Chronik | Wien
17.11.2018

Zu westlicher Lebensstil: Brüder sollen Schwester entführt haben

Anklage: Frau tauchte in Saalfelden unter falschem Namen unter - und wurde dennoch gefunden.

Ihre Bekanntschaft mit einem Österreicher war der Familie ein Dorn im Auge: Eine junge Tschetschenin, die mit ihrer Mutter und zwei Brüdern in Wien wohnte, wollte ein selbstbestimmtes Leben führen. Dafür gab sie alles auf. Doch die Familie dürfte das nicht akzeptiert haben – die Brüder (19 und 22 Jahre alt, Verteidiger Nikolaus Rast) sollen ihrer Schwester aufgelauert und sie entführt haben.

Die Vorstellungen der Familie waren traditionell. Männliche Begleiter und Freunde waren der jungen Tschetschenin nicht erlaubt. Eine Heirat war nur mit einem Landsmann möglich. Als die Mutter bemerkte, dass ihre Tochter Umgang mit einem Österreicher pflegte, forderte sie deren Handy. Als sich die junge Frau weigerte, sollen sie die eigenen Brüder verprügelt haben.

Namen geändert

Der Vorfall hinterließ (auch seelische) Narben. Die junge Frau entschloss sich, die Familie zu verlassen und ein eigenständiges Leben zu führen. Sie kündigte ihren Job, verließ die Wohnung und schrieb ihren Verwandten, sie sei „vergewaltigt worden und will so nicht mehr weitermachen“. Sie flüchtete nach Saalfelden in Salzburg, legte sich einen neuen Namen und eine neue Sozialversicherungsnummer zu.

Doch Ende August forschten die Brüder ihren Aufenthaltsort auf. Sie sollen der Schwester aufgelauert haben. Die junge Frau lief davon, schrie um Hilfe, klammerte sich an einem Holzzaun fest – doch die jungen Männer sollen sie in ein Auto gezerrt und in die gemeinsame Wohnung nach Wien gebracht haben. Dort soll die junge Frau neuneinhalb Stunden eingesperrt gewesen sein, ehe sie die Polizei befreite. Die Brüder befinden sich in Untersuchungshaft. Zwei mutmaßliche Helfer wurden angezeigt.