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freizeit Fragen der Freizeit
07/07/2020

Warum gelingt das gekochte Ei nie gleich und überall anders?

Fragen der Freizeit ... und Antworten, die Sie überraschen werden.

von Andreas Bovelino

"Die kann nicht einmal ein Ei kochen“, war eines der vernichtendsten Urteile, die meine Oma über eine andere Frau zu fällen vermochte. Inzwischen dürfen Männer ja zum Glück auch kochen und ich darf über mich ganz ohne falsche Bescheidenheit sagen, dass ich ein fantastischer Koch bin. Prinzipiell. Aber meine Frühstückseier sind eine einzige Katastrophe. Sie sind entweder glibberig – oder werden steinhart. Als ich hingegen das letzte Mal eine ganze Ladung hart kochen WOLLTE, waren sie nach gefühlten 15 Minuten wunderbar wachsweich und perfekt zum Löffeln.

Aber wie so oft, wenn die Verzweiflung am größten ist, findet sich die Lösung  in einem alten Physikbuch: Vor 350 Jahren entdeckte der große irische Physiker Robert Doyle den Zusammenhang zwischen Luftdruck und Temperatur.

Daraus folgt, dass wenn Wasser auf Meeresniveau bei 100 Grad kocht, es bei entsprechend niedrigerer Temperatur zu sieden beginnt, je höher man sich befindet. Das führt so weit, dass auf dem Mount Everest das Wasser schon bei knapp 70 Grad kocht, und ein Ei dort oben überhaupt nie fest werden könnte. Wobei ich bezweifle, dass sich jemand auf dem Gipfel des höchsten Berges der Welt ein perfektes Frühstücksei kochen wollte, aber egal, es geht ums Prinzip. In der Lobau (151 m Seehöhe) braucht ein mittelgroßes weiches Ei etwa 5 Minuten, in Mexiko Stadt (2.240 m) fast 6,5 Minuten.

Wenn ich also vom 9. Bezirk und 160 m Seehöhe nach Gersthof auf luftige 260 m ziehe, dann ist wohl klar, warum mein Ei bei derselben Kochzeit glibberig bleibt. Oder auch nicht. Denn ein Blick auf die nach Boyle erstellte Luftdruck-Skala zeigt ein Absinken von gerade einmal einem Grad pro 300 Meter Höhe. Das Gersthofer Ei muss also nur exakt 2 Sekunden länger kochen als das im Alsergrund. Vielleicht liegt es eben doch einfach daran, dass ich die Zeit nicht genau einhalte, zu wenig darauf achte, ob das Wasser wallend kocht oder noch nicht - und die verdammte Eigröße nie berücksichtige...

Und meine Oma ganz einfach falsch lag, weil ein Ei zu kochen, dessen Klar bei 85 Grad stockt, während das Gelb schon bei 65 Grad fest wird, einfach eine beinah unmenschliche Herausforderung darstellt.

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