Seoul geht „zurück in die Zukunft“

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Das Zentrum von Seoul soll verlorenen Charme zurückbekommen und Lebensqualität gewinnen. Unter anderem durch das Projekt „Seoul Valley“: Designt vom Büro Henning Larsen, verspricht es eine fußgängerfreundliche, begrünte Mixed-Use-Zone, die modernen Komfort und lokale Tradition verbindet.

Wie schön, durch alte Städte zu flanieren und lokaltypische Kultur, Lokale und Geschäfte zu entdecken. Doch derlei ist in schnell gewachsenen Metropolen oft nur noch ein nostalgischer Traum. Auch das Herz von Seoul hat sich im 20. Jahrhundert zum reinen Business-Zentrum gewandelt. Das Flickwerk traditioneller Hanok-Häuser und -Gärten ging weitgehend verloren. Ein „menschlicher Maßstab“, den Südkoreas Hauptstadt zurückgewinnen will. Zum Beispiel mit dem von Wettbewerbssieger Henning Larsen Architects designten Projekt „Seoul Valley“.

Morgen & Gestern in einem Stadtquartier

Der Entwurf des dänischen Büros verbindet das globale kommerzielle Profil von Seoul mit einer ökologischen Rückkehr zur fußgängerfreundlichen Innenstadt. Henning Larsens Konzept verspricht eine vielseitige Mixed-Use-Anlage, die wieder Menschen in die City lockt. „Seoul Valley“ schafft 360.644 Quadratmeter Nutzfläche am nördlichen Rand des zentralen Stadtteils Yongsan-gu. In der weitläufigen öffentlichen Anlage werden Büros, Geschäfte, Hotel- und Wohnangebote entstehen, die ein attraktives neues Stadtquartier bilden.

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Neues Viertel in zentraler Lage: „Seoul Valley“ soll Menschen wieder in die City locken.

„Seit weit über einem Jahrzehnt arbeitet Seoul aktiv an der Revitalisierung des Stadtgefüges und konzentriert sich dabei auf die Räume zwischen den Gebäuden und die Fußgängerverbindungen“, schildert Henning Larsen Partner Jacob Kurek.

„Seoul Valley“ passt perfekt zu dieser Vision. Und zwar nicht allein durch das geplante, vielfältige Shopping- und Freizeitangebot. Denn das Design konzentriert sich auch auf öffentlichen Komfort, viel Grün und lokale Tradition.

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Zum Flanieren, Shoppen und Verweilen gedacht: Große Gebäude umrahmen grüne Outdoor-Zonen wie ein schützendes Bollwerk.

Der Plan definiert ein üppig begrüntes und von innovativen Großbauten umrahmtes Stadtviertel. Drei große Türme „zerteilen“ sich nach unten hin in kleinere Einheiten, um weniger massiv zu wirken.

Diese Strategie soll die ebenerdigen Zonen zu einer dorfähnlichen „Gemeinschaft“ verschmelzen. Das „Erdgeschoss“ der Anlage ist über mehrere Ebenen verteilt. Zwischen Geschäften, Cafés und Restaurants werden die Besucher Gärten, Terrassen und Höfe genießen können.

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Die Lage des „Seoul Valley“ begünstigt das Ziel, das Areal mit neuem Leben zu erfüllen. Schließlich liegt das Gelände in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Mit seiner angehobenen Bodenebene wird es vor allem zu Fuß bequem erreichbar sein. An der Nordseite werden Besucher über eine weitläufige Tribünentreppe zur neuen Anlage spazieren können. Und auch vom selbst noch neuen Seoul Skygarden-Park im Süden her wird man gemütlich ins neue Stadtquartier gelangen.

Vielfältige Erlebniszone

Der öffentliche Bereich erstreckt sich über mehrere Etagen und ist durch Taschenparks und Terrassen verbunden. Und er wird mit viel Abwechslung aufwarten: Den Weg, der sich durchs „Seoul Valley“ schlängelt, werden Geschäfte, Werkstätten und Ateliers säumen.

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Fußgängerfreundlich: Weitläufige Zugangstreppen und ein bequemer „Skywalk“ werden Seoul Valley mit seiner Umgebung verbinden.

Das neue City-Highlight von Seoul soll schließlich obendrein mit besonderem Shopping-Genuss punkten. Denn der Plan des Henning Larsen Teams schafft die Voraussetzungen für ein „Inside Out“-Einzelhandelssystem. Will sagen: Was zählt, ist das Besuchererlebnis – nicht die Geschäftsfassade. Das gängige Konzept großer Einkaufszentren wird quasi nach außen gekehrt und in kleine Einheiten zerlegt.

Schöner Shoppen

Statt in verschlungenen, doppelt belasteten Korridoren zusammengefasst, werden die Module unabhängig voneinander über den Standort verteilt. So entsteht ein frei fließendes, sich ständig veränderndes Angebot, das zum Flanieren und Erkunden lockt.

