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12/28/2020

Mutmacher in der Krise: Wie sich ein Reisebüro und ein Zusteller neu aufstellen

Niederösterreichische UnternehmerInnen lassen sich nicht kleinkriegen. Die WKNÖ holt mit der Initiative „Mutmacher“ kreative Maßnahmen und innovative Geschäftsideen vor den Vorhang

Die Wirtschaftskammer NÖ sucht gemeinsam mit dem KURIER innovative Konzepte, kreative Maßnahmen und neue Geschäftsideen, die niederösterreichische Unternehmerinnen und Unternehmer aufgrund der Corona-Pandemie entwickelt haben.

Mit der Aktion „Mutmacher – Chancen durch Kreativität“ werden die Dynamik der einzelnen Betriebe und der Branche aufgezeigt und kreative Impulse zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit geliefert. Sie sind die „Mutmacher“ des Jahres 2021!

Mitmachen können alle Unternehmen Niederösterreichs. Alle Informationen sowie die Einreichung der Projekte unter wko.at/noe/mutmacher

Kreative Ideen gegen Fernweh

Neunkirchen. Natascha Schweiger-Nemec manövriert ihr Reisebüro dank kreativer Ideen erfolgreich durch die Corona-Krise

Der Road-Trip durch die USA, das Yoga-Retreat auf Bali, der Tauchurlaub auf den Malediven – große Urlaubspläne zu weit entfernten Destinationen liegen Corona-bedingt zur Zeit auf Eis. Die gesamte Tourismusbranche steht vor großen Herausforderungen. Auch das Reisebüro von Natascha Schweiger-Nemec (www.nemec-reisen.at).

„Im ersten Lockdown galt es, innerhalb weniger Wochen rund 800 Buchungen zu verwalten. Wir waren die ganze Zeit am Arbeiten“, schildert Schweiger-Nemec. Mittels kreativer Ideen und maßgeschneiderter Angebote konnte man  rund 70 Prozent aller Buchungen retten.

So wurde aus dem Städtetrip nach Paris kurzerhand ein Heimaturlaub in Salzburg. Und statt nach Großbritannien ging es eben nach Griechenland. „Destinationen in Österreich, aber auch europäische Länder, die das Virus gut im Griff hatten, haben uns gerettet“, erklärt Schweiger-Nemec.

Auch kreative Angebote wie ein Hubschrauberflug, eine Heißluftballonfahrt, ein Harley-Davidson-Wochenende, ein Bungeesprung oder ein Wanderreitausflug ließen Urlaubsträume doch noch wahr werden. „Unsere Kunden reagierten glücklicherweise sehr verständnisvoll auf Umbuchungen und vereinzelte Absagen, wir haben viel Wertschätzung erfahren“, erzählt Schweiger-Nemec. 

20 Jahre Expertise

Besonders für maßgeschneiderte Angebote ist die  Reisebüroleiterin  bekannt: „Die Reisen, die wir verkaufen, testen wir natürlich auch selber, um unsere Kunden bestmöglich beraten zu können. Zusätzlich machen wir viele Ausbildungen und Schulungen, damit wir wissen, wovon wir reden.“

Die 49-Jährige machte vor 20 Jahren ihre Leidenschaft zum Beruf: 2001 eröffnete sie ihr eigenes Reisebüro in Gloggnitz, seit 2015 ist sie auch in der Innenstadt in Neunkirchen vertreten. Unterstützt wird sie von einer langjährigen Mitarbeiterin Petra Klostermann und ihrem 27-jährigen Sohn Gregor Schweiger. Schweiger-Nemec arbeitet direkt mit zahlreichen Hoteliers auf der ganzen Welt zusammen.

Auch wenn Reisebüros von einer Schließung im zweiten Lockdown ausgenommen waren, wurde dennoch vom Homeoffice aus gearbeitet – aus Solidarität den anderen Betrieben gegenüber. „Positiv denken, und das Beste aus jeder Situation machen: Das war schon immer mein Motto“, meint Schweiger-Nemec.

Im Oktober hieß es dann trotzdem plötzlich Stopp: „Da hatten wir drei Wochen lang wirklich keine einzige Buchung. Das habe ich nie erlebt in meiner Karriere.“ Mittlerweile hat sich die Nachfrage aber schon wieder leicht erholt: „Die Leute wollen weg. Sie haben Fernweh – und ich auch“, gesteht Schweiger-Nemec. Sie selbst träumt von der nächsten Ayurvedareise nach Südostasien. 

Die Post bringt allen was

Herzogenburg. 12 neue Mitarbeiter hat die Firma Rene Figl – Kleintransporte und Zustelldienste im vergangenen Jahr eingestellt

Die Branche wird häufig als einer der Nutznießer der Corona-Krise genannt: Lieferanten, Postboten und Zustelldienste arbeiteten in den vergangene Monaten so viel wie in keinem Jahr zuvor. „Im Moment haben wir locker 25 Prozent mehr zu tun als in den Vorjahren um diese Zeit“, berichtet Rebecca Figl-Gattinger: „Der Lockdown hat das Weihnachtsgeschäft verschärft.“

Gemeinsam mit ihrem Mann Rene Figl leitet sie das gleichnamige Kleintransportunternehmen in Herzogenburg (Bezirk St. Pölten-Land) und fährt seit elf Jahren für die Post. „Wir haben im vergangenen Jahr 12 neue Mitarbeiter eingestellt. Ein Drittel ist für die Paketsortierung zuständig, die anderen unterstützen oder arbeiten als reine Zusteller“, erklärt Figl-Gattinger.

Die 39-Jährige ist verantwortlich für Verwaltung, Buchhaltung und Personal. „Mir ist es wichtig, für unsere Mitarbeiter da zu sein. Mindestens einmal in der Woche suche ich jeden Einzelnen auf, um sicher zu gehen, ob es ihm gut geht oder es Unzufriedenheiten gibt.“ Denn der Job ist kein Zuckerschlecken: „Vor wenigen Wochen waren mehrere unserer Mitarbeiter Kontaktperson eins eines Corona-Falls. Sie mussten in Quarantäne, wir haben die Schichten übernommen. Das hieß, vor drei Uhr morgens aufstehen, in der Zustellbasis Herzogenburg Pakete sortieren und bis am Abend zustellen“, erzählt Figl-Gattinger. Da stößt selbst der eifrigste Paketzusteller an seine Grenzen. Doch es war die Liebe zum Beruf, die zum Durchhalten motivierte: „Wir haben unsere Firma von null aufgebaut. Wir sind stolz darauf und froh, dass wir Arbeit anbieten können.“

Regionales Einkaufen

Nur eines ist Figl-Gattinger besonders wichtig: regional  zu kaufen – auch im Internet: „Der Mensch ist bequem. Trotz allem sollte man vorher schauen, ob es das gewünschte Produkt nicht auch im österreichischen Handel gibt, oder noch besser, von einem österreichischen Hersteller produziert.“

Figl-Gattinger lebt ihren Appell vor: Zu Weihnachten gibt es für alle Mitarbeiter regionale Einkaufsgutscheine, einzulösen in Herzogenburg. Dort hat die Unternehmerin vor Kurzem auch ein eigenes „s’Gschäft“ eröffnet, in dem man regional hergestellte Artikel ums Wohnen und Schenken findet.

Aufstehmännchen mit Geschäftsidee

Kritzendorf. Heinz Ressl musste seine Segelschule in England schließen. Nun eröffnet er einen Laden in NÖ.

 

Die Corona-Pandemie bedeutete für viele Unternehmen von einem Tag auf den anderen ein Aus. So auch für Heinz Ressls Seefahrtschule „sea-man-ship“ im englischen Southampton, die er seit zehn Jahren leitete. Daher entschloss sich der gebürtige Kritzendorfer (Bezirk Tulln) kurzerhand, sich zuhause in  Niederösterreich  zu verwirklichen.

Der Unternehmer betreibt seit 2018 den Sonnhof-Ressl, einen Gasthof mit Beherbergungsbetrieb. Der erste Lockdown brachte ihm zahlreiche Stornierungen. Erst im Jänner dieses Jahres hat Ressls Partnerin Nicola Askapa „Nicoletta’s Bügelladen“ im Haus eröffnet. „Dieser durfte als Hygienebetrieb glücklicherweise den ganzen Lockdown über geöffnet haben, und lief sehr erfolgreich“, freut sich Ressl. Gleichzeitig nutze man die Zwangspause, um ein weiteres Ferienappartement fertigzustellen – „irgendwann werden ja wieder Gäste kommen“ – und Parkplätze zu bauen. Und neue Ideen zu spinnen. Etwa die eines lokalen Spezialitätengeschäfts.

Regionaler Treffpunkt

„Wir sind Netzwerker. Wir können den lokalen Produzenten mit dem hiesigen Kunden zusammenbringen“, so der 59-jährige Unternehmer über seine Idee. Er gründete die „Heini Hiesig OG“ und begann, einen Teil des Sonnhofs in „Heini’s Laden-Lokal“ (www.laden-lokal.at) umzubauen. Heini, das ist eine Zusammensetzung der Vornamen  Heinz und Nicola.

Im Jänner 2021 will man eröffnen. Angeboten werden regionale Produkte. „Wir wollen keinem Supermarkt Konkurrenz machen, sondern Qualität fürs Wochenende bieten“, erläutert Ressl, angedacht sind Öffnungszeiten von 7 bis 21 Uhr am Wochenende. Geschenkkörbe kann man bereits jetzt schon telefonisch bestellen (0664/99029991). 

Das Segeln hat Ressl aber nicht aufgegeben: Seit 16 Jahren leitet er die „Österreichische Seefahrtschule“, Theoriekurse werden zur Zeit online gehalten. Mit der Gründung einer Segelschule an der Donau in Greifenstein will man das Angebot erweitern und  Nachbarn zwischen Wien und Tulln ansprechen. Start ist im April 2021. 

„Wir haben ein schwieriges Jahr hinter uns und ein schwieriges Jahr vor uns. ,What to do with what you have’, das ist ein Motto aus der Seefahrt. Es geht immer darum, das Beste aus dem zu machen, was man hat“, weiß der Unternehmer.

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