Eßmeister, selber dreifache Mutter, nennt sich "keine begnadete Bäckerin". So entstanden ihre Backmischungen

© Eßmeister

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01/04/2021

Österreich im Lockdown: Diese Unternehmen beweisen Innovationsgeist

Niederösterreichische UnternehmerInnen lassen sich nicht kleinkriegen. Die WKNÖ holt mit der Initiative „Mutmacher“ kreative Maßnahmen und innovative Geschäftsideen vor den Vorhang

Die Wirtschaftskammer NÖ sucht gemeinsam mit dem KURIER innovative Konzepte, kreative Maßnahmen und neue Geschäftsideen, die niederösterreichische Unternehmerinnen und Unternehmer aufgrund der Corona-Pandemie entwickelt haben.

Mit der Aktion „Mutmacher – Chancen durch Kreativität“ werden die Dynamik der einzelnen Betriebe und der Branche aufgezeigt und kreative Impulse zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit geliefert. Sie sind die „Mutmacher“ des Jahres 2021!

Mitmachen können alle Unternehmen Niederösterreichs. Alle Informationen sowie die Einreichung der Projekte unter wko.at/noe/mutmacher

Mit Backmischungen zum Erfolg

Kemmelbach. Nadja Eßmeister profitierte vom Lockdown-bedingten Backfieber der Österreicher.

Der erste Lockdown im Frühjahr des Jahres ließ die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher in ein Backfieber fallen: In zahlreichen Supermärkten waren Mehl und Germ ausverkauft.
Das merkte auch Nadja Eßmeister: Die 39-jährige Unternehmerin verkauft in ihrem Webshop „Bake Affair“ (www.bakeaffair.at) regionale Backmischungen und allerlei Zubehör: „Wir waren teilweise wirklich ausverkauft. Das habe ich noch nie erlebt“, berichtet Eßmeister.

Aus eigener Not heraus

Ursprünglich ist die Firma Eßmeister (Bezirk Melk) im Agrar- und Brennstoffhandel tätig und handelt seit Jahrzehnten mit Getreide. Seit 2017 ist die Firma verantwortlich für die Stöber Mühle in Hafnerbach (Bezirk Sankt Pölten-Land). 

„Ich mich entschlossen, unser gutes Mehl auch dem Endkonsumenten zur Verfügung zu stellen“, entschied Eßmeister.  Aus dieser Idee entstand  ein eigener Webshop. 

Selber Mutter von drei Kindern, bleibt Eßmeister oft wenig Zeit zum Backen und Kochen. „Außerdem bin ich keine begnadete Küchenfee“, gesteht sie lachend. Ihre Backmischungen entstanden aus eigener Not heraus.

Die Teige sind so gut wie fertig – zum Teil sogar vegan – und müssen nur mehr mit Wasser, Milch oder Milchalternativen vermengt werden.

Tipps für die richtigen Rezepte holte sich Eßmeister bei verschiedenen Backmeistern aus der Region: „Ich achte auf gesunde Ernährung und Produkte aus der Region.“ Die Nüsse in der Backmischung für Vanillekipferl kommen etwa aus der Nachbarschaft, die verwendete Vanille ist aus Salzburg. Die Gewürze stammen von der bekannten Firma Sonnentor aus dem Waldviertel. Das Feedback von den Kunden ist einheitlich: Die Backmischungen sind schmackhaft und  schnell und einfach zubereitet. Mittlerweile geht der Webshop so gut, dass er seit erstem November unter einem eigenen Namen läuft: „Bake Affair“. Neben Backmischungen für Süßes und Brote gibt es auch allerlei Backzubehör und Utensilien, einzelne Zutaten und Geschenkartikel zu kaufen: Cookie-Stempel, Gärkörbchen, Keksausstecher und Backformen.

Große Pläne für 2021

Im kommenden Frühjahr soll das gesamte Backsortiment auf Bio umgestellt werden. Das Mehl soll künftig nicht mehr im Papiersack, sondern in der Kartondose verkauft werden: „So erspart man sich die ganze  Unordnung  in der Küche beim Aufreißen der Verpackung. Die Dose stellt man unkompliziert ins Regal zurück, sie ist luftdicht verschlossen und alles bleibt sauber“, erklärt die ausgebildete Landwirtschaftslehrerin. Auch verschiedenste Urmehle und ein eigenes Einkornbrot sollen das Sortiment erweitern.

„Wir haben glücklicherweise den Trend zum Backen rechtzeitig erkannt und das Beste aus der Krise gemacht“, freut sich die Unternehmerin. Für den nächsten Lockdown ist man bereits gerüstet.

