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freizeit
03/16/2021

Daher kommt die Liebe der Deutschen zu "Malle"

Wer Mallorca einmal auf 99 Jahre pachten wollte und warum ein Österreicher der Inselpionier war.

von Daniel Voglhuber

"Scheiß drauf, Mallorca ist nur einmal im Jahr!" Mit Peter Wackels Ballermann-Hit (Ole, ole und schalala) im Ohr haben wohl viele Deutsche zuletzt einen Flug auf die Balearen gebucht. 

Die deutsche Bundesregierung hatte am Freitag entschieden, Mallorca und andere Regionen in Spanien, Portugal und Dänemark von der Liste der Corona-Risikogebiete zu streichen und damit auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amts aufzuheben. Damit ist seit Sonntag Urlaub auf der Lieblingsinsel der Deutschen wieder ohne Quarantäne und Testpflicht bei der Rückkehr möglich. Doch die Urlaubsbuchungen für "Malle" sind sprunghaft gestiegen. Die Regierung hat am Montag zum generellen Verzicht auf touristische Reisen aufgerufen. Die Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte: „Das Fehlen einer Reisewarnung ist keine Einladung zum Reisen.“ Die Entscheidung müsse aber jeder für sich treffen. Und auch Niedersachsen warnt. Doch kein "Malle für alle"?

Mehr als die Hälfte kommt aus Deutschland

Ohne Corona kamen 2019 noch rund 4,5 Millionen Deutsche. Das ist viel, aber im Vergleich zu den Vorjahren etwas weniger. Wohl weil andere Mittelmeer-Märkte billiger waren, andere wiederum vermuten Restriktionen für Partytouristen, die nicht mehr so einfach auf der Straße Sangria aus Kübeln in sich hineinsaugen können. Dennoch, fast die Hälfte der Mallorca-Urlauber kommt aus Deutschland ins "17. Bundesland", wie es gerne heißt.

Und da wundert es nicht, dass im Sommer 1993 die Bild mit großen Lettern titelte: "Verrücktester Vorschlag aus Bonn - Mallorca soll deutsch werden. Erbpacht auf 99 Jahre. Palma heißt dann Palmenhausen." Die Süddeutsche hat die brennheiße Sommerloch-Causa einmal so Revue passieren lassen: "'50 Milliarden Mark Kaufpreis wurden kolportiert, die Nachfolgegeschichten der Hinterbänkler-Affäre standen auch bei Bild: 'Spaniens König greift ein', und: 'Spaniens Botschafter protestiert'".

Angezettelt hat das damals der Bundestagsabgeordnete Dionys Jobst von der CSU. Der Mann aus der Oberpfalz war gut mit Boulevardreportern. Die folgenschwere Schlagzeile sei ein Witz in einer "lustigen Unterhaltung mit einem Bild-Journalisten über alles Mögliche" gewesen, sagte Jobst damals.

Angefangen hat die Liebe zur baleararischen Insel mit Beginn des Wirtschaftswunders in den 1950ern.  "Im Jahr 1956 landet das erste Flugzeug mit deutschen Touristen auf Mallorca. An Bord der Maschine: 30 neugierige Urlauber. Das Fernweh hatte alle gepackt", schrieb der Bayerische Rundfunk. So richtig los ging es dann 1962. Da hat Neckermann erstmals ein Pauschalreise-Angebot für die Insel herausgebracht: 15 Tage "all inklusive" für 340 Mark! "Ein unschlagbares Angebot! Neckermann blieb damit gut ein Drittel unter dem Durchschnittspreis und somit war sein Angebot wie geschaffen für die auf Sparsamkeit bedachten Deutschen. Die Urlauber der 60er Jahre waren für heutige Standards recht anspruchslos. Metallbett, Bad auf dem Gang, eine dünne Suppe zum Mittagessen. Balkon und Meerblick: Fehlanzeige", meinte der BR. Der Teutonengrill war angefacht.

In den 80ern und 90ern wird El Arenal mit Partywütigen überlaufen. "Du hast die Haare schön", "Scheiß drauf! Mallorca ist nur einmal im Jahr" oder "Ich bin der König von Mallorca" tönen aus und vor den Mega-Lokalen. Und auch vor und nach dem Urlaub daheim (und da brauchen wir uns gar nichts vormachen, auch in Österreich).

Geld für den König von Mallorca

Der König von Mallorca, Jürgen Drews, wäre um Haaresbreite übrigens ungekrönt geblieben. Eigentlich wollte er nämlich auf Ibiza auftreten und dort einen Fuß in die Tür bekommen, wie er in seiner Biografie „Es war alles am besten schrieb: "Da bekam ich einen Anruf. Ob ich mir vorstellen könne, auf Mallorca aufzutreten. Wie bitte? Auf Malle? Never ever! Bitte sofort absagen!" Aber die Macher der Disco "Oberbayern" gaben nicht auf, sie verdoppelten die Gage. Und Jürgen Drews wurde zum Stamminventar der Insel.

Ab den 2000ern wird es den Mallorquinern dann etwas zu bunt. Tourismus ja, aber mit weniger Wirbel. 2016 wurde die Touristenabgabe "Ökotaxe", später Alkoholverbots-Zonen eingeführt. Und auch All-inclusive-Trinken in Hotels geht es an den Kragen.

Wer jetzt hinfährt, wird aber ohnehin keinen Exzess erwarten. Die Corona-Regelungen tun auch ihr Übriges: Bars und Restaurants müssen auf der Insel um 17 Uhr zusperren, am Strand ist um 21 Uhr Schluss. 

Und womit hat das Ganze begonnen? Mit einem Österreicher. Im 19. Jahrhundert war die Insel noch ein weit entfernter Sehnsuchtsort. Österreichs Erzherzog Ludwig Salvator würdigte die Insel 1867 sogar in einem siebenbändigen Werk "Die Balearen in Wort und Bild". Dafür hat er auch auf der Pariser Weltausstellung 1889 die Goldmedaille erhalten. Er hat mit seiner Yacht "Nixe" das Mittelmeer durchkreuzt und sich letztendlich auf Mallorca niedergelassen.

 

 

 

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