freizeit
03.11.2018

Die Tricks der Naturfotografen

Tiere, Landschaften und Pflanzen. Fotos, bei denen man sich fragt, wie haben die das bloß gemacht? Nun, so haben Sie’s gemacht ...

Löwendurst

Ein Wasserloch im Südluangwa-Nationalpark in Sambia. Isak Pretorius parkt sein Auto auf der anderen Seite des Gewässers und stabilisiert sein Teleobjektiv – die Lichtverhältnisse sind schlecht – mit einem Bohnensack. In der Nacht zuvor hatte das Löwenrudel einen Büffel erlegt und ein Festmahl gefeiert. Pretorius beobachtete  es dabei. Und rechnete damit, dass die Katzen bald Durst bekommen würden. Plötzlich war es so weit und der Fotograf zur Stelle – genau als die Löwin durch das üppige Grün kam und zu schlürfen begann.

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Der Wald auf dem Ast

Bis zu 40 Meter hoch reckt der „Immergrüne Stinkende Lorbeer“ seine Äste  in den Nebel des Feuchtwaldes von Madeira. Und ist Wirt für einen ganzen Wald von „Epiphyten“ – von Pflanzen, die auf Pflanzen und von ihnen leben. Wie beispielsweise der fein gefiederte Kanarische Hasenpfotenfarn, der aus dem Lorbeerast sprießt. Glück für den Fotografen Antonio Fernandez: Zunächst wirbelte der Wind Nebelschwaden durch den Wald. Doch dann legte sich der Wind und der Nebel verdichtete sich zu einem einheitlich weißen Hintergrund.

Der Geist aus der Flasche

Die Gelbe Zwerggrundel wird nur vier Zentimeter groß und haust in einer weggeworfenen Glasflasche auf dem Meeresboden vor der Küste von Mabini auf den Philippinen. Fotograf Wayne Jones postierte seine  Kamera einige Zentimeter vor der Flaschenöffnung, beleuchtete mit seinen zwei Blitzgeräten auf dem Boden das Innere der Flasche. Den Fokus richtete er auf die blitzblauen Augen des Fischleins, das einen erstaunten Gesichtsausdruck zu haben scheint.

Ein Männchen oder Weibchen

Kein gewöhnlicher Fisch: Der Schafskopf-Lippfisch beginnt seinen Lebenszyklus als Weibchen. Sobald er eine Größe von etwa einem Meter erreicht hat, wechselt er das Geschlecht. Die langlebige Spezies  lebt vorzugsweise in den kühlen Gewässern des Westpazifiks und ernährt sich von Schalen- und Krustentieren. Vor der abgelegenen japanischen Insel Sado traf Fotograf Tony Wu auf dieses pastellfarben- prächtige, paarungswillige Männchen. Die rosa Stirn soll Weibchen beeindrucken.

Mehr als nur Wüste

Drei Wetterphänomene gleichzeitig:Starker Nordostwind peitscht die Wellen des Atlantik ans Ufer, die warme Nachmittagssonne  wärmt  und dichter Ozeannebel taucht die Küste Namibias in undurchsichtigen Dunst. Fotograf Orlando Fernandez Miranda klettert auf den Kamm einer hohen Düne und kann so alle drei Erscheinungen auf einmal festhalten. Vom messerscharfen Dünenkamm im Vordergrund bis zum Nebel am Horizont.

Die Kuscheltiere im Abflussrohr

Keine zehn Jahre alt ist Arshdeep Singh, der die beiden Brahma-Käuze, zusammengekuschelt in einem Abflussrohr, abgelichtet hat. Der Bub aus dem indischen Punjab sieht die Vögel in dem Rohr verschwinden und legt sich auf die Lauer. Sein Vater borgt ihm Kamera und Teleobjektiv, die sie im offenen Autofenster platzieren. Auf dem Autositz kniend wartet Arshdeep und macht dieses Bild, auf dem die Käuze sich dank geringer Tiefenschärfe umso besser vom Hintergrund abheben.

Der Schulinspektor kommt

Die Schule im ukrainischen Ort Prypjat liegt nur drei Kilometer vom Katastrophenkraftwerk Tschernobyl entfernt. Sie verfällt wie die anderen Häuser im Ort, wurde geplündert. Nur die Gasmasken, die auf dem Boden zurückgeblieben sind, wollte niemand. Tiere wie dieser Rotfuchs, aber auch Wildschweine, Rehe und sogar Braunbären erobern die Stadt zurück. Fotograf Adrian Bliss ist dabei – obwohl ihm wegen der immer noch hohen Strahlung dringend davon abgeraten wurde.

Aug in Aug mit dem Walross

In einer Sommernacht trifft der Valter Bernardeschi vor Spitzbergen auf die Walrosse, die auf Nahrungssuche sind. Er zieht seinen Neoprenanzug an und springt ins Wasser. Seine Kamera transportiert er auf einem Einbeinstativ mit einem Schwimmer. Das reizt die Neugier der Walrosse, die sich dem Fotografen nähern. So kommt er zu seinem Bild, quasi Aug in Aug mit dem Walross.

Makaberes Frühstück

Ein Paviankopf als Delikatesse: Normalerweise jagen Wildhunde Antilopen. Doch dieses Rudel im Mana-Pools-Nationalpark in Simbabwe hat es auf ganz schön wehrhafte Paviane abgesehen. Fotograf Nicholas Dyer folgt dem Rudel drei Stunden lang zu Fuß, ehe er Zeuge wird, wie die zwei Wildhundeweibchen einen Pavian erlegen. In seinem Versteck beobachtet er die Jungen, die sich um die Überreste balgen.

Wüstenblume

Die Pflanze ist so seltsam wie ihr Name: Welwitschie. Doppelt seltsam: Es gibt männliche und weibliche Exemplare dieser Wüstenbewohner. Sie wachsen extrem langsam und können einen Durchmesser von bis zu acht Meter und ein Alter von 1000 bis 2000 Jahren erreichen. Die Fotografin Jen Guyton in der Wüste Namib wartet bis knapp vor Sonnenuntergang und fängt dann  die nahezu endlose Weite der Landschaft ein.

Lichtspur im Laub

Mitternachtsshow im Thung Khai Botanic Garden in Thailand. Es ist vollkommen finster, der österreichische Fotograf Christian Wappl liegt auf der Lauer, als das Laub zu leuchten beginnt. Acht Zentimeter lang ist die Glühwürmchenlarve, die sich langsam über die Blätter schiebt. Mit ihren Leuchtorganen signalisiert sie Fressfeinden: „Ich bin ungenießbar.“ Das unterscheidet sie von den erwachsenen Artgenossen, bei denen das Leuchten zum Balzritual gehört. Es war so finster, dass Wappl nur raten konnte, in welche Richtung sich die Larve bewegen würde. Er belichtete 33 Sekunden lang, mit Blitzlicht zum Schluss, und so gelang es ihm, die nächtliche Show der Glühwürmchenlarve festzuhalten.

Kampfkätzchen

Mehr als ein Jahr wartete Julius Kramer mit seiner Fotofalle im Naturpark Oberer Bayerischer Wald auf die Luchse. Vergeblich. Er wollte schon aufgeben, da  tauchte ein Pärchen sechs Monate alter Jungtiere auf und begann, ausgelassen vor der Kamera zu spielen und zu rangeln. Die halbstarken und deshalb oft unaufmerksamen Wildkatzen, die u. a. Rehe und Hirsche jagen, werden deshalb  leider immer wieder Opfer skrupelloser Jäger.