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UBM Development
04/27/2020

Wenn Architekten träumen

Was, wenn man Häuser wie Kunstwerke behandelt und in einer gigantischen Freiluft-Galerie präsentiert? Unter dem Titel „Solo Houses“ setzt ein französisches Ehepaar diese Idee auf 100 Hektar unberührtem Land in Spanien jetzt um.

Für die meisten Architekten klingt diese Geschichte vermutlich wie ein surrealer Traum aus einer Phantasiewelt. Da kauft ein kunst- und architekturaffines Ehepaar einfach einmal 100 Hektar unberührtes Land und beauftragt 15 Architekten damit, hier jeweils ein Haus zu errichten. Einzige Bedingungen: Das vorgegebene Budget muss gehalten werden und die Objekte als Ferienhäuser nutzbar sein. Anforderungen off. Kreativität on.

15 Solo Houses auf 100 Hektar

Ziemlich genau das hat das französische Paar Eva Albarran und Christian Bourdais gemacht. Seit dem Jahr 2014 tragen sie bereits ihre Idee der „Solo Houses“ in die Welt hinaus. Doch Dreh- und Angelpunkt ist seit Anbeginn besagtes 100 Hektar großes Stück purer Natur in Matarraña, im Nordosten des Naturparks Els Port, zwischen Barcelona, Valencia und Saragossa gelegen.

Eben hier wächst inzwischen ein „Solo House“ nach dem anderen in den Wald. Stets so weit voneinander entfernt, dass man von keinem Kleinod eines der anderen erspähen kann. „Man soll sich hier umgeben von der großartigen Natur wirklich alleine fühlen können. Wenn wir mehr Häuser bauen würden, würde dieser ‚Solo-Aspekt’ verloren gehen“, sagt Christian Bourdais.

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Die Gefahr besteht allerdings ohnehin frühestens in ein paar Jahren, wenn mehr als die beiden bis heute fertiggestellten Häuser realisiert sind. Denn der Zeitplan ist – wie wohl bei allen großen (Kunst-)projekten – nur schwer zu definieren. Aktuell hoffen Albarran und Bourdais jedoch, bis zum Jahr 2024 alle 15 Solo Houses fertiggestellt zu haben.

Neuer Entwurf

Jetzt wurde jedenfalls ein weiterer neuer Entwurf präsentiert, der wohl als nächstes in die Umsetzungsphase gelangen dürfte: Das in Tokyo ansässige Architektur-Studio TNA von MakotoTakei and Chie Nabeshima stellte Renderings von zwei übereinander angeordneten, umgestürzten Pyramiden vor, die in der spanischen Waldwüste wahrlich ins Auge stechen dürften. Vor allem auch, weil die Poolsituation auf dem Dach, das eigentlich der Pyramidenboden wäre, wahrlich spektakulär ist.

Pyramiden für Schwerelosigkeit

Mit dem Auf-Den-Kopf-Stellen der Pyramiden wollen die zwei Architekten jedenfalls bei zukünftigen Urlaubern ein Gefühl der Schwerelosigkeit erzeugen. Außerdem sollen große Panoramafenster einen Panoramablick über die einmalige Landschaft ermöglichen. Das schlanke Innere der Pyramiden wiederum wurde in Zwischengeschosse und ineinander verschränkte Ebenen unterteilt. Dies soll das offene Gefühl der Pyramide erhalten, ohne die Wohnräume klar zu definieren.

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Eben mit dieser Überlegung haben die Konzeptionisten von TNA wohl das Herz der Auftraggeber erobert. So ist inzwischen durchgesickert, dass vor allem Bourdais auf die „inneren Werte“ der jeweiligen „Solo Houses“ achtet. So formulierte er kürzlich in einem Interview: „Wenn das Innere smart und ungewöhnlich und überzeugend und neuartig ist, dann ergibt sich oft auch von Außen ein ausdrucksstarkes, visuelles und vielleicht sogar skulpturales Objekt.“ Das trifft auf die beiden Pyramiden zweifelsohne zu.

Architekten als Künstler einer Galerie

Wichtig ist dem Paar allerdings, dass die einzelnen Objekte des gesamten Projekts am Ende alle sehr unterschiedlich sind. Vor allem aber künstlerisch wertvoll. Zitat: „Wir wollten bei den Solo Houses so mit Architekten zusammenarbeiten, wie ein Galerist mit einem Künstler zusammenarbeiten würde. Wie bei einer großen Installation sollten die Architekten hier absolute künstlerische Freiheit bekommen.“

Schließlich würden Architekten, sobald sie mit Bauunternehmern arbeiten, so viele Einschränkungen hinnehmen müssen, dass nie die pure, unverfälschte Vision des Gebäudes verwirklicht würde. „In gewisser Weise zerstören die beim Bauen notwendigen Kompromisse die Architektur“, ist sich das Paar sicher. Die Solo Houses verstehen sich also als Gegenpool dazu.

Wir kooperieren mit einem spanischen Unternehmen, das die Vermietung der einzelnen Häuser organisiert. Es gibt außerdem eine ganze Liste von Investoren, die uns helfen, das gesamte Projekt zu finanzieren.

