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freizeit Fragen der Freizeit
06/15/2021

Warum sind die Servietten in Eissalons für nichts zu gebrauchen?

Hart, dünn, null Saugkraft: Wollen die uns papierln?

von Alexander Kern

Frühling ist Eiszeit. Und zwar auf der Zunge. Vanille, Schokolade, Stracciatella (und für mich meine Lieblingssorte Haselnuss): Wer bis jetzt darauf verzichtete, sich beim Straßenverkauf seines Lieblingseissalons (haben wir doch alle) ein Stanitzel Glück zu holen, hatte mein vollstes Verständnis: Fröstelnd dazustehen, während der Regen von oben auf die Markise prasselt und von der Seite in Windböen auf einen einpeitscht – nein, danke. Letztens war es aber soweit: ein Spaziergang durch die Stadt, ein Eis für unterwegs und die Erinnerung an ein altes Ärgernis: die Servietten in Eissalons.

Sie kennen das: Das Stanitzel (auf dem bereits die ersten Tropfen Malaga Richtung Waffelspitze kullern, was Sie zu panischem Schlecken animiert) in der einen Hand, fischen Sie sich mit der anderen – währenddessen Sie bezahlen – mit zwei abgespreizten Fingern winzige Servietten aus dem Spender auf der Budel. Doch hilfreich sind die nicht. Stattdessen schrecklich hart, eine Anmaßung zwischen Schmirgelpapier und Pergament, dünn noch dazu, ihre Saugkraft: null.

Mund abwischen? Möglich, aber sinnlos. Während Stoff Flüssigkeit aufnimmt, ist mit dem Fetzerl bloß Verreiben möglich. Ob im Gesicht oder am Gewand: Man vergrößert das Problem. Bei uns, aber vor allem bei Kindern, die beim freudigen Eisschlecken wenig Disziplin zeigen – an ihren verschmierten Gesichtern ist die halbe Eiskarte ablesbar. Wollen die uns papierln?

Alles Tradition 

Die Antwort ist: nein. Wie so manches, das überholt ist, steckt eine gewisse Tradition dahinter. Ursprünglich wurden die Papierchen in Italien verwendet, damit der Eisverkäufer das Stanitzel nicht mit der Hand berührt. Ihr Zweck war also ein hygienischer – und nicht, sich Mund oder Finger abzuwischen.

Silvio Molin-Pradel sieht die Situation gelassen. Ihm gehört der Eissalon-Schwedenplatz in Wien, zudem ist er beim Verein der italienischen Eiserzeuger in Österreich. Die mangelhafte Saugkraft der Servietten ist bekannt, sagt er. „Doch um sich die Mundwinkel abzuputzen, sind sie ausreichend.“ Immerhin: Kleine Kinder erhalten bei ihm echte Servietten. Wir anderen müssen besser aufpassen. Der Profi lacht: „Eisessen muss man auch können.“

Hier schreiben Autoren und Redakteure abwechselnd über Dinge, die uns alle im Alltag beschäftigen.

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