© Bernhard Schubert

freizeit
01/23/2021

Dschungelcamp für Fotoprofis: "Wildlife" im Visier

Ob vor der Haustüre oder in der Ferne, immer mehr heimische Naturfotografen mischen an der Weltspitze ihres Genres mit.

von Bernhard Praschl

Das Palmenhaus in Schönbrunn ist schuld. Alles, was dort kreucht und fleucht, inklusive der wohlig temperierten Atmosphäre, machten auf einen jungen Wiener Neustädter einen derartigen Eindruck, dass er wusste: „Ich muss in die Tropen.“ Gedacht, getan. Ein paar Jahre und viele Tausend Flugmeilen später ist Bernhard Schubert nicht nur angehender Wildtierökologe, sondern auch preisgekrönter Wildlife Photographer.

Die Vergabe der renommierten Auszeichnung mit dem "Wildlife Photography Award" in London liegt zwar schon einige Wochen zurück. Die Freude darüber ist geblieben. Und die Vorfreude auf die nächste Reise ist seither verständlicherweise gestiegen.

 

„Dabei muss man nicht unbedingt in die Ferne, um ein lohnendes Motiv aufzuspüren“, weiß der Student der Universität für Bodenkultur in Wien. „Man muss nur genauer schauen, dann finden sich auch in der unmittelbaren Umgebung zahlreiche Attraktionen für das Kameraauge.“

Hauptsache "Outdoor"

Ob ein eigener Garten oder eine Wiese, Hauptsache „Outdoor“. Natürlich macht es einen Unterschied, ob man einem Schmetterling im Garten hinterherpirscht – oder in der Karibik. Das will auch Bernhard Schubert, der Wissenschaftler, nicht abstreiten. Für eine gelungene Wildtier-Aufnahme ist jedoch nicht zwingend notwendig, dass man exotische Gefilde aufsucht. www.bernhardschubert.com

 

„Ein  Siegerfoto gelang mir in Niederösterreich.“ Es zeigt eine Höllenotter, aber eben aus einer Perspektive, die nicht alltäglich ist. Ganz nah und von oben, sodass das markante Muster der Schlangenhaut zum Thema des Fotos wird.

Das heißt, Einfallsreichtum ist bei der Naturfotografie mindestens so wichtig wie ein schneller Auslöser. „Seien Sie kreativ und finden Sie Bildausschnitte mit interessanten Strukturen im Hinter- oder auch Vordergrund, die Sie in die Komposition einbinden können“, rät der Fotograf, dem die Natur als Biologe im Übrigen mehr am Herzen liegt als eine gelungene Aufnahme von ihr.

Im Dienst der Natur

Auch sein Kollege Christian Wappl gondelt seit Jahren zweigleisig durch die Welt – als Biologe und als Naturfotograf. Geboren auf der Insel Raiatea in Französisch-Polynesien im südlichen Pazifik ist der Wissenschaftler mit dem fotografischen Blick der Prototyp des Globetrotters. Marokko, Indien, Südostasien, Zentralamerika, Karibik, die Galapagos Inseln und natürlich Französisch-Polynesien: Der niederösterreichische Biologe mit dem Spezialgebiet Amphibien lässt etwa Kameradrohnen nicht aus Jux und Tollerei über den asiatischen Dschungel gleiten, sondern um auf dessen unberührte und verletzliche Schönheit aufmerksam zu machen.

Christian  Wappl: „Meine Fotoexpeditionen führen mich hauptsächlich in Regionen und Gebiete fernab der Zivilisation. Mit den Aufnahmen davon hoffe ich, andere für den Natur- und Artenschutz zu inspirieren.“ Ein hehres Ziel, das dem Autodidakten auch schon eine Vielzahl an Auszeichnungen eingebracht hat. Als mehrfacher Gewinner der vom Verein für Tier- und Naturfotografie Österreichs (VTNÖ) ausgerufenen Fototrophäe kann er auch auf Preise und Würdigungen internationaler Competitions verweisen – vom Festival Camargue über den Titel als Europäischer Naturfotograf des Jahres bis zum Golden Turtle.  www.christianwappl.com

Als „Wildlife“-Fotografen spielen Bernhard Schubert und Christian Wappl in der Liga der bekanntesten Vertreter ihrer Disziplin. Über Haudegen wie Sergey Gorshkov und Mogens Trolle haben wir vor Kurzem in der Freizeit berichtet.

Ihr Kollege Attila Kobori hat auch das passende  Motto  für ihre Berufung parat: „Eine Brücke zwischen Umweltschutz, Naturdokumentation und Kunst zu schlagen."  www.attilakobori.com

Und man muss auch tatsächlich ein besonderes Talent mitbringen, um die vor einem ausgebreitete Landschaft mit der Kamera in eine Art Leinwand zu verwandeln. Eine Leinwand, die womöglich wie folgende Aufnahme wirkt: Eine Komposition aus Mustern, Schichten  und Strukturen, die erst auf den zweiten Blick erkennen lässt, was sich dahinter verbirgt – in diesem Fall ein Meeresstrand in Kroatien.

Attila Kobori, Fotograf und  Zoologe mit dem Schwerpunkt Reptilien pirscht am liebsten durch karibische und asiatische Regenwälder oder heiße Wüstengebiete. Die Augen hält er dabei stets offen für die kleinen krabbeligen Wesen auf dem Erdboden: „Ich möchte vermitteln, dass sie genauso bedeutsam sind wie die Vorzeigetiere, wenn es um Naturschutz geht.“ 

Christine Sonvilla zieht es hingegen mitunter dorthin, wo Minusgrade zur genz gewöhnlichen Betriebstemperatur gehören, Island etwa. Für unsere Story über die Schönheit der Natur wählte sie eine Aufnahme aus dem Inneren einer Eishöhle aus.

„Sie ist nur im Winter begehbar“, sagt sie. Vor Kurzem wurde die gebürtige Kärntnerin in eine  international renommiert besetzte Plattform von Naturschutz-Fotografinnen aufgenommen: „Her wild vision“. Ihr aktuelles Projekt ist ein Buch über „Europas kleine Tiger“, das im Mai beim Residenz Verlag erscheint. Mehr folge noch, etwa TV- und Naturdokuprojekte mit  Lebensgefährten Marc Graf.  „Damit die Stimme der Natur wieder lauter zu hören ist.“     www.sonvilla-graf.com

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