© FERDINAND NEUMUELLER

freizeit Essen & Trinken
09/21/2020

Der See ist kein Fischteich

Am Weissensee in Kärnten neigt sich der Sommer dem Ende zu. Für den einzigen Berufsfischer gibt es auch im Herbst genug zu tun.

von Heidi Strobl

Der Herbst ist wohl die schönste Jahreszeit am Weißensee. Morgennebel verwandeln seine Wasserfläche in eine mystische Sagenwelt, zu Mittag wird im türkisblauen Nass noch gebadet. Was sich unter der Oberfläche abspielt, kennt wohl keiner besser als Martin Müller, ausgebildeter Limnologe und Fischökologe. Den Sommer über ist er der Einzige, der den 6,5 Quadratkilometer großen See mit Netzen befischen darf, seinen Fang verkauft er in einem hübschen Pavillon in Neusach am Nordufer des Sees.

Das Interesse für die wild gefangenen Reinanken, Karpfen und Hechte übersteigt das Angebot bei Weitem, aber davon lässt  er sich nicht bedrängen. „Die jährlichen  Fangerträge richten sich nach dem vorhandenen Fischbestand und nicht nach der Nachfrage.“

Zwei Seelen in einer Brust

Reinanken, auch als Felchen bezeichnet, bilden derzeit die größte Population. Sie leben im kalten, tiefen Wasser in der Mitte des Sees, Müller fängt sie mit Netzen. Fisch für Fisch, behutsam, noch am Boot, schlachtet er sie und legt sie sofort auf Eis. Das ist besonders wichtig für die dünnhäutigen Tiere. Dass sich die Reinanken wohlfühlen und gut vermehren, freut zwar den Fischer Martin Müller, dem Fischökologen Martin Müller wäre es allerdings lieber, würden sich die Bestände der Seeforellen wieder erfangen, sie waren es nämlich, die den See ursprünglich besiedelten und nach und nach verdrängt wurden. Die immer wieder neu ausgesetzten Seeforellen-Jungfische dienen leider vor allem den Hechten als willkommene Nahrung.

Dass Müller heute von den Fischen lebt, war nicht vorhersehbar. Aufgewachsen am Weißensee, angelte er zwar schon als Kind mit einer Haselnussrute, seinen Fang verschenkte er aber meistens, weil seine Mutter Fische nicht verkochen wollte. „Gerade mal Fischstäbchen gab’s ab und zu“, sagt er schmunzelnd.

Pro Ausfahrt gehen derzeit zwischen 60 und 120 Reinanken ins Netz. Hechte und Karpfen fängt auch der Berufsfischer mit der Angel. Frischfische verkauft Müller an Privatkunden und an die Top-Restaurants der Region, er legt sie aber auch selbst sauer ein oder räuchert sie.

Sein Wissen gibt der Fischökologe an Erwachsene und Kinder in Form von „Angel-Guidings“ weiter. Dabei fährt er mit seinen Gästen per Boot zu den besten Plätzen am See und erklärt wie und wo welcher Fisch gefangen wird. Sein Ziel dabei ist aber nicht die größte Fischtrophäe, sondern das Verständnis für den See und dessen Bewohner. „Jeder Fisch, auch wenn er noch so klein ist, verdient unseren Respekt und unsere Dankbarkeit.“

Die größte Fischpopulation im Weißensee sind derzeit Reinanken. Sie leben im tiefsten Teil des Sees, Berufsfischer Martin Müller fängt sie mit Netzen. http://www.weissenseefisch.at

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