Christian Bourdais, Eigentümer

Das ist freilich nicht nur architektonischer Luxus sondern auch ein finanzieller. Kurz gesagt: Nachrechnen darf man dieses Projekt aus wirtschaftlicher Sicht nicht. Damit sich der finanzielle Einsatz rentiert, müsste eine Nacht in diesen Ferienhäusern wohl so viel kosten wie ein Kleinwagen. Wie also ist die ganze Sache bloß möglich?

Woher kommt das Geld?

Bourdais äußert sich dazu wenig überraschend wenig ausführlich. Aber so viel darf man erfahren: „Wir kooperieren mit einem spanischen Unternehmen, das die Vermietung der einzelnen Häuser organisiert. Es gibt außerdem eine ganze Liste von Investoren, die uns helfen, das gesamte Projekt zufinanzieren. Aber sie werden keine einzelnen Häuser kaufen können. Mit 15 verschiedenen Eigentümern wäre unsere Idee in der Tat hinfällig. Meine Frau und ich sind die Eigentümer und wollen es auch bleiben.“

Viel lieber präsentiert das Ehepaar da schon die bereits teilweise final geplanten Objekte und jene die bereits fertiggestellt wurden.

Also: Bühne, frei!

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Eines von zwei bereits fertiggestellten und buchbaren Ferienhäusern. Beschrieben wird das Objekt so: Um die natürliche Schönheit des Ortes so gut wie möglich hervorzuheben, hat das Architekturbüro KGDVS ein Haus ohne Grenzen in Bezug auf die umgebende Natur geschaffen. Das runde Haus bietet einen überdachten Weg zwischen dem Naturschutzgebiet und dem Innenhof. Vier Pfostensätze stützen das Dach und trennen die Räume und Wohnbereiche. Die Fassaden können vollständig geöffnet werden, um die Grenze zwischen innen und außen verschwinden zu lassen. Der Innenhof, das Herzstück des Anwesens, wird teilweise von einem kleinen Teich eingenommen, der den Bewohnern als Badeoase dienen soll.

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Das zweite von zwei bereits fertiggestellten und buchbaren Ferienhäusern. Das als Plattform konzipierte Haus vermittelt seinen Bewohnern das Gefühl, in der Luft zu schweben. Es besteht vollständig aus Beton und ist vollkommen symmetrisch gestaltet. Ein Innenhof mit Swimmingpool nimmt die Mitte dieses Hauses ein. Alle Räume öffnen sich dank großer Erkerfenster nach außen.

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Gerade in Planung und daher ist die Beschreibung dazu auch noch eher lyrischer als faktischer Natur. Wir zitieren kurz aus der offiziellen Notiz: „Am Fuße der Hauptstraße, durch den Wald, führt ein Weg zum Eingang eines Pavillons. Ein langer, hoher Sockel erstreckt sich horizontal zwischen Bäumen auf schrägem Boden. Im Inneren der Pavillons spiegelt sich das Wasser, das Feuer, der Glanz des Himmels, die verborgenen Schatten. Man spürt die frische Luft beim Überqueren der Terrasse. Wenn die Nacht hereinbricht, das Haus hinunter und geschützt, betreten wir die gemütlichen Räume der Zimmer.“ Wir sind jedenfalls gespannt.

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Gerade in Planung. Hier wollen die Architekten mit dem Objekt die ultimative Zuflucht als Versprechen für eine neue Welt verstanden wissen. Durch die unlogische Anordnung der Räume sollen gelernte Orientierungspunkte wie links, rechts, oben und untern verloren gehen. Die Bewohner sollen eine neue Raumerfahrung machen und zwischen unendlich groß und unendlich klein zu unterscheiden verlernen.

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Gerade in Planung und noch besonders weit von seiner Realisierung entfernt. Jedenfalls soll man den Eindruck erhalten, unter einem Olivenhain zu leben und so mit der Erde eins zu werden.

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Solo MOS

Gerade in Planung. Diese im Herzen eines Olivenhains gelegene Villa soll aus vier identischen Räumen bestehen, die in T-Form angeordnet alle mit begrünten Dachterrassen versehen sind. Das Innere der Villa bietet in jedem Winkel des Olivenhains eine große Vielfalt an heimeligen Nischen, während die Dachterrassen mit einem atemberaubenden Blick auf die Berge punkten.

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Solo Rintala Eggertsson

Gerade in Planung. Durch die Nutzung der Geländeform entstand eine zickzackförmige Gebäudeform. Das gesamte Objekt ist in drei Bereiche aufgeteilt. Erstens: Die Eingangsterrasse mit einem kleinen runden Pool, einer Sauna und einem offenen Kamin in der Mitte. Zweitens: Die Küche und das Wohnzimmer im Norden einschließlich einer offenen Terrasse am Ende mit einem verborgenen Kamin und gemütlichen Sitzgelegenheiten. Drittens: Auf der Südseite des Patios, hinter der Sauna, ist der Schlaftrakt mit einer Außenterrasse angedacht.

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Solo Sou Fujimoto

Gerade in Planung. Dieses Haus kann man als geometrischen künstlichen Wald verstehen. Durch die Anordnung des Holzes in Form eines unregelmäßigen Gitters entsteht ein Referenzverlust. Man weiß nicht mehr, woran man sich orientieren soll und verliert so den Bezug zur Realität, so die dahinterliegende Überlegung.

Text: Johannes StühlingerBilder: Solo Houses

Lesen Sie weiter im UBM Magazin, der Plattform für Immobilienwirtschaft, Stadtplanung und Design.

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