© Getty Images/iStockphoto/Mindy Payne/iStockphoto

freizeit Fragen der Freizeit
06/09/2020

Warum kommt uns der Hinweg oft länger vor als der Rückweg?

Fragen der Freizeit ... und Antworten, die Sie überraschen werden.

von Annemarie Josef

Wer mit dem Auto reist, kennt das: Der Weg zum Ziel zieht sich manchmal endlos hin, auf dem Rückweg geht es dann erstaunlich schnell. Obwohl es dieselbe Strecke ist – in einem Rutsch ist man daheim. Liegt’s an der neuen Energie, die wir getankt haben?

Gut möglich, aber gesichert ist, dass Erinnerungen und Erwartungen unser Zeitempfinden ordentlich in die Irre führen können.

Die Wissenschaft hat dafür einen Namen: den „return trip effect“, den Rückreise-Effekt. Es ist die eigene Wahrnehmung, die uns austrickst. Dass der Rückweg kürzer scheint, entsteht nämlich dadurch, dass wir das Zeitempfinden mithilfe unserer Erinnerung beurteilen, erforschten Wissenschafter der Universität Kyoto: Gehen oder fahren wir eine Route wieder zurück, haben wir das Gefühl, wir seien schneller da, obwohl Weg, Dauer und Geschwindigkeit gleich geblieben sind.

Das hängt damit zusammen, dass unser Gehirn rückblickend die Strecke wieder erkennt, sie also vertrauter ist, das Gehirn deshalb weniger gefordert wird. Dazu kommt auch, dass wir den Hinweg falsch einschätzen. Psychologe Niels van de Ven begründete das gegenüber der Los Angeles Times so: „Menschen sind oft zu optimistisch auf dem Hinweg, sodass er sich ziemlich lang anfühlt. Wenn wir zurückkehren, denken wir ,Es wird wieder so lange dauern’, weshalb es sich dann nicht ganz so schlimm anfühlt.“ De Ven spricht von zu „optimistischen Erwartungen“ beim Hinweg, dabei ist er oft mit Unerwartetem gepflastert. Und jede kleine Verzögerung oder Unsicherheit rückt das Ziel in die Ferne.

Dass es dann die letzten dreißig Kilometer nur im Schneckentempo die Haarnadelkurven hinauf geht, das hatte man wirklich nicht bedacht. Man hat die Strecke unterschätzt. Auf der Rückfahrt sind wir dafür wesentlich realistischer unterwegs. Wir kennen die Serpentinen, mögliche Verzögerungen, stellen uns darauf ein, wissen wo’s langgeht.

Sie wollen das nächste Mal auch die Anreise kürzer empfinden? Laut de Ven können Sie sich austricksen: Rechnen Sie damit, dass der Hinweg länger dauern wird als geplant, dann kommen Sie schneller an. Gefühlt zumindest.