Kochender Schatzjäger

Rassing. Mike Nährer kocht mit dem, was die Region zu bieten hat. Er verarbeitet Erde, Rinde, Algen – und sogar Dachs

Kochen liegt Mike Nährer im Blut. Der Gastronom führt in dritter Generation das Gasthaus Nährer in Rassing bei Kapelln (Bezirk St. Pölten-Land). Im Sommer 2018 wagte er ein Experiment, einen „Feldversuch“: kochen außerhalb der Komfortzone, an besonderen Plätzen, mit mutigen Gästen und kulinarischen Innovationen. Die „Mostviertler Feldversuche“ (www.mostviertel.at/feldversuche) waren geboren.

„Jedes Event ist ein Unikat. Ich bin ein Schatzjäger. Ich will alte Muster aufbrechen“, erklärt der 38-Jährige. Nährer kocht mit dem, was es vor Ort gibt. Im Sommer stattete er etwa der rauen Gegend des Naturparks Ötscher-Tormäuer einen Besuch ab und lernte die Produzenten vor Ort und ihre Spezialitäten kennen. Gekocht wurde mit Kräutern, Fisch, Wild, Erde und Schwammerl.

„Die Menschen lernen, Regionalität wieder mehr zu schätzen – das hat sich vor allem in den letzten Monaten gezeigt“, meint Nährer.

Auch mit Rinde hat Nährer bereits gekocht, und die sogenannte Spirulina-Alge, die auch im Mostviertel wächst und als Superfood bekannt ist, gemeinsam mit Sanddorn und Dirndln in eine Süßspeise verwandelt. Einen Dachs hat er ebenfalls bereits verarbeitet. Von diesem war Nährer positiv überrascht: „Dachs schmeckt wie eine Mischung aus Wildschwein und Hirsch.“ Das experimentelle Kochen wurde für Nährer zur Lebenseinstellung:  „Nur so kommen wir durch die Krise.“

Kochshow im Lockdown

In den vergangenen Monaten hat Nährer nicht aufgehört zu kochen, sondern einfach das Medium gewechselt: Auf Instagram hat er sich beim Kochen gefilmt und seine Ideen verbreitet.

„Ich habe mich an die praktische Situationsküche gehalten und Zutaten verwendet, die man gerade bei der Hand hat. Oft hatte ich über 1.000 Zuseher“, freut sich der Mostviertler. Nährers tägliches Mittagessen wurde so zu einer Show für die Zuseher. „Oft habe ich den ganzen Nachmittag Fragen zu meinem Gericht beantwortet“, erzählt der Gastronom. Missen möchte er diese Erfahrung nicht, doch er freut sich auf die Zeit nach dem Lockdown.

Lieferant mit Corona-Test im Kofferraum

Rabenstein an der Pielach. Karl Plank ist für die Zustellung von PCR-Tests ins Testlabor in St. Pölten zuständig

Seit dem Frühling des Vorjahres hat Karl Plank beinahe täglich mit Corona zu tun. Der 51-Jährige fährt für die Laborfirma medlog, die Labortransporte in ganz Österreich anbietet. Normalerweise führt Plank Bluttransporte in seinem Kofferraum zwischen dem Mostviertel und St. Pölten umher. In den vergangenen Monaten aber auch zahlreiche PCR-Tests.

Planks Einsatz beginnt vor der Arztpraxis: Gibt ein Patient einen positiven Anti-Gen-Test ab, wird ein PCR-Test durchgeführt. Diesen holt Plank ab und bringt ihn zur Auswertung in ein Labor in St. Pölten. Dabei gilt es, höchste Sicherheitsmaßnahmen zu berücksichtigen: „Wir tragen Handschuhe und FFP2-Masken und betreten niemals die Arztpraxis. Der PCR-Test wird in einem Plastiksackerl im Freien vor der Ordination übergeben. Diesen gilt es, so schnell wie möglich ins Labor in St. Pölten zu bringen“, erklärt Plank. 

Keine Langeweile

Plank ist seit 1999 selbstständiger Fahrer und zufällig in diesen Beruf gestolpert. Er stammt aus Rabenstein an der Pielach (Bezirk Sankt Pölten-Land) und deckt mit seinem Lieferdienst die Region zwischen dem Pielach-, Traisen- und Triestingtal bis nach St. Pölten ab. Via Computersystem erfährt er, welcher Arzt an welchem Tag Ordination und eine Abholung für ihn bereit hat.

Über Langeweile konnte Plank in den vergangenen Monaten nicht klagen – glücklicherweise. Doch der Beruf bringt auch eine psychische Belastung mit sich: „Natürlich hatte man vor allem am Anfang der Pandemie Angst vor einer Ansteckung. Aber wir halten uns an alle Richtlinien, einen positiven Corona-Fall hatten wir bisher noch nicht im Team“, berichtet Plank.