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Zudem legen die Architekten großen Wert auf Vegetation und Tageslicht. Sogar die Shops, Einrichtungen und Zufahrtszonen im Untergeschoss werden hell gestaltet und begrünt. „Die Vorteile von Tageslicht, Außenansichten und Grünanlagen kennen wir seit Langem. Aber sie werden im kommerziellen Design oft zugunsten einer Maximierung der Fassade beiseitegeschoben“, erklärt Kurek.

Neue Ideen für Seoul

In Zukunft werde es beim Einkaufen allerdings nicht unbedingt nur darum gehen, „mit einer Tasche aus dem Laden zu kommen“: „Also war unser Ziel mit Seoul Valley, beides zu bieten. Letztendlich glauben wir, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile“.

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Seoul Valley soll ein sicheres, sauberes Ambiente bieten. Die vorgesehenen Büro- und Hoteltürme tragen dazu bei. Rund um den begrünten Kern gruppiert, schützen sie die Fußgänger vor Wind und städtischem Getöse. Gezielt ausgewählte Pflanzen werden in überlappenden Schichten angeordnet, um eine geborgene Umgebung zu schaffen.

Grün mit Mehrfachnutzen

Eine „biosphärische“ Pflanzenschicht dient als Filter, der Umweltverschmutzung reduziert. Die dicht begrünte „Versickerungsschicht“ indes blockiert Lärm und sorgt für üppig grünes Innenleben. Und eine weitere ist darauf ausgerichtet, die Sinne der Besucher durch optische Schönheit, Duft und mehr zu stimulieren.

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Durchdachte Begrünung: Drei Schichten erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
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Seoul Valley: Das Projekt soll eine erholsame Erlebnis-Oase ins Stadtzentrum setzen.

Beim Entwurf für die Anlage im Herzen von Seoul spielten umfangreiche Wind- und Klimastudien eine gewichtige Rolle. Das Konzept zielt darauf ab, Hitzestau zu vermeiden und die Outdoor-Saison zu verlängern. Seouls neue, attraktive Grünzone soll ein Magnet für alle werden, die es sonst kaum ins Zentrum zieht. Als zusätzliches Plus werden die Terrassen der oberen Stockwerke erholsame Oasen abseits urbaner Hektik bieten.

Verbindende Attraktion

Der nahe Bahnhof kommt nicht nur Hotelgästen, sondern auch den Mitarbeitern der Büros zugute. Lange Zeit war das28.600 Quadratmeter umfassendeAreal durch infrastrukturelle Barrieren isoliert. Erst durch die Umsetzung von „Seoul Valley“ wird es wieder mit seiner innerstädtischen Umgebung verbunden.

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„Mit Seoul Valley wollten wir ein Schema entwickeln, das den überdimensionalen Charakter der heutigen Stadt mit den kleinen Patchwork-Strukturen ihrer Vergangenheit verschmilzt“, erklärt Architekt Jacob Kurek. Das Design löse den übergroßen Maßstab auf der öffentlichen Ebene auf und mache die Stadt lebenswerter.

Bühne fürs historische Seoul

Zugleich würdigt der Plan jedoch die schönen Strukturen des alten Seoul. Und er soll traditionellen Künsten neuen Raum verschaffen. Kurek: „Unsere Hoffnung ist, dass Seoul Valley nicht nur zum Zuhause für hochwertige Geschäfte, sondern auch für Handwerker und Kunsthandwerker wird“.

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Besucher, aber auch Mitarbeiter der Büros und Betriebe sollen auf den begrünten Dachterrassen Entspannung finden.

Der Stadtentwicklungsplan „2030" der südkoreanischen Hauptstadt setzt ehrgeizige Ziele: Seoul will eine kulturell lebendige, traditionsreiche und sichere Metropole werden.Bürgernah und auf Gemeinschaft ausgerichtet. Das Projekt „Seoul Valley“ ist Teil dieses Vorhabens. Wer hier künftig wohnt, arbeitet oder einfach Zeit verbringt, soll sich rundum wohlfühlen.

Im Frühjahr 2021 beginnt die nächste Planungsphase.Bis wann das Großprojekt fertiggestellt werden kann, wurde bislang nicht verraten.

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Davon, dass die in menschen- und umweltfreundlicher Stadtplanung erfahrenen dänischen Architekten die Ansprüche der Stadtväter erfüllen werden, ist auszugehen. Schließlich erhielt das Büro Henning Larsen etwa auch den Zuschlag für die heikle Wiederbelebung des Brüsseler Place de Brouckére.

Im Fokus: Lebensqualität

Dass die vielfach ausgezeichneten Kopenhagener Baukünstler unter anderem mit dem European Prize for Architecture 2019 geehrt wurden, darf als zusätzliche Bestätigung gelten. Immerhin lobte die Jury dabei nicht nur Henning Larsens ikonische Designs, sondern vor allem deren Konzentration auf Lebensqualität und Nachhaltigkeit.

Text: Elisabeth Schneyder Bilder: Henning Larsen, Proloog

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