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Chronik Wien
03/10/2021

Zollergasse neu: Große Bäume, begrünte Pergolen und ein Bachlauf

Bis Ende Juni wird zwischen Mariahilfer Straße und Lindengasse eine "klimafitte" Straße errichtet.

von Andreas Puschautz

Nach dem Praterstern und dem Neuen Markt präsentierte Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) am Mittwoch gemeinsam mit dem Neubauer Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne) die nächsten Umgestaltungspläne - diesmal für die Zollergasse.

Verkehrsberuhigt, begrünt und gekühlt soll sich die Gasse ab Ende Juni präsentieren. Simas und Reiters gemeinsames Ziel ist ein "attraktiver Aufenthaltsort mit Schatten, Schanigärten und konsumfreien Räumen rechtzeitig zu Sommerbeginn", wie es in einer gemeinsamen Aussendung heißt.

Umgestaltet wird von der Mariahilfer Straße bis zur Lindengasse. Die Wasserrohre in dem Bereich wurden in den letzten Wochen bereits getauscht, die Baustelle zur Begrünung der Gasse schließt nun nahtlos an.

Klimawandelanpassung im Fokus

Bei der Gestaltung der Straße spielen Klimawandelanpassungsmaßnahmen die zentrale Rolle: Der Boden wird im Bereich der Baumscheiben zu 100 Prozent entsiegelt, das Wasser kann dadurch in die Erde abrinnen. Zur Verbesserung des Mikroklimas werden im Boden drei Quelldüsen und drei Nebeldüsen installiert, die im Bereich der FußgängerInnenzone einen kleinen Bachlauf erzeugen und kühlen.
 
Acht Platanen, sogenannte XL-Bäume, die schon 25 Jahre alt sind, 10 Meter hoch und eine Baumkrone von 4 Metern haben, sollen von Tag eins an für Schatten sorgen. Dazu gibt es zwei berankte, etwa drei Meter hohe Pergolen. Grünflächen mit blühenden Staudenmischungen sollen die neugestaltete Straße weiter aufwerten.
 
Namensgebend für die Zollergasse ist übrigens der Tuchhändler Michael von Zollern (1665-1756). Passend dazu werden die quadratischen Granitpflastersteine - inspiriert von Stoffmustern - angeordnet, die gepflasterte Fläche soll am Ende an einen Teppich erinnern

"Wir schaffen eine weitere klimafitte Straße mit neuen, großen Bäumen im dichtverbauten Stadtgebiet und einem kleinen 'Bach' mit Sprühnebeln mitten in der Zollergasse zur Abkühlung", freut sich Planungsstadträtin Sima. Für Bezirksvorsteher Reiter ist das Projekt "ein weiteres Vorzeigeprojekt im Rahmen des Klimawandelanpassungsprogrammes "Kühle Zone Neubau", welches gemeinsam mit der Wiener Stadtregierung realisiert werden kann. Mit der erstmaligen Realisierung von großen Platanen in der Straßenmitte gehen wir als Bezirk Neubau einmal mehr voran und leisten Pionierarbeit weit über die Bezirksgrenzen hinaus."

Sitzgelegenheiten

Bis zu 20 konsumfreie Sitzgelegenheiten wie Sitzhocker, Pendelsitze in den Pergolen, Sessel und Sitzbänke mit Arm- und Rückenlehnen sollen zum Verweilen einladen. Ein Trinkbrunnen stellt frisches Quellwasser bereit. Das taktile Leitsystem soll blinde und sehschwache Menschen sicher durch den Straßenraum führen. Die konsumfreien Flächen können auch für temporäre Kunst und Kultur im öffentlichen Raum genutzt werden. Für Fahrräder stehen künftig in diesem Abschnitt der Zollergasse 20 Radbügel zur Verfügung.
 
In der Straßenmitte kommt das Schwammstadtprinzip zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein innovatives System zur Verbesserung des Lebensraums der Bäume sowie des Regenwasser-Managements. Bäume bekommen durch dieses System mehr Luft und Wasser, ihre Lebensdauer wird erhöht. Durch die sukzessive Verdunstung kommt es zu einer permanenten Verbesserung des Mikroklimas.
 
Zudem wird die Kanalisation bei Starkregen-Ereignissen entlastet. Dafür sorgt eine Schicht aus grobkörnigem Schotter sowie wasserspeichernden Materialien wie Aktivkohle, die im Straßenraum eingebracht wird. Die Bäume stehen in ihren Baumscheiben, haben aber direkten Kontakt zu den Schotter-Schichten und können diese durchwurzeln.

Wasserkreislauf

Für ein besseres Mikroklima soll auch das Wasserspiel sorgen, das im Bereich der FußgängerInnenzone durch das natürliche Gefälle einen bachartigen Wasserfilm ausbildet. Das Wasser wird über Bodendüsen als Nebel und Sprudler sichtbar und kühlt durch Verdunstungsprozesse die Umgebungstemperatur ab. Überschüssiges Wasser wird zu den Staudenbeeten und Bäumen abgeleitet und kann von den Pflanzen wieder aufgenommen werden.
 
Die Entwässerung kann von Sommer- auf Winterbetrieb umgestellt werden, damit durch Streusalz verunreinigtes Wasser direkt in die Kanalisation abgeleitet wird und nicht in den Wurzelbereich der Bäume eindringt.

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