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01/04/2021

Aufsehenerregende Hülle für die Bühne

Flammend-rot leuchtet einem das soeben fertig gestellte Sunac Guangzhou Grand Theatre entgegen. Steven Chilton Architects nahmen Anleihe bei Chinas fließenden, bestickten Seidenstoffen.

Die Geschichte der Stadt Guanghzou ist gleichsam im neuen Sunac Guangzhou Grand Theatre „eingewoben”: Das Büro Steven Chilton Architects hat ein Theater entworfen, dessen Form wortwörtlich an die historische Bedeutung Guanghzous als Dreh- und Angelpunkt der antiken „Seidenstraße am Meer” anknüpft.

Seit der Han-Dynastie war der wichtige Hafen aber nicht nur ein bedeutendes Zentrum für den Handel, insbesondere mit Seide, sondern auch für Kunst. Und so ist die nordwestlich von Hongkong gelegene größte Stadt im Perlflussdelta seit Jahrtausenden Heimat von Künstlern, die dazu beigetragen haben, das Bild der chinesischen Kultur weltweit auf Jahrhunderte hinaus zu definieren.

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Das Sunac Guangzhou Grand Theatre wurde vor kurzem nach einem Entwurf des Londoner Büros SCA|Steven Chilton Architects fertiggestellt. Es wird Teil einer Gruppe von Unterhaltungseinrichtungen im Huadu-Distrikt der Stadt sein. Das Theater bietet 2.000 Gästen Platz. Aktuell werden in China viele Kultur- und Museums-Projekte in Angriff genommen, etwa das Naturkundemuseum in Shenzhen, für das das Team von 3XN den Zuschlag bekommen hat.

Talente kultivieren

„Es war uns ein Anliegen, die Geschichte, die Emotionen und die kreative Energie der Stadt in einem Gebäude zu kanalisieren und zu bündeln, dessen Zweck es ist, weitere Generationen von Kulturschaffenden in den darstellenden Künsten zu fördern”, wird Steven Chilton Architects Gründer Steven Chilton in Medien zitiert.

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Seide wird in Guangzhou seit Jahrtausenden mit Mythen und Naturszenen kunstvoll bemalt und bestickt. Sie sind auf Wandteppichen und ornamentalen Gewändern zu sehen. Davon ließen sich die Architekten von SCA beim Entwurf des Sunac Guangzhou Grand Theatre inspirieren. Sie schaffen damit aber auch die Verknüpfung zur aktuell in der Stadt gepflogenen Tattoo-Art.

Mythische Vögel

Anders als im Erstentwurf, der zwar dieselbe Farbgebung zeigte, aber wo die Fassade „leer” war, zieren jetzt zahlreiche mythische Vögel die atemberaubende, flammend rote Fassade. Ausgehend von Illustrationen des 1950 geborenen Künstlers Zhang Hongfei hat SCA dessen Handzeichnungen digitalisiert und interpretiert.

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Dann wurden die einzelnen Figuren, Phönixe, Kraniche, Hühner und andere Vögel auf die Oberflächengeometrie über eine Reihe von Design-Studien auf dem „Körper” des Theaters an der jeweils „richtigen Stelle” positioniert.

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Auf die rote Verkleidung wurde eine Reihe dunklerer, von der Tattoo-Kunst inspirierter Muster gezeichnet. Über der Grundschicht wurden schließlich die Tiere aufgetragen. Während bedeutende Figuren wie etwa der Phönix dort angebracht sind, wo die Form eine herausragende Rolle spielt, sind die kleineren Figuren in den Zwischenräumen organisch und unauffälliger angeordnet.

Tattoo-Art habe das Interesse an der traditionellen chinesischen Kultur neu entfacht, so Chilton. Deren Symbole und Mythen finden sich auch häufig in der westlichen Populärkultur.

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Rote „Verkleidung”

Die „Körperlichkeit”, oder besser gesagt Flüchtigkeit, des Seidenstoffs prägt die Form des Gebäudes. Die äußere Hülle sieht wie ein dünner Stoff aus, der sich sanft dreht und Falten wirft, sodass natürliche Eingänge in das Gebäude entstehen. Jeder Eingang wird durch den durch den „Faltenwurf” entstandenen natürlichen Überhang geschützt, der sich gleichsam zur Öffnung zurückzieht.

Das Theater ist so in eine wellenförmige rote Verkleidung aus Tausenden dreieckigen, perforierten Aluminiumplatten gehüllt. Die Konstruktion soll an die Falten fließender Seide erinnern. Die Paneele sind auf einer Reihe von Stahlrohren aufgebracht. Diese sind mit einem Betonaufbau verbunden, der die Theaterböden trägt.

Versenkbare Bühne

Im Zentrum des Gebäudes befindet sich ein kreisrundes Auditorium, um das sich alle weiteren Räumlichkeiten, einschließlich Probenräume und Büros, gruppieren. Das Auditorium ist von 360 LED-Bildschirmen umgeben. Über der Bühne kommen bei Bedarf zwölf Hebevorrichtungen und drei Akrobatik-Schienen sowie Laufkatzen zum Einsatz.

In Guangzhou, China

Standort: Huadu, Guangzhou, China;
Auftraggeber: Sunac China Holdings Ltd.;
Kosten: Vertraulich;
Architekt: SCA |Steven Chilton Architekten;
Eröffnung: voraussichtlich 2021

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Die Bühne selbst steht über einem neun Meter tiefen Pool und kann darin angehoben oder abgesenkt werden, um auch Aqua-Aufführungen darzubieten. Es eignet sich somit sowohl für Dauer- als auch für Gastproduktionen, wahlweise mit spektakulären Wassereffekten.

Starke visuelle Identität

Die starke visuelle Identität soll den bisher wenig beachteten Stadtteil aufwerten und einheimische Besucher sowie Touristen anlocken. So wird Architektur selbst als visuelles Spektakel eingesetzt, um Massen anzuziehen.

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Zu den anderen augenscheinlich auffälligen Theatern von SCA gehören ein Theater, das ebenfalls für Guangzhou geplant ist und wie eine kunstvoll geschnitzte Elfenbein-Puzzle-Kugel aussehen soll.

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Ein weiteres Theater, das Wuxi Taihu Show Theatre, wurde bereits 2019 in der Nähe von Shanghai eröffnet. Es ist in eine Stahlkonstruktion gehüllt und sieht wie ein Bambuswald aus. Wuxi ist eine Stadt in der Nähe von Shanghai im Osten Chinas. Es wurde von Steven Chilton Architects als ständiger Aufführungsort für eine Wassershow des belgischen Theaterdirektors Franco Dragone entworfen. Er ist für spektakuläre Shows wie „Le Rêve” in Las Vegas und „The House of Dancing Water” in Macau berühmt.

Text: Linda Benkö Fotos: SCA, Chong-Art Fotografie, Kris Provoost

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