Die Verknüpfung zwischen Verdauungstrakt und Nervensystem ist offenbar noch direkter als man das bisher angenommen hat.

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freizeit Fragen der Freizeit
05/19/2020

Warum haben wir Schmetterlinge im Bauch, wenn wir verliebt sind?

Fragen der Freizeit ... und Antworten, die Sie überraschen werden.

von Elisabeth Mittendorfer

Herzklopfen, weiche Knie, schwitzige Hände und ein Kribbeln im Bauch – viele Menschen kennen diese körperlichen Symptome, wenn sie verliebt sind. Zugegeben: Das klingt nicht annähernd so aufregend schön, wie sich Verliebtheit anfühlt. Etwas romantischer lässt sich das flatterige, aufgeregte Gefühl in der Magengegend mit der Vorstellung von unzähligen kleinen Schmetterlingen beschreiben, die dort herumfliegen. Doch woher kommt die Redewendung „Schmetterlinge im Bauch haben“ eigentlich?

Der Ausdruck soll von der US-amerikanischen Schriftstellerin Florence Converse (1871–1967) geprägt worden sein. In ihrem Roman „House of Prayer“ schrieb sie 1908 von „butterflies in the stomach“, um ein flaues Gefühl im Magen zu beschreiben. Im deutschsprachigen Raum und in Zusammenhang mit Verliebtheit wurde die Metapher erst später verwendet.

Biochemische Prozesse

Auch wenn es mittlerweile wissenschaftliche Nachweise dafür gibt, dass der Bauch auf Empfindungen reagiert, handelt es sich beim Vorgang des Verliebens in erster Linie um hochkomplexe biochemische Prozesse, die im Gehirn ablaufen. Wesentlich daran beteiligt sind Hormone und Botenstoffe wie der Neurotransmitter Dopamin sowie die Hormone Serotonin, Oxytocin oder das „Verliebtheitshormon“ Phenylethylamin (PEA), von denen der Körper im Zustand der Verliebtheit mehr als sonst produziert. Der Neurologe Antonio Damasio von der Universität Iowa bezeichnet den Überschwang der Gefühle etwa als „kurzfristigen Hirnschaden“. Für das Kribbeln im Bauch sind vor allem die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin verantwortlich, die der Körper im Verliebtheitsmodus ebenfalls verstärkt ausschüttet.

Doch Verliebtheit ist kein permanenter Ausnahmezustand. Wenn sich die Hormone wieder eingependelt haben, liegt es am Bindungshormon Oxytocin, dass viele Paare zusammenbleiben. Es gibt Hinweise, dass sich bei Paaren, bei denen schon in der Anfangsphase besonders viel Oxytocin im Spiel war, die Schmetterlinge nicht als Eintagsfliegen entpuppen – sie sollen bessere Chancen auf eine lange gemeinsame Zukunft haben.

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