Soja-Boom: Erstmals über 200.000 Tonnen in Österreich geerntet

Soja-Boom: Erstmals über 200.000 Tonnen in Österreich geerntet
Die Produktion hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt: Ein Drittel der heimischen Soja-Ernte stammt aus Bio-Anbau.

Der Erfolgskurs von Soja in Österreich setzt sich fort: 2019 sind sowohl Anbauflächen als auch Erntemengen für Soja erneut deutlich gestiegen. Auf fast 70.000 Hektar haben die heimischen Soja-Landwirte erstmals 215.143 Tonnen Soja geerntet. Damit hat sich die heimische Soja-Produktion in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, wie der Verein Soja aus Österreich am Montag mitteilte.

Sojabohnen sind nach Mais, Weizen und Gerste mit 69.160 Hektar flächenmäßig die viertwichtigste Ackerfrucht auf Österreichs Feldern. Der Zuwachs 2019 betrug rund 1.500 Hektar und geht alleine auf Bio-Flächen zurück. Insgesamt stammt ein Drittel der heimischen Soja-Ernte aus biologischem Anbau, das ist der höchste Wert in Europa. Den stärksten prozentuellen Flächenzuwachs verzeichnete Wien, wo die Sojaanbaufläche im Vergleich zu 2018 von 92 auf 140 Hektar gestiegen ist.

Landwirtschaft will die "Eiweißlücke" schließen

Die klare Nummer eins im heimischen Sojaanbau ist das Burgenland. Mit 23.438 Hektar liegen hier rund ein Drittel der heimischen Sojaflächen. Im Vergleich zu 2018 ist der Bioflächen-Anteil somit von 29 auf 35 Prozent gestiegen. Auch hier ist das Burgenland Spitzenreiter: Mehr als die Hälfte der Sojaflächen werden dort nach Kriterien des biologischen Landbaus bewirtschaftet.

Während Europa den Fokus in den vergangenen Jahrzehnten eher auf stärkehaltige Kulturen wie Getreide und Mais legte, verlagerte sich die Eiweißproduktion auf den amerikanischen Kontinent. Von den derzeit rund 250.000 Tonnen nach Österreich importierten Eiweißmengen stammen etwa 200.000 Tonnen Reineiweiß aus Sojaimporten, hauptsächlich aus den USA und aus Südamerika. Ziel des heimischen Pflanzenbaus sei es nun, die sogenannte "Eiweißlücke" und damit die Importabhängigkeit zu verringern.

Karl Fischer, Obmann des Vereins Soja aus Österreich, schätzt das Potenzial der Sojabohne in Österreich bis zum Jahr 2030 auf 100.000 Hektar Anbaufläche mit einer Erntemenge bis 350.000 Tonnen jährlich. Damit würde Österreich weitestgehend "Eiweißautarkie" erreichen. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) arbeitet zudem an der "Österreichischen Eiweißstrategie".

In der EU nimmt Österreich Vorreiterrolle im Sojaanbau ein

Mit nur zwei Prozent der EU-Ackerfläche erzeugen die heimischen Landwirte acht Prozent der EU-Sojaernte. Damit ist Österreich fünftgrößter Sojaproduzent in der EU. 2018 wurde alleine von den Mitgliedern des Vereins Soja aus Österreich ein Umsatz von rund 57 Millionen Euro durch Sojaprodukte erwirtschaftet, die Exportquote betrug rund 75 Prozent. Rund die Hälfte der derzeitigen Produktion geht an die Lebensmittelindustrie, der Rest wird für Futtermittel verwendet.

Da der Bedarf für die Tierfütterung nicht aus eigener Produktion gedeckt werden kann, importiert Österreich aber auch große Mengen Soja. 2018 wurden fast 500.000 Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot eingeführt.

Laut Greenpeace sind mindestens 350.000 Tonnen davon gentechnisch verändert. In der EU ist der Anbau von gentechnisch veränderten Sojabohnen aber verboten. In Südamerika werden für Soja-Plantagen außerdem große Flächen an Regenwald gerodet - die Bohne ist ihr schlechtes Image noch nicht los.

Die heimischen Sojabohnen punkten bei den Konsumenten nicht nur wegen der größeren Sensibilisierung für Nachhaltigkeit im Zuge der Klimadebatte. Vegetarische, vegane und flexitarische Ernährungsweisen haben verstärkt Eingang in die Gesellschaft gefunden, weshalb immer mehr Anbieter ihre Produktpalette um entsprechende Angebote erweitern. Neben großen Gewerbebetrieben etablieren sich gerade auch viele Start-ups.

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