© Kuratorium Wald

Chronik Wien
01/25/2021

Die Übersiedlung der alten Dame: 80-jährige Platane zieht in den 1. Bezirk

Der Baum hätte ursprünglich wegen des U-Bahn-Baus gefällt werden sollen, jetzt wird er dank einer privaten Initiative umgesiedelt.

von Andreas Puschautz

Gute