Zweiter Terror-Prozess gegen IS-Mann Lorenz K. startet im April

PROZESS GEGEN VIER EX-BVT-SPITZENBEAMTE WEGEN AMTSMISSBRAUCHS
Lorenz K. wurde 2018 zu neun Jahren verurteilt. Er soll in Haft weitere Anschlagspläne verfolgt haben.

Der zweite Terror-Prozess gegen den im April 2018 zu neun Jahren Haft verurteilten IS-Terroristen Lorenz K. beginnt am 26. April und wird sich über drei Verhandlungstage erstrecken. Die Urteilsverkündung ist für den 15. Mai geplant.

Das teilte die Sprecherin des Wiener Landesgerichts, Christina Salzborn, am Montag auf APA-Anfrage mit. Verhandelt wird in Wien, nachdem der Oberste Gerichtshof (OGH) einem Delegierungsantrag von Verteidiger David Jodlbauer Folge gegeben hatte.

➤ Mehr lesen: Reue kam zu spät: 9 Jahre Haft für Lorenz K.

Eingebracht hatte die Anklage die Staatsanwaltschaft Graz. Dem mittlerweile 24-jährigen Lorenz K. und einem mitangeklagten Mithäftling - die beiden lernten einander in der Justizanstalt (JA) Graz-Karlau kennen - werden eine Fülle terroristischer Straftaten vorgeworfen: versuchte Bestimmung zum Mord, versuchte Bestimmung zur vorsätzlichen Gefährdung durch Sprengmittel sowie die Verbrechen der terroristischen Vereinigung und der kriminellen Organisation. 

Bei einer anklagekonformen Verurteilung müsste Lorenz K., dessen reguläres Strafende unter Anrechnung der U-Haft und nach einer weiteren Verurteilung wegen schwerer Sachbeschädigung im Strafvollzug der 20. Oktober 2026 wäre, mit zehn bis zu 20 Jahren oder gar lebenslanger Haft rechnen.

Lorenz K., der in geborgenen Familienverhältnissen aufwuchs, hatte sich fast noch als Kind mit dem Islam vertraut gemacht und sich dann als Jugendlicher dem radikal-islamistischen Gedankengut der Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) angenähert. 

17-Jähriger plante Bombenanschlag

Der IS hatte sich 2014 mit der Ausrufung des Kalifats und der Eroberung weiter Teile des Irak - darunter die Millionen-Stadt Mossul - und Syriens im Konflikt mit der al-Qaida durchgesetzt und die jihadistische Szene weltweit dominiert. Wesentlich mit zum Aufstieg der Terror-Gruppe trugen staatsähnliche Strukturen, eine globale Strategie und vor allem ein professioneller Propaganda-Apparat bei, der seine Wirkung auf junge Gefolgsleute in Europa nicht verfehlte.

Einer von ihnen war Lorenz K. Nach den dem IS zugeschriebenen Terror-Anschlägen in Paris vom Oktober 2015 und in Brüssel vom März 2016 plante der damals 17-Jährige einen Bombenanschlag auf den deutschen US-Truppenstützpunkt Ramstein

Zudem wollte er einen damals Zwölfjährigen Ende November 2016 mit einem selbst gebauten Sprengsatz zu einem Selbstmordanschlag auf einen Weihnachtsmarkt im deutschen Ludwigshafen anstiften. Zur Erinnerung: Bei dem Anschlag eines IS-Terroristen auf einen Weihnachtsmarkt bei der Gedächtniskirche in Berlin starben wenige Wochen später - am 19. Dezember 2016 - 13 Menschen.

Lorenz K. konnte vor der Umsetzung seiner Terror-Pläne rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen werden. Obwohl er für sein Treiben zu neunjähriger Haft verurteilt wurde, legte er seine dem IS verhaftete Gesinnung offenkundig nicht ab. Der nunmehrigen Anklage zufolge - die Staatsanwaltschaft Graz hatte seit Sommer 2020 gegen den seit Anfang 2017 inhaftierten Mann ermittelt - soll er seine erneuten terroristischen Aktivitäten ab November 2019 zunächst in der JA Stein und nach seiner Verlegung nach Graz ab Jänner 2020 in der JA Karlau betrieben haben.

Mobiltelefone illegal beschafft

Der 24-Jährige bestreitet zwar, in seinen Hafträumen mithilfe illegal beschaffter Mobiltelefone Terror-Pläne gewälzt zu haben. Die Anklagebehörde glaubt allerdings beweisen zu können, dass sich Lorenz K. nicht nur via Instagram als IS-Propagandist betätigte - mehrere Dutzend Anhänger hatten ihn abonniert. 

Er soll darüber hinaus versucht haben, einen User, der sich Manfred U. nannte, zu einem Selbstmordattentat mittels eines Sprengsatzes an einem nicht näher bestimmten Ort in Österreich oder Deutschland anzustiften. Und er bildete in der JA Karlau, wo er als Hausarbeiter beschäftigt wurde, laut dem zentralen Punkt der Anklage gemeinsam mit zwei anderen Hausarbeitern eine Art "Terror-Zelle".

Zum einen lernte er den mehrfach vorbestraften Nino K. kennen, der eine langjährige Freiheitsstrafe wegen versuchten Raubmordes verbüßt und der sich als Anhänger des IS erwies. Lorenz K. übermittelte dem 33-Jährigen per WhatsApp ein Propagandavideo des IS, in dem erläutert wird, dass man keine Waffen benötige, um "verheerenden Schaden bei den 'Kuffar' (Ungläubigen, Anm.) anzurichten. 

Zum anderen stieß Lorenz K. auf Abdelkarim Abu H., den das Landesgericht Krems wegen versuchter Bestimmung zu Mordanschlägen und Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung - nämlich der Hamas - zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt hatte. Lorenz K. soll dem "Lebenslangen" eine Anleitung zum Bombenbasteln übermittelt haben. Anfang August 2020 wurden bei einer Durchsuchung der Zelle von Abdelkarim Abu H. Elektronikteile sowie vier Patronenhülsen aus einer Langwaffe gefunden, mit denen dieser vermutlich eine Sprengvorrichtung bauen wollte.

Losgelöst davon lud sich Lorenz K. Ende Juli 2020 in seiner Zelle ein vom IS produziertes Video auf sein Handy, auf dem unter anderem zu sehen ist, wie eine Geisel des IS getötet, eine Bombe gebastelt und ein Sprengsatz gezündet wird. Diese Datei übermittelte er einer unbekannten Person, die bisher nicht ausgeforscht werden konnte. Ungeachtet dessen qualifiziert die Staatsanwaltschaft auch das als versuchte Bestimmung zum Mord.

Die Verhandlung gegen Lorenz K. wurde nicht zuletzt deshalb nach Wien verlegt, weil dieser mittlerweile in der JA Sonnberg im westlichen Weinviertel untergebracht ist. Dort soll er sich wohl verhalten und - jedenfalls den Schilderungen von Verteidiger Jodlbauer zufolge - keine radikalislamistischen Auffälligkeiten mehr entfalten. 

Da die JA Sonnberg wesentlich näher bei Wien als bei Graz liegt, Lorenz K. bis zu seiner Festnahme seinen Lebensmittelpunkt in der der Bundeshauptstadt hatte und etliche Verfahrensbeteiligte in Wien leben, wird aus Kosten - und prozessökonomischen Gründen im Grauen Haus verhandelt. Der Prozess wird unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und unter Beiziehung der Justizwache Einsatzgruppe (JEG), Spezialkräften der Polizei und des Verfassungsschutzes über die Bühne gehen.

Kommentare