© Anna Rauchenberger

Werbung
04/30/2021

Analyse der Wirtschaftslage: „Wochen der Entscheidung“

Die Frage aller Fragen momentan: Was passiert, wenn die Wirtschaft wieder anläuft? Eine Analyse der aktuellen Wirtschaftslage von KSV1870 CEO Ricardo-José Vybiral.

Es herrscht Zuversicht in der Wirtschaft – und das nicht zu knapp. Laut dem Austrian Business Check bezeichnen drei Viertel der befragten Unternehmen die Stimmungslage im Hinblick auf die kommenden drei Jahre als positiv. Die aktuelle Geschäftslage klassifizieren zudem 45 % als sehr gut oder gut. 28 % geben ein Befriedigend – annehmbar, in Zeiten der wirtschaftlichen Megakrise. So positiv diese Ergebnisse auch sind, die Umsätze schmerzen: Fast 60 % berichten von rückläufigen Zahlen im Vorjahr. Side note: Wo kaum Umsätze, dort kaum offene Rechnungen, das sehen wir im Inkassobereich.

All diese Umfrageergebnisse sagen mir, dass die Unternehmen ihren Geschäftsbetrieb angepasst und kostenseitig teils harte Schnitte gesetzt haben. Bei den Lohnkosten, Marketingaufwendungen, Schulungen usw. wurde gekürzt. So kommt es, dass in der KSV1870 Wirtschaftsdatenbank 88 % der Betriebe ein gutes Rating und ein geringes Ausfallrisiko aufweisen. Anfang 2020 war der Wert nicht anders. Einzig bei den protokollierten bzw. veröffentlichungspflichtigen Unternehmen gibt es eine geringe Verschiebung in die 400er Klasse. Für den Einzelnen nicht optimal, volkswirtschaftlich betrachtet kein Drama.

Gründeresprit lebt weiter

Überraschend ist für mich, dass es der Pandemie zum Glück nicht gelungen ist, den Jungunternehmeresprit in Österreich abzutöten. Aus unserer Datenbank wissen wir, dass die Gründungsaktivität im Jahresverlauf des Vorjahres nicht zurückgegangen ist. Das ist eine gute Nachricht, wäre es doch auch möglich gewesen, dass sich die Gründungswilligen in diesen unsteten Zeiten in sichere Beschäftigungen flüchten. Mit den anhaltend hohen Gründungszahlen ist sichergestellt, dass das innovative Potenzial der Firmen nicht verloren geht. Zudem hat sich in den vergangenen Jahren in Österreich ein neuer Spirit verbreitet, nämlich, dass es großartig ist, Unternehmer zu sein.

Firmen halten durch

Nachdem jede Medaille zwei Seiten hat, gilt es nun auch auf die Kehrseite der Gründungen zu schauen - die Firmenschließungen. Auch hier wurde bisher nicht aufgegeben. Aus dem Austrian Business Check wissen wir, dass aktuell 80 % gänzlich ausschließen, ihr Unternehmen im laufenden Jahr zuzusperren. Die These, dass pandemiebedingt mehr Unternehmen als in einem normalen Jahr „den Hut draufhauen“, wird durch die Zahl der Schließungen laut Wirtschaftsdatenbank nicht bestätigt. Tatsächlich sind die Schließungen 2020 sogar rückläufig – um rund 19 %. Das sagt mir, dass es für einen Teil der Unternehmen, die eigentlich schließen würden, momentan lukrativer ist im Markt zu bleiben. Möglicherweise um die Liquiditätsspritzen des Staates noch „mitzunehmen“? Wenn dem so ist, dann ist dieses Geld verloren und geht am Zweck der Staatshilfen vorbei. Ein vergleichbares Phänomen zeigt sich auch bei den Insolvenzen, die, überspitzt ausgedrückt, momentan durch Abwesenheit glänzen.

Als CEO der KSV1870 Holding AG und Geschäftsführer des Kreditschutzverband von 1870 führt der Betriebswirt mit technischem Background seit 2016 Österreichs größten Gläubigerschutzverband mit über 28.000 freiwilligen Mitgliedern. Vor seinem Wechsel leitete Ricardo-José Vybiral eine der weltweit renommiertesten CRM & Digital-Agenturen, die Wunderman Gruppe Deutschland und Österreich, als Chief Executive Officer.

