© APA/AFP/POOL/LAURENT GILLIERON

freizeit
12/06/2020

Fliegen wie Ikarus, John Travolta und Smudo: Der Traum lebt

Was sind schon ein paar verlorene Monate? Warum sich auch Promis wie Smudo oder der Iron-Maiden-Sänger Bruce Dickinson nicht vom Kurs abbringen lassen.

von Bernhard Praschl

Flieger, grüß’ mir die Sonne! Es sollte ein paar Jahrtausende dauern, bis der antike Mythos von Ikarus tatsächlich Gestalt annahm. Otto Lilienthal war 1891 der erste Mensch, der samt Flugapparat erfolgreich von der Erde abhob. Sein Gleiten glich zwar mehr einem Springen („Vom Schritt zum Sprung, vom Sprung zum Flug“), denn einem Schweben. Aber im Prinzip war es der erste Schritt hin zu dem, was wir uns dieses Jahr großteils entsagen mussten: das Fliegen.

Im kommenden Jahr wird es 130 Jahre her sein, dass Otto Lilienthals Flugversuche mit an den Schultern angelegten  Tragflächen aus Baumwolle von ersten Erfolgen gekrönt wurden.  Nicht einmal drei Generationen später betrat mit Neil Armstrong der erste Mensch den Mond. Ja, so schnell kann es gehen, wenn man eine Vision vor Augen hat, den Traum vom Fliegen.

Die Gebrüder Montgolfier hegten zuvor als Erfinder des Heißluftballons diesen Traum ebenso wie die Gebrüder Wright, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts den ersten erfolgreichen Flug mit einem Motorflugzeug absolvierten.

Vorbild Ikarus

Der Schweizer Pionier Raphaël Domjan umrundete vor zehn Jahren die Erde mit einem solarbetriebenen Katamaran. Seit fünf Jahren arbeitet er an dem Ziel, mit einem von Sonnenenergie betriebenen Flugzeug bis in die Stratosphäre vorzudringen. Das Vorbild für diese Vision? Natürlich, die alte, Ovid zugeschriebene Sage von Ikarus. 

Dieser stürzte dem Mythos zufolge wie ein Bruchpilot über dem Meer ab, weil er aus Übermut der Sonne zu nahe kam und das erhitzte Wachs schließlich seine Flügel schmelzen ließ.

Moderne Piloten sind zum Glück gegen zu viel riskantes Gehabe immun. Smudo etwa, der Texter und Rapper der deutschen Hip-Hop-Formation Die Fantastischen Vier, besitzt neben einer Fluglizenz auch eine für technisch noch anspruchsvollere Kunstflüge. Sprich: Er kann Loopings, Rollen mit Rückenlage, Trudeln und all das, was normale Flugpassagiere in Panik versetzt. Aber auch Smudo will es gewöhnlich  sanfter, wenn er an die Landung denkt.

Bei einem Ausflug mit Flugakrobat Matthias Dolderer bat er ihn, nicht das gesamte Programm durchzuziehen: „Schon beim Losrollen habe ich gemerkt, dass das wohl ein kurzer Flug werden wird. Es war kurios. Ich musste mir das Reihern verkneifen und musste doch glücklich lachen.“

Glück über den Wolken

Glücklich? Ja, man kann diesen Zustand durchaus  auch auf Erden finden. Sonja Zietlow, ein Gesicht der TV-Realityshow „Holt mich hier raus, ich bin ein Star!“, gab vor Jahren ihren sicheren Job als Erste Offizierin bei der Lufthansa auf, um sich ganz auf die Fernsehkarriere zu stürzen.

Für Schauspieler wie John Travolta oder Tom Cruise wäre das undenkbar. Einmal auf den Geschmack gekommen, wurden sie Wiederholungstäter. John Travolta ist bekannt dafür, dass er Flugzeuge sammelt wie andere Automobile. Derzeit besitzt er fünf davon, darunter richtig ausgewachsene  Passagierflugzeuge.

Dass einer wie „Top Gun“-Star Tom Cruise den Flugschein auch in echt hat, gilt wirklich nicht als Sensation. Der Mann kann aber darüber hinaus Hubschrauber steuern und hat sich im Jahr 2001 sogar ein Jagdflugzeug zugelegt, eine P-51 Mustang des Herstellers North American Aviation.

An Bord der Ed Force One

Aber alles nichts gegen die Leidenschaft, die Bruce Dickinson von Iron Maiden wie im Flug gepackt hat. Der Sänger und Frontman der britischen Hardrock-Band verstand sich schon zu Beginn seiner Fliegerkarriere darauf, mit einer kleinen Piper bei jeder Wetterlage zwischen England und den USA zu jetten. Solo und ohne Autopilot. Dann erwarb der Vollzeitrocker eine Lizenz zum Pilotieren von Passagierflugzeugen und flog neben brachial musikalischen Auftritten zwischen Rio und Moskau für Astraeus Airlines ganz zivil Linie –  zwischen Hurghada, Oral (Kasachstan) und Mykonos.

Um als Iron Maiden flexibler zu sein, kaufte Dickinson eine Boeing 757 (später eine 747), die kurzerhand „Ed Force One“ getauft wurde, und für sich den Nachbau eines Fokker-Dreideckers.

Getoppt wird so viel Enthusiasmus nur vom Pionier Raphaël Domjan. Mit der StratosSolar will der Schweizer dorthin, wo sonst kein Flugzeug zu finden ist: in eine Höhe von 25 Kilometern, in der Stratosphäre, dort, wo man die Erdkrümmung mit freiem Auge sehen kann. Viel Glück, Flieger!  

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