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12/09/2020

Ein Schiff wird kommen

Seit hunderten Jahren liegt ein gesunkenes Schiff vor der britischen Stadt Hastings. Nun wurde ein besonderer Weg gefunden, dieses zu bergen: Um das Wrack wird ein Unterwasser-Museum errichtet, das es erlauben wird, den Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit zuzusehen!

Es war eine ungemein stürmische Nacht. Damals im Jänner 1749. Verzweifelt versuchte in diesen Stunden die Besatzung der „Amsterdam“ ihr Schiff durch den Kanal vor der englischen Stadt Hastings zu steuern.

Doch am Ende behielt der Sturm die Oberhand. Seine Gewalt schmetterte das Handelsschiff der Niederländischen Ostindien-Kompanie an Felsen. Es schlug leck, war plötzlich unlenkbar. Verzweifelt versuchte der Kapitän noch die Küste zu erreichen. Doch bevor ihm das gelang, sank die „Amsterdam“.

Schiff samt Fracht waren verloren

Die gute Nachricht in dieser schicksalsträchtigen Nacht: Alle 330 Matrosen, Zimmerleute, Soldaten, Offiziere und Passagiere konnten frierend aber unverletzt das Ufer erreichen. Doch das niegelnagelneue Schiff samt seiner wertvollen Fracht war verloren.

An eine Bergung war in Ermangelung technischer Möglichkeiten damals freilich nicht zu denken. Und so begrub der Sand nach und nach die Amsterdam. Sieben Meter Meeresboden liegen heute über dem Wrack.

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Nachdem die „Amsterdam“ außerdem auch noch in einer Brandungszone liegt, rätseln Wissenschaftler seit inzwischen 40 Jahren, wie man das Schiff denn bergen könnte. Nun hat sich endlich eine Lösung aufgetan. Und die ist nicht nur für Forscher spektakulär, sondern auch für Architekten und sogar für die breite Öffentlichkeit. Stichwort: Unterwasser-Museum. Aber dazu später mehr.

Ausstechen wie ein Weihnachtskeks

Im Auftrag der VOC Ship Amsterdam Foundation und unter der Leitung des Amsterdamer Stadtarchäologen Jerzy Gawronski haben Deloitte, Mammoet, VEKA Shipyards und das Architekturbüro ZJA einen Plan ausgearbeitet, der das Wrack auf eine noch nie dagewesene Art und Weise buchstäblich aus den Fluten befreien soll. Man wird das Schiff sozusagen wie ein Weihnachtskeks aus dem Meeresgrund ausstechen!

Die Amsterdam kehrt heim

Das soll mit einem eigenen Dock möglich gemacht werden, das infolge das Wrack samt Wasser anheben und nach Amsterdam, also in die namentliche Heimat der „Amsterdam“, führen wird. Sobald das Wrack samt Sedimenten an einer ruhigen Stelle vertäut wird, kommen die Architekten ins Spiel.

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Zuerst wird das schwimmende Dock mit einem spektakulären Baldachin überzogen werden. Damit soll der gesamte Komplex sozusagen optisch mit dem Festland verbunden werden. Dieser soll laut Architekten zudem an die geblähten Segel erinnern, die das stolze 40-Meter-Schiff einst gesetzt hatte.

Darunter geht es dann erstmal eher technisch zur Sache. Die Planer haben eine Art Geschoßlandschaft entworfen, in der sich Forscher-Teams einerseits gut bewegen können und andererseits aber auch wirklich an jede Stelle des hunderte Jahre alten Wracks vordringen können. Schließlich will man jeden Millimeter untersuchen.

Unterwasser-Museum der besondern Art

Dazu braucht es freilich Lichtquellen und im Idealfall sogar die Möglichkeit, Tageslicht in das Innere zu lassen. Ein Problem, das die Architekten von ZJA nicht nur elegant, sondern wahrlich spektakulär lösten: Sie integrieren in das bauliche Skelett große Fensterfronten. So können starke Scheinwerfer platziert werden, die niemandem im Weg stehen. Vor allem aber kann man so auch den Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit unter Wasser zusehen!

Daraus sponnen die Kreativen den Masterplan, die gesamte Szenarie als spektakuläres Unterwasser-Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Genau dies wird nun tatsächlich realisiert werden.

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Stellt sich freilich bloß noch die Frage, was man sich denn erhofft in diesem uralten Schiff zu finden. Denn: Ganz offensichtlich gibt es ein richtig großes Interesse an dem, was im Bauch der „Amsterdam“ schlummert.

Unterwasser-Museum als kultureller Schatz

Tatsächlich ist die Amsterdam das am besten erhaltene Schiff der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Von der gründlichen Untersuchung des Schatzes der Amsterdam erhofft man sich Zugang zu Hunderten von Adressen in der Stadt Amsterdam, die Handelsbeziehungen offenlegen würden.

Und man ist davon überzeugt, Objekte vorzufinden, die über das Amsterdam des 18. Jahrhunderts Geschichten erzählen werden, wie man sie noch nicht kennt.

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Die Stadtpolitik formuliert das in einer Pressemeldung so: „Im physischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Sinne des Wortes sind dieses Schiff und seine Ladung ein Knotenpunkt in einem globalen Netzwerk. Die Amsterdam ist eine Schatzkammer, die uns zeigt, wie finanzielle Ressourcen, Information und Technologie, Kulturen, Politik und Gewalt, Handel und Globalisierung, Innovation und Ausbeutung miteinander verschmelzen. All diese Themen beschäftigen uns heute, so dass man sagen könnte, dies ist das lehrreichste und wichtigste Erbe, das wir haben.“

Jedenfalls aber können die Amsterdamer in dem Unterwasser-Museum mit dabei sein, wenn man den Geheimnissen der Amsterdam auf den Grund geht. Und dabei wohl gleichzeitig auch eine Art Zeitreise unternehmen – in eine Welt, wie wir sie uns heute nicht vorstellen können.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: ZJA Architects

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