Öffnung: die Zeit drängt

Obwohl in den Medien immer wieder zu lesen war, dass die Hilfen nicht zügig genug ausbezahlt werden, Unternehmen nicht berücksichtigt würden oder überhaupt andere Maßnahmen besser wären, verraten uns die Zahlen, dass die Wirtschaft insgesamt bisher vor einem harten Aufprall bewahrt wurde. Allerdings befinden sich die Unternehmen in den besonders betroffenen Branchen im luftleeren Raum. Tut die Schwerkraft wieder ihre Wirkung, dann kommt es zumindest zu einer Bereinigung, deren Ausmaß schwer abzuschätzen ist. Vieles hängt aktuell von den nächsten Wochen ab: etwa von Öffnungen im Handel, der Gastro, dem Tourismus oder auch der Durchimpfungsrate. Laut Umfrage gehen in den nächsten drei Monaten mehr als einem Viertel der Befragten die liquiden Mittel aus oder sind bereits aufgebraucht. Es ist also höchste Eisenbahn, dass die Betriebe wieder arbeiten können, sonst werden viele den Aufschwung nicht finanzieren können. Die von der Regierung Mitte Mai angekündigten Öffnungsschritte kommen keinen Tag zu früh. Steht zu hoffen, dass die Infektionszahlen das Comeback zulassen.

Sind noch Reserven da?

Aber wie wird es werden, wenn alle Wirtschaftsbereiche wieder auf Hochtouren arbeiten? Eine nicht unwesentliche Frage wird sein, wie und wann die Nachfrage zurückkommt. Positive Vorzeichen sind die hohe Sparquote, nicht ausgegebene Urlaubs- und Weihnachtsgelder sowie unterbliebene Ratenkäufe aufgrund der Lockdowns. Eine weitere Kernfrage wird sein, ob es noch genug Liquidität in den Unternehmen gibt, um den Aufschwung finanzieren zu können – Stichwort Wareneinkauf. Zwar hat das Eigenkapital laut unserer Umfrage etwas gelitten, jedoch haben viele Betriebe in den Jahren davor dicke Pölster aufgebaut. Laut Wirtschaftsdatenbank ist das durchschnittliche Eigenkapital jener Firmen, deren Quote positiv war, zwischen 2015 und 2019 um 3,7 % auf 51,6 % angewachsen.

Comeback-Plan als Zukunftsinvestment

Entscheidend wird sein, wie lange der Staat an den Liquiditätsspritzen festhält. Vom WIFO war zuletzt zu hören, dass die Gelder noch in der ersten Phase des Neustarts ausbezahlt werden sollen, damit der Aufschwung nicht gleich wieder erstickt wird. Denn auch wenn es Ratenvereinbarungen für Stundungen geben soll – Zahlungen müssen geleistet werden. In dieser Hinsicht wäre es wünschenswert, schnell konstante und hohe Umsätze einzufahren. Und, es soll ja auch noch einen Comeback-Plan der österreichischen Bundesregierung geben. Optimalerweise einen, der den Namen verdient und eine Investition in die Zukunft darstellt. Es braucht schlichtweg einen großen Wurf. Der Fokus auf Beschäftigung, Digitalisierung und Ökologisierung ist gut, aber es müssen auch die alten Probleme wie Bürokratie und die hohe Abgabenquote angegangen werden.

KSV1870 im Dialog mit Cornelia Diesenreiter über Start-ups, Nachhaltigkeit und Mut zum Gründen
Wann: 11.5.2021, 14:00-15:00 Uhr

Im Dialog: 
Dipl.-Ing.in Cornelia Diesenreiter, MDes LLB. Oec, Gründerin & CEO Unverschwendet GmbH
Mag. Ricardo-José Vybiral, MBA, CEO KSV1870 Holding AG

Wie man als Unternehmen seiner sozialen, ökologischen und ökonomischen Verantwortung nachkommen kann, erfahren Sie im Dialog mit Ricardo-José Vybiral und Cornelia Diesenreiter. Seit sie sechs Jahre alt ist, will die 2019 zur „Österreicherin des Jahres“ gewählte Unternehmerin die Welt besser machen. Doch je mehr sie sich informiert, je tiefer sie gräbt, umso stärker werden die Zweifel. Was ist richtig, was ist falsch und – gibt es nachhaltig überhaupt?

Unter allen Teilnehmern verlosen wir 100 Exemplare ihres ersten Buches "Nachhaltig gibt's nicht". 

Zur Anmeldung

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.