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UBM Development
04/20/2020

Der fliegende Tisch

Architekt Jean-Christophe Petillault hat in Zeiten von Homeoffice eine besonders platzsparende Version eines Tisches entworfen. Der Flying Table gleitet nach Feierabend per Remote Control an die Decke.

Wenn die eigenen vier WĂ€nde plötzlich mehr sein mĂŒssen als nur familiĂ€rer RĂŒckzugsort. NĂ€mlich auch noch Arbeitsplatz, Schule, Spielplatz und Turnhalle in einem. Auch bei noch so kreativer Mehrzwecknutzung platzt der private Raum schnell aus allen NĂ€hten. Außer man hat beizeiten in Möbel investiert, die auf Knopfdruck verschwinden. Zum Beispiel in den Flying Table des Pariser Designers Jean-Christophe Petillault vom ArchitekturbĂŒro JCPCDR. Sein fliegender Tisch schafft enorme FlexibilitĂ€t, nicht nur im Homeoffice.

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Von der Idee zum Raumwunder

Die Idee zu dem Möbel kam Petillault, als er an verschiedenen BĂŒrosanierungsprojekten in Paris arbeitete. Eine zentrale Fragestellung dabei war die flexible Nutzung. „Aufgrund der beengten RaumverhĂ€ltnisse in unserer Stadt, ist es sehr wichtig, dass RĂ€ume vielseitig bleiben und fĂŒr unterschiedliche Zwecke genutzt werden können“, erklĂ€rt der Designer. „BesprechungsrĂ€ume zum Beispiel sind nicht immer belegt, nehmen aber einen großen Teil des GebĂ€udeplans ein und sind oft mit Möbeln vollgestellt.“

Ein Tisch, der ohne viel Aufwand und möglichst formschön verstaut werden kann, bringt eine bislang unerreichte FlexibilitĂ€t in jedes BĂŒro – vom mobilen Tiny Office bis hin zum Großraum-Komplex. „Ich wollte einen großen Tisch entwerfen, der einer Vielfalt an BedĂŒrfnissen gerecht wird und sich an unterschiedliche Situationen anpasst“, so Petillault. Je nach gewĂ€hlter Höhe fungiert er als Schreibtisch, Besprechungstisch, Esstisch oder Couchtisch.

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Low-Tech aus dem Alltag

Auch wenn der Flying Table eine gewisse Luftigkeit suggeriert, ist er alles andere als fragil. Petillault hat einen Tisch aus massiver Eiche entworfen, der durch einen Zugmechanismus mit einer Andockstation an der Decke verbunden ist. Der Mechanismus wird zwar ĂŒber eine Fernbedienung gesteuert, aber smarte Technologie ist hier (noch) nicht im Spiel. 

Dies ist ein Tisch mit Unterhaltungswert, er wurde als architektonisches Alltagsobjekt entworfen, vielseitig und funktionell.

Jean-Christophe Petillault, Architekt

Stattdessen haben ganz gewöhnliche Mechaniken aus dem Alltag die Inspiration fĂŒr den Flying Table geliefert – vom Sicherheitsgurt im Auto bis zum Vorhangmotor. „Dies ist ein Tisch mit Unterhaltungswert, er wurde als architektonisches Alltagsobjekt entworfen, vielseitig und funktionell“, heißt es vonseiten des Architekten.

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Tischlein, versteck dich!

Der Tisch ist an vier Sicherheitsgurten aufgehĂ€ngt, die an einer beleuchteten Docking-Station an der Decke festgemacht sind. Die Gurte sind um einen Rollladenmotor gewickelt, ĂŒber den sich der Tisch auf die gewĂŒnschte Höhe herabsenken lĂ€sst.

Der Eichentisch kann an der Gurtbefestigung hĂ€ngend genutzt werden oder ĂŒber ausklappbare Tischbeine fest am Boden stehen. Per Remote Control werden die Gurte von der Andockstation eingeholt und bei Bedarf wieder ausgefahren. Will man den Raum anderweitig nutzen, macht der Tisch Platz und verschwindet an die Decke.

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Platz fĂŒr Foto-Shootings und Partys

Die am Deckenelement integrierte Beleuchtung hat sowohl funktionellen als auch Ă€sthetischen Wert und sorgt fĂŒr einen leicht futuristischen Touch. Die abgerundete Lichtleiste verleiht dem massiven Holzmöbel eine gewisse Leichtigkeit.

Dieses Design erlaubt einem traditionell großen und schweren MöbelstĂŒck, zu einem vielseitigen, verspielten und zeitgemĂ€ĂŸen Objekt zu werden.

Jean-Christophe Petillault, Architekt

„Dieses Design erlaubt einem traditionell großen und schweren MöbelstĂŒck, zu einem vielseitigen, verspielten und zeitgemĂ€ĂŸen Objekt zu werden“, sagt der Architekt. Als Bestimmungsort fĂŒr den Flying Table nennt er Wohnraum, BĂŒro und Werkstatt. „Im Grunde kann er ĂŒberall dort eingesetzt werden, wo es einen Tisch braucht, nur kann der Raum dann noch fĂŒr andere Zwecke genutzt werden: fĂŒr Kinderspiele, Yoga, Tanz, Foto-Shootings oder Partys.“

Text: Gertraud GerstFotos: David Foessel, JCPCDR

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