Neben der steigenden Zahl an zu transportierenden Corona-Tests ist Plank etwas Anderes aufgefallen in den vergangenen Monaten: „Die Leute bleiben vermehrt zuhause und unterlassen Arztbesuche und Vorsorgeuntersuchungen aus Angst vor einer Corona-Ansteckung. Das ist der falsche Weg. Wir befolgen alle Sicherheitsvorkehrungen. Daher meine Bitte: Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie müssen!“

Italienisches Einkaufsflair von der Wohnzimmercouch aus

Baden. Dass man auch trotz Lockdown regional und gut beraten einkaufen kann, beweist die Boutique Marianne (www.boutique-marianne.at) in Baden: Hier kann man virtuell durch das kleine Geschäft spazieren, feinste italienische Mode begutachten und die Expertise der Verkäuferin einholen.

Olga Zach und ihr Lebensgefährte Jarko Ribarski haben die Boutique im vergangenen Juli eröffnet: „Wir wollten die Firma Cavaletti wieder in die Kurstadt bringen“, erzählt Zach. Die italienische Modelinie der Designerin Daniela Dallavalle besticht mit zeitloser Eleganz. Auch Wohn-Accessoires der Linie „Arte Pura“ findet man in der Boutique. Alle Produkte sind aus naturbelassenen Stoffen, die schonend gefärbt wurden.

Die Idee des virtuellen Rundgangs kam Zach im ersten Lockdown im Frühling des Vorjahres. Das Konzept will man auch nach der Öffnung des Handels beibehalten: „Das ist für mich die Zukunft des regionalen Einkaufens“, erklärt die 48-jährige Unternehmerin. In weiterer Folge sollen Kundinnen die Möglichkeit haben, im Webshop Kleider anzuprobieren. Unterstützt wird das Projekt von der Förderaktion „digi4Wirtschaft“ von dem Land NÖ und der WKNÖ. 

Eine Boutique für sich

„Wir versuchen, unsere Kundinnen bestmöglich zu beraten. Damit unterscheiden wir uns von großen Modeketten und dem reinen Online-Handel“, ist sich Zach sicher. Eine eigene Kollektion für Männer soll das Sortiment bald erweitern. 

Die Boutique steht nach dem Lockdown auch für sogenanntes „private shopping“ zur Verfügung: Wer das Geschäft ganz für sich haben will, kann nach Anmeldung auch nach den regulären Öffnungszeiten vorbeikommen und in Ruhe die italienische Mode anprobieren: „Unsere Kundinnen können  hier ihre Sorgen hinter sich lassen. Hoffentlich ist das bald wieder möglich.“

Die Zoom-Alternative aus Niederösterreich

Gänserndorf. Mit der Pandemie kam die Zeit der Videokonferenzen: Zoom, Skype, Teams und Co. gehören heute zum Alltag im Homeoffice. So bequem die Lösungen auch sein mögen, so bedenklich ist ihr Datenschutz.  Das erkannten auch Andreas Ostheimer und Gernot Papouschek, die Geschäftsführer der Firma AdSimple (www.adsimple.at) – und entwickelten eine eigene Videokonferenzsoftware.

Ähnlich wie bei bekannten Videokonferenzlösungen kann man bei AdSimple VideoMeeting gratis und ohne Registrierung 45 Minuten lang videotelefonieren. Für längere Sitzungen muss ein Premium-Paket gekauft werden. Die Software funktioniert ohne Installation im Webbrowser, und gibt es als App für jedes Smartphone. „Die Qualität ist dieselbe wie bei Zoom oder Skype. Nur der Datenschutz ist besser“, verspricht Ostheimer.  Während diese Lösungen nämlich notgedrungen die Daten der Nutzer speichern, läuft bei AdSimple VideoMeeting alles anonym ab. „Unser Server liegt in Deutschland und sammelt nicht einmal die IP-Adressen der Nutzer“, erklärt der IT-Experte. Er führt mit Papouschek die Werbeagentur und Web-Entwicklung mit Sitz in Gänserndorf seit 2009.

David gegen Goliath

„Natürlich tun wir uns schwer gegen die Goliaths wie Zoom, Skype und Teams. Wir sind der David unter den Produkten: Wenn erstmal mehr Bewusstsein darüber geschaffen ist – auch gesetzlich – wie wichtig Datenschutz ist,  kann ich mir vorstellen, dass auch kleinere, lokale Lösungen wie wir boomen“, überlegt Ostheimer. Zudem zielt das Produkt auf Firmen ab, die eine sichere Videokonferenzlösung unabhängig vom eigenen System schaffen wollen.

Zur Zeit arbeitet das gesamte Team im Homeoffice. Zweimal pro Woche gibt es ein fixes Videotreffen – natürlich mit der eigenen Software.

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