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Chronik Wien
02/09/2021

XL-Baumverpflanzung: Wurzelbehandlung bei einer 80-Jährigen

Die Platane vor dem Café Eiles muss dem U-Bahn-Bau weichen. Die Vorarbeiten für den Umzug sind in vollem Gange.

von Andreas Puschautz

Wenn alles gut geht, steht Wiens momentan berühmtester Baum in einer Woche bereits an seinem neuen Bestimmungsort: vor dem Justizpalast am Schmerlingplatz. Wie berichtet, muss die 80-jährige Platane vor dem Café Eiles in der Josefstadt dem Bau des Linienkreuzes für die neue U2/U5 weichen.

Erst hätte sie umgeschnitten werden sollen, doch wegen des Einsatzes des renommierten Wiener Baumchirurgen Manfred Saller und des Eingreifens von Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) wird sie nun gerettet und verpflanzt

Bis es so weit ist, sind aber noch einige Hürden zu überwinden – darunter auch solche, an die man im ersten Moment gar nicht unbedingt denken würde.

So ist während des KURIER-Besuchs Dienstagnachmittag gerade der Entminungsdienst zugange, um eventuelle Blindgänger ausfindig zu machen. Schließlich muss der Boden rund eineinhalb Meter tief abgegraben werden, um den mächtigen Baum mitsamt seines Wurzelballens anheben und transportieren zu können.

Eile vor dem Eiles

Saller schafft es, angesichts der hochkomplexen Aufgabe gleichzeitig aufgeregt und entspannt zu wirken. „Wenn etwas schiefgeht – an mir liegt es nicht“, sagt er – und lächelt. Doch selbst kleine Verzögerungen können sich schnell zur Katastrophe auswirken, denn der Zeitplan ist eng. Nächsten Montag enden die 14 Tage Aufschub, die die Baufirma für die Rettungsaktion freigeräumt hat. Das heißt: In der Nacht von Montag auf Dienstag muss der außergewöhnliche Transport über die Zweierlinie zuckeln.

Außergewöhnlich auch, weil selbst der erfahrene Fachmann Saller noch nie einen Baum dieser Größe stehend über eine solche Entfernung umgesiedelt hat. „So einen großen Baum werden wir wohl nicht mehr verpflanzen“, erzählt er, „das muss ich nach 36 Jahren in diesem Beruf einmal gemacht haben“.

Schwergewicht

Damit alles klappt, laufen die Vorbereitungen seit vergangener Woche. Der Schnitt ist bereits abgeschlossen, die Platane misst nun 18 und nicht mehr 22 Meter. Am Dienstag wurde mit dem Abgraben des Erdreichs und dem Einfassen des Wurzelballens begonnen, um dann das eigens angefertigte Eisengerüst anbringen zu können (siehe großes Bild oben). Am Nachmittag kam aber die Hiobsbotschaft des Kranführers: Der Baum ist noch immer zu schwer. 40 Tonnen sind das Maximum.

Am Mittwoch muss Sallers Team daher den bereits mit Stroh geschützten Wurzelballen noch einmal freilegen und mit Druckluft weiteres Erdreich „wegspülen“. Ein weiteres Zusammenschneiden der Wurzeln würde den Baum gefährden.

Hält der Zeitplan trotzdem? Saller bleibt entspannt. „Dann müssen morgen eben vier Leute mehr auf die Baustelle“, sagt er. „Hauptsache, der Baum überlebt.“

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