Wohnen in der Pole-Position

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In Silverstone, der Heimat des Motorsports, entstehen 60 Ferienhäuser, die echten Renn-Fans das ultimative Erlebnis bieten sollen. Vorausgesetzt, man steht wirklich in der ersten Reihe.

Es ist im Grunde nicht sonderlich spektakulär, dieses 2000-Seelen-Dorf im Herzen Großbritanniens. Irgendwo zwischen Northampton und Oxford gelegen, hat es die im Mittelalter kurz währende Blütezeit als Drehscheibe für Holzhandel und Fischerei längst hinter sich. Und wenn man auf Tripadvisor nach den Sehenswürdigkeiten von Silverstone sucht, findet man genau ein Ergebnis.

Silverstones hoher Kultstatus

Aber genau dieser eine Treffer hat es eben in sich. Es handelt sich dabei natürlich um die weltberühmte Rennstrecke „Silverstone Circuit“. Jener verlassene Flugplatz, auf dem am 13. Mai 1950 das allererste Formel-1-Rennen über die Asphaltpiste ging. Kultstatus: Verdammt hoch!

Und am Rande dieses für Motorsport-Fans einmaligen Areals entsteht in den kommenden Monaten eine Ferienhaussiedlung, deren 60 Bungalows wohl mehr von Motorhomes haben werden, als die Fahrerlager der Formel-1-Piloten.

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Die Boliden der Bewohner bekommen auch echten Silverstone-Luxus geboten.

Tatsächlich hat der British Racing Drivers Club das Londoner Architekturbüro „Twelve Architects“ damit beauftragt, das so genannte „Escapade Silverstone“ zu realisieren. Eine Ansammlung luxuriöser Häuser, die wie ein schickes Hotel tageweise zu mieten sein werden. Die Zielgruppe liegt auf der Hand: Fans und Besitzer schneller Autos. Jetzt sind aber erst einmal die Architekten am Zug. Die von ihnen eingereichten Pläne wurden erst kürzlich von offizieller Stelle abgenickt.

Nur für echte Renn-Fans

Demensprechend euphorisch gibt sich Matt Cartwright, Gründungsdirektor von Twelve Architects: "Unser Ziel war es, Gebäude zu entwickeln, die Motorsport-Enthusiasten anziehen und ihnen ein echtes Aufenthaltserlebnis bietet.“ Eines übrigens, das impliziert, dass die Rennstrecke von den Kurzzeit-Silverstonern auch selbst genutzt wird.

Deshalb hat man freilich jede einzelne Wohneinheit mit speziell gesicherten Parkplätzen ausgestattet. Damit sich Ferrari, Aston Martin und Freunde in der Nacht gut gesichert vom täglichen Schleudertrauma erholen können. Aber das ist im Grunde bloß ein Detail am Rande.

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Denn die einzelnen Häuser sind auch ohne die davor geparkten Karossen echte Hingucker. Ihr Erscheinungsbild wurde vom Fachbegriff des "Slipstreaming" inspiriert. Dieser beschreibt den Moment, wenn ein Bolide einem anderen so nahekommt, dass er in dessen Windschatten eine besonders gute Chance auf ein gelungenes Überholmanöver hat.

Slipstreaming in Silverstones Supervillen

Wer sich darunter wenig vorstellen kann: Die beiden Stockwerke sind so übereinandergestapelt, dass man von vorne den Eindruck erhält, als würde das Obergeschoß gerade versuchen das Untergeschoß zu überholen.

Doch dieser Gedanke lässt sich auch auf die großflächige Strukturierung der „Kleinwagensiedlung“ übertragen. Die Bungalows sind auf den 14 Hektar in drei „Startreihen“ gegliedert. Und das bedeutet naturgemäß, dass die erste Reihe ihren Bewohnern in die Zuschauer-Poleposition verhilft. Die Mieter der zweiten Reihe haben zumindest noch zwischendurch die Chance, das Geschehen auf der Rennstrecke zu verfolgen.

Die dritte Reihe allerdings, die muss sich mit einem Blick auf die umliegenden Felder begnügen.

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Die 60 Bungalows stehen zwar alle direkt an der Rennstrecke, doch nicht alle bieten auch einen Ausblick darauf!

Aber – es gibt freilich ein gesellschaftliches Zentrum, das wirklich allen Autofreaks wirklich alle Wünsche erfüllen soll. Am südlichen Ende des Geländes gelegen, wird dieses Clubhaus vor allem einmal mit einer Dachterrasse punkten. Diese liegt schließlich direkt über dem aufregendsten Kurvenkomplex der Rennstrecke. Damit sollen auch die Drittgereihten wieder happy sein.

Gut Essen und trinken an der Rennstrecke

Außerdem gibt’s direkt unter der „aussichtsreichen“ Plattform ein Fitnessstudio, Behandlungsräume, einen Bereich für Meetings, einen Raum, um Rennsimulationen durchzuspielen und natürlich ein feines Restaurant samt schicker Bar.

"Wir hoffen, dass die Menschen, die in den Residenzen wohnen, in die Atmosphäre eintauchen können, für die die Heimat des Motorsports so berühmt ist", erklärt Cartwright dazu hoffnungsvoll.

Schon jetzt ein: Renner!

Dieses spektakuläre Gesamterlebnis soll in zwei Jahren eröffnet werden. Was der angebotene Luxus dann kosten soll, steht noch in den Sternen. Allerdings ist man sich in Silverstone schon heute in einem Punkt sicher: Egal wie teuer dieser Spaß auch sein mag, ein Renner werden die rasenden Häuschen auf jeden Fall werden.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Twelve Architects

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