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UBM Development
02/10/2020

Neues „Kleid“ für alte Werft

Danzigs Kaiserliche Werft blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Jetzt soll das historische Areal revitalisiert und in einen attraktiven Stadtteil verwandelt werden.

Der Master-Plan dazu stammt vom dänischen Architekturbüro Henning Larsen. Vor Baubeginn sollen Sonnenblumenfelder den Boden aufbereiten – in mehrfacher Hinsicht.

Einst wurden hier Kriegsschiffe gebaut. Heute freuen sich Instagram-Fans vor Ort über morbide Bild-Motive. Das alte Industriegelände hat fraglos seinen Reiz. Nicht nur wegen seiner historischen Gemäuer: Danzigs 1844 gegründete Kaiserliche Werft war lange Wirtschaftsmotor der Region. Und sie war Vorgängerin jener Danziger Schiffswerft, die von 1950 bis zum Ende des Kommunismus als „Lenin-Werft“ firmierte – also einer legendären Keimzelle der polnischen Demokratiebewegung.

Urbanes Großprojekt an Danzigs Ufern

Große Teile der alten „Kaiserlichen“ liegen seit Jahren brach. Jetzt sollen sie zu neuem Leben erwachen: Ein vom dänischen Büro Henning Larsen entwickelter Masterplan wird sie in einen attraktiven Teil der Danziger Innenstadt verwandeln.

Kaiserliche Werft wird Zukunfts-Hotspot

Das Großprojekt mit 400.000 Quadratmetern Gesamtfläche soll die Geschichte Danzigs würdigen, die Kaiserliche Werft zugleich jedoch „ihren Leuten zurückgeben“: Mit neuen öffentlichen Plätzen, gemeinschaftlich genutzten Gärten und Dächern. Mit 3.500 Wohneinheiten, lebenswertem Raum für Büros, Betriebe, Geschäfte und Arbeitsplätze. Und mit Kultureinrichtungen, viel Grün und Freizeitangebot am Wasser.

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Beim Entwurf des komplexen Mixed-Use-Konzepts kooperierte Henning Larsenmit dem Warschauer Büro BBGK Architekci und A2P2 Architecture and Planning aus Danzig. Projekt-Entwickler sind die belgischen Unternehmen Revive und Alides. Für das dänische Architekturstudio ist diese Revitalisierung eines von drei aktuellen Stadtplanungs-Projekten am Wasser.

Expertise für urbane Uferzonen

Neben dem internationalen Wettbewerb um die Neugestaltung der legendären Kaiserlichen Werft in Danzig konnte das Team von Henning Larsen 2018 auch zwei weitere für sich entscheiden, die ebenfalls am Wasser liegen: Jene um die Projekte der Belfaster Waterfront und „Key West“ in Brüssel.Allerdings: Während etwa für Belfasts urbanes Uferparadies ein voraussichtliches Fertigstellungsdatum genannt wird, hält man sich bei Danzig noch zurück. Laut Website des Entwicklers Revive wohl der frühen Projektphase wegen. Doch das Konzept verspricht, ein großer Wurf für die polnische Stadt zu werden.

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Der Plan sieht drei Kernzonen vor, um die sich das Projekt entwickeln soll: Eine großzügige Plaza, einen Park und das Dock. Die Plaza wird demnach an einem historisch bemerkenswerten Ort entstehen: Beim berühmten Sala BHP Gebäude – der einstigen Arbeitsschutzhalle. Also da, wo 1980 das Augustabkommen unterzeichnet wurde, aus dem die unabhängige, selbstverwaltete Solidarność entstand.

Kernpunkte Plaza, Park & Dock

Wo die Arbeiterbewegung diesen Sieg errang, soll die Stadt nun neuen Raum für Markttage, Freizeitsport-Angebote und Kulturevents bekommen. Der Park soll ein üppiger urbaner Wald werden, der ins Grüne lockt und gute Ausblicke über Stadt und Fluss bietet.

