklärung beitragen.
2. Gesundheit lässt sich fördern.
„Übergewicht ist ein häufiges, vermeidbares Problem“, betont die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn in Hinblick auf die Gesundheit. Jedes Kilo zu viel erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen, insbesondere für Diabetes. Es liegt in der Verantwortung des Besitzers, die Katze in Form zu halten.
„Die Lunge ist ein heikles Organ“, sagt Reitl. Zigarettenrauch und Raumsprays sind Gift für die Katze. Auch dieses Risiko ist hausgemacht und kann dem Vierbeiner erspart bleiben.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen tragen darüber hinaus dazu bei, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
3. Kastration verhindert Erkrankungen.
„Die Kastration für Freigänger ist hierzulande Pflicht – und aus mehreren Gründen sinnvoll“, mahnt Reitl zur Einhaltung des Tierschutzgesetzes.
Fortpflanzungsfähige Strawanzer können bis zu zehn Junge pro Jahr zur Welt bringen. Unkastrierte Kater wiederum neigen zu Revierkämpfen und Liebesbissen, über die Blutparasiten und andere Erreger übertragen werden können. Wunden können sich entzünden, für Katzenaids (FIV) und Katzenleukose (FeLV) gibt es keine Heilung.
Doch auch bei Wohnungskatzen kann die Entfernung der Keimdrüsen sinnvoll sein. Bei Kätzinnen in Dauerrolligkeit kann sich die Gebärmutter krankhaft verändern. Die Schreie belasten so wie der Geruch, den unkastrierte Kater beim Markieren verteilen.
4. Hände weg von Qualzucht.
„Qualzucht ist aus gutem Grund verboten“, verweist der Zoodoc auf ein Leid, das unseriöse Züchter nach wie vor in Kauf nehmen. Dabei untersagt das aktuelle Tierschutzgesetz den Erwerb, die Vermittlung, Weitergabe, den Import, die Ausstellung und die Bewerbung von Vierbeinern mit Qualzuchtmerkmalen.
Dennoch werden immer noch Scottish Fold, extrem kurzschnauzige Perserkatzen, deren Erscheinungsbild auf Gendefekten beruht, sowie Katzen mit Stummelbeinen, Stummelschwanz, stark verkürzter Wirbelsäule oder ohne (Tast-)Haare in die Praxis gebracht. „Natürlich behandeln wir diese Patienten und klären die Besitzer auf, die sich der Problematik leider oft nicht bewusst sind“, berichtet Reitl.
Jungtiere und Eltern bei der Auswahl anschauen
Wer sich für eine potenziell betroffene Rasse interessiert, sollte insbesondere auf Lidstellung, Augengröße und Nasenform achten. Da diese Merkmale bei Kitten häufig noch nicht vollständig ausgeprägt sind, empfiehlt die Expertin, auch die Elterntiere genau anzusehen. Die gesundheitlichen Folgen der Überzüchtung treffen Vierbeiner und Halter.
„Viel Katzenleid lässt sich einfach vermeiden“, fasst der KURIER-Tiercoach im Sinne des Weltkatzentags zusammen: „Halter sind in der Pflicht, dazu beizutragen.“
KURIER Tiercoach
Der KURIER-Tiercoach Frau Dr. Katharina Reitl aus der Tierärztlichen Ordination Tiergarten Schönbrunn gibt exklusiv für den KURIER regelmäßig Tipps zur Haustierhaltung.
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