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freizeit Essen & Trinken
03/24/2021

Bronzezeitliches "Lieferando" brachte Bergleuten Porridge-Basis

Forscher fanden in verkohlten Speiseresten aus einer bronzezeitlichen Kupfermine in Niederösterreich vorverarbeitete Nahrungsmittel.

Esel statt Drahtesel - per Fahrrad ist die Essenslieferung anno dazumal sicher nicht gekommen, viel mehr wurden Lastentiere bepackt: Vorverarbeitete Nahrungsmittel für Bergleute gab es schon in einer bronzezeitlichen Kupfermine. Das berichten österreichische Archäologen und Archäobotaniker im Fachjournal "Plos One". Sie analysierten dafür archäologische Funde, etwa verkohlte Krusten von Speisen, aus der Kupfermine von Prigglitz-Gasteil bei Gloggnitz in Niederösterreich.

Arbeitsteilung in prähistorischer Zeit

Bereits in prähistorischen Bergbaustätten waren spezialisierte Handwerker und Bergleute tätig, die ihre Nahrung nicht selbst produzierten, sondern auf die Versorgung durch Lieferanten angewiesen waren. So war etwa Hallstatt ein Großbetrieb, wo nicht nur Salz abgebaut, sondern dieses auch gleich zum Pökeln von Schweinefleisch genutzt wurde. Die Tiere für diese Fleischindustrie wurden von Züchtern im Alpenvorland entlang der Donau oder aus dem Judenburger und Klagenfurter Becken nach Hallstatt getrieben, wie Forscher vor einiger Zeit anhand von DNA-Analysen herausfanden.

Schwierige Untersuchung

Im Zuge eines Forschungsprojekts über die Arbeits- und Lebensbedingungen bronzezeitlicher Bergleute in der Kupfermine von Prigglitz-Gasteil hat der Archäobotaniker Andreas G. Heiss vom Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in der aktuellen Arbeit dort gefundene Pflanzen- und Speisereste analysiert. Die Abbaustätte war zwischen dem 11. und 9. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung aktiv.

Die Analyse der pflanzlichen Kost ist ungleich schwieriger als jene der tierischen Nahrungsmittel. Während sich letztere gut anhand der Knochenüberreste untersuchen lassen, bleiben pflanzliche Speisen nur unter speziellen Bedingungen erhalten - beispielsweise als verkohlte Krusten von Speisen. Verkohlte Reste von mehr oder weniger intakten Samen oder Früchten und Blättern werden schon länger in den meisten Grabungen ausgewertet, die Resultate ihrer Verarbeitung wurden aber lange nicht beachtet, erklärte Heiss gegenüber der APA.

Pflanzen im Rasterelektronenmikroskop

Grund dafür sind auch die aufwändigen Methoden, die für eine Untersuchung eingesetzt werden müssen. So lassen sich die meist mikroskopisch kleinen Strukturen wie pflanzliche Gewebereste oder einzelne Zellen, die von Samen oder Früchten nach dem Mahlen, Quetschen, Kochen etc. übrig geblieben sind, nur mit dem Rasterelektronenmikroskop identifizieren.

Gereinigtes Getreide, Gerste und Emmer

Unter den gefundenen Überresten in Prigglitz-Gasteil fanden die Wissenschaftler so überwiegend küchenfertig gereinigtes Getreide, vor allem Rispenhirse und Kolbenhirse, aber auch Gerste und Emmer, eine Weizensorte. Neben den Getreidekörnern selbst konnten sie in den Krusten aber auch Reste von daraus hergestellten Speisen identifizieren, etwa fein zerkleinerte Hirsespelzen und Gerstenkleie. "Beides deutet darauf hin, dass aus Hirse und Gerste Brei gekocht wurde", so Heiss.

Auch Kochgeschirr ausgebraben

Nachdem die Archäologen bei den Grabungen Kochgeschirr gefunden haben, aber keine Geräte zur Verarbeitung von Getreide wie Reibsteine, deutet für sie alles auf die Anlieferung von gereinigtem Getreide hin. "Vielleicht wurden einige Gerichte auch bereits vorgekocht zu den Bergleuten gebracht", vermutet der Archäobotaniker.

Weitere Analysen folgen

Die Wissenschaftler wollen in weiterführenden Untersuchungen die Ernährungsgewohnheiten der bronzezeitlichen Bergleute noch detaillierter untersuchen. So wurden bisher Hirse und Gerste nicht im jeweils selben Lebensmittelrest nachgewiesen. Dies könnte daher auf zwei verschiedene Gerichte hindeuten.

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