Wir wissen aus Erfahrung mit Stadtentwicklungsplänen in aller Welt, dass Aktivierung des öffentlichen Raums einer der Schlüssel zum Erfolg ist.

Jacob Kurek, Partner bei Henning Larsen Architects

Als Herzstück des neuen Stadtteils sehen die Architekten das Dock. Die Uferzone soll für die Bewohner nutzbar gemacht, die Kaiserliche Werft bequem mit dem Stadtzentrum verbunden werden. Breite Gehsteige, Holzbänke, Strand, Yachthafen und Sportangebote wie Kayaking sollen den Danzigern künftig Lust auf Freizeit am Wasser machen.

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„Wir wissen aus Erfahrung mit Stadtentwicklungsplänen in aller Welt, dass Aktivierung des öffentlichen Raums einer der Schlüssel zum Erfolg ist“, erklärt Henning Larsen Partner Jacob Kurek. Es sei wichtig, attraktive Fuß- und Radwege als Alternative zu PKW-Fahrten zu schaffen. Jacob: „Aus Kopenhagen wissen wir, wie sehr eine Reduktion des Autoverkehrs in der Innenstadt und an der Hafenfront die Lebensqualität der Menschen verbessert.“

Sonnenblumenfelder als „Wegbereiter“

Für die Phase bis zum tatsächlichen Baubeginn hat man sich bei Henning Larsen etwas Neues einfallen lassen, wie die Beschreibung des Projektes verheißt: „Wir planen ein Sonnenblumenfeld zu pflanzen, das das Areal wiederbelebt. Sonnenblumenfelder reinigen den belasteten Boden des Geländes und bereiten ihn für die Bauarbeiten vor.“

Wasserspaß vor Baubeginn

Außerdem werde man mittels natürlicher Filtrationstechniken dafür sorgen, dass das Wasser der Kanäle gefahrlos für Badespaß genützt werden kann: „Wir hoffen, den Bewohnern von Danzig durch die Wiederbelebung der Natur schon vor Beginn der Bauarbeiten einen Grund zu geben, die Werft zu besuchen, die schönen Sonnenblumen und einen Sprung ins Wasser zu genießen.“

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Wie lange es dauern wird, bis auch der geplante neue Stadtteil selbst Anwohner und Besucher anzieht, ist derzeit noch offen. Sicher ist allerdings, dass die alte Kaiserliche Werft durch die Revitalisierung ihre frühere Bedeutung wiedererlangen soll – in gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht.

Bequem zu Fuß vom Ufer in die City

Jacob Kurek: „Es war uns wichtig, der einzigartigen Geschichte der Kaiserlichen Werft Tribut zu zollen, die in den verbliebenen historischen Gebäuden sichtbar ist. Weil die Werft auch im Zentrum der Arbeiterbewegung stand, haben viele Familien eine sehr persönliche Bindung zu diesem Areal. Die Uferzone öffentlich zugänglich zu machen und fußgänger- sowie rad-freundlich mit dem Stadtzentrum zu verbinden, wird helfen, den Menschen ihre Kaiserliche Werft zurückzugeben.“

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Was die Jury des Wettbewerbs und die Mitglieder des beratenden Qualitäts-Komitees dazu bewog, den Entwurf der dänischen Architekten zu präferieren, hat viel mit dessen behutsamer Kombination von Geschichte und Zukunft zu tun: Die unterschiedlichen Gebäudetypologien und der ausgewogene Funktionsmix sind demnach optimal geeignet, das Stadterlebnis zu bereichern und die Marktfähigkeit zu verbessern. Wenn’s so weit ist, wird dies vermutlich auch Instagrammern neue Hypes verschaffen.

Text: Elisabeth SchneyderBilder: Henning Larsen

Lesen Sie weiter im UBM Magazin, der Plattform für Immobilienwirtschaft, Stadtplanung und Design.

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