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07/31/2020

Zaha Hadid baut Öko-Häuser mit Ikea-Effekt

Werden wir bald alle zu kleinen Architekten? Ein von Zaha Hadid Architects geplantes Dorf-Projekt in Honduras legt jedenfalls genau das nahe. Dank so genannter Voxel planen hierbei zukünftige Bewohner fleißig selbst mit!

Wenn selbst die ganz großen Architekturbüros dieser Welt das Thema Holzbau in den Mittelpunkt ihrer konzeptionellen Arbeit rücken, kann man getrost behaupten: Der nachhaltigste aller Baustoffe liegt mächtig im Trend.

Tatsächlich lassen nun auch Zaha Hadid Architects mit einem gigantischen Holzbau-Projekt in Honduras aufhorchen. Und es wäre nicht das weltberühmte Architektur-Büro, würde es dem Thema nicht noch einen spektakulären Spin verpassen: Bei den so genannten Roatán Próspera Residences werden nicht nur die Profis planen, sondern auch die zukünftigen Bewohner!

Ein Dorf am Wasser

Aber bevor wir diese neue Vision genauer unter die Lupe nehmen, nähern wir uns dem Konzept, das auf der zu Honduras gehörenden Karibikinsel Roatán aus dem Boden gestampft werden soll, von außen an. Dabei handelt es sich um ein regelrechtes Dorf, das stets erweiterbar direkt am Strand gebaut wird.

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Bei der Planung desselben stand das Thema Umweltschutz schon zu Beginn an oberster Stelle, wie man bei Zaha Hadid Architects betont. „Die Häuser werden die lokale Wirtschaft stärken und gleichzeitig der Erde helfen“, heißt es offiziell sogar. Und weiter: Man wolle mit diesem Projekt beweisen, „dass sich Nachhaltigkeit und Stil keineswegs ausschließen“.

Wie Ikea für Große

Somit war also das Thema der Bauweise von vornherein klar: Holz musste her! Und eben dieser Entschluss entpuppte sich in Folge als wegweisend für alle weiteren Maßnahmen. Die Sache ist nämlich diese: Holzbauten werden dank modernster Technik keineswegs vor Ort errichtet. Vielmehr werden einzelne Module in eigenen Fertigungshallen hergestellt, die am Baugrund nur noch miteinander verschraubt werden. Ein bisschen wie Ikea für Große, kann man sagen.

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Diese Methode nennt sich Modulbauweise. Und genau das brachte die kreativen Köpfe von Zaha Hadid Architects dazu, noch einen Schritt weiterzudenken – und die gesamte Planung auf der Grundlage von vorher festgelegten Gesamtmodulen fußen zu lassen!

Das Geheimnis der Voxel

Konkret haben sie einen Basisraum von 35 Quadratmeter Grundfläche und vier Meter Höhe definiert, deren mehrere man nach Belieben miteinander verschachteln kann. Diese „Bausteine“ heißen im Fachjargon eigentlich „Volumen-Pixel“, woraus während der Arbeiten so genannte „Voxel“ wurden.

Und diese Voxel haben es nun wiederum in sich: Sie ermöglichen nämlich, dass nicht nur Architektur-Experten mit ihnen Türme bauen können, sondern im Grunde jeder, der eine eigens dafür programmiert Software bedienen kann. Diese sei – so heißt es – genau so einfach zu verstehen, wie der Online-Planer von – Ikea.

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Das finale Ergebnis dieser neuen Art, eine ganze Anlage zu planen, ist demnach jetzt noch nicht klar ersichtlich. Allein, die Rahmenbedingungen wurden für die zukünftigen Bewohner abgesteckt: Jeder darf maximal fünf Voxel (175 Quadratmeter) miteinander verschachteln. Dadurch ergeben sich allerdings laut Chef-Architekten bereits 15.000 Kombinations-Optionen.

Voxel mit Innenleben

Diese unglaublich hohe Zahl an Möglichkeiten liegt übrigens daran, dass die einzelnen Voxel nicht bloß leere Räume sind. Die einzelnen Voxel bietet vielmehr eine Auswahl an Einbaumöbelmodulen, wie begehbare Kleiderschränke, Nasszellen oder Küchen. Hier kommen also auf jedes einzelne Volumen-Pixels unzählige Konfigurations-Optionen.

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Dennoch sind die für den Bau selbst und die Idee der Nachhaltigkeit wesentlichsten Aspekte der einzelnen Module von den Architekten freilich vorgegeben: Die Voxel bestehen allesamt aus nachhaltigem Holz aus zertifizierten Wäldern vom honduranischen Festland.

Holz wird komplett verwertet

Ein spezielles System stellt sicher, dass alle Teile des Rundholzes verwendet werden, um Abfall und Umweltverschmutzung zu minimieren. Dieses Verfahren senkt auch die Bauenergie und reduziert den gesamten Kohlenstoff-Fußabdruck der Entwicklung.

Meer als kühlende Kraft

Zudem sind die Einheiten so konstruiert, dass sie sich selbst beschatten. Außerdem kann Meeresluft bewusst zur Kühlung eingeleitet werden. Sollte das nicht reichen, wird bei Bedarf der Atmosphäre durch Entfeuchtung Wasser entzogen, um einen zusätzlichen Kühleffekt zu ermöglichen.

Dank spezieller Vordächer, die gleichzeitig als Solarpaneele dienen, sind alle Wohneinheiten auch energieautark. Jede Wohnung wird mit Batterien ausgestattet, um überschüssige Elektrizität für den zukünftigen Gebrauch speichern zu können.

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Und weil das alles noch nicht reicht, kommen bei der Bewirtschaftung dieses Spezial-Dorfs die modernsten Smart-Home-Lösungen zum Einsatz. Sie sollen dafür sorgen, dass die Bewohner nicht unnötig Energie verbrauchen oder Abfall falsch entsorgen. Laut Projektleitung werden diese IT-Assistenten jedenfalls dafür sorgen, dass die Anlage auch nach dem Bau den kleinstmöglichen CO2-Fußabdruck hat, den man sich nur vorstellen kann.

Wer will Hobby-Architekt spielen?

Wer jetzt übrigens Lust hat, sich selbst als Hobby-Architekt auf Honduras zu verewigen, der sollte sich das nicht zu lange überlegen. Denn: „Die Insel Roatán ist bereits ein bekanntes Touristenziel“, ist sich Erick Brimen, Geschäftsführer von Honduras Próspera sicher.

Der Andrang auf der Website wird also womöglich noch größer sein, als an einem Einkaufssamstag bei Ikea.

Text: Johannes StühlingerBilder: Zaha Hadid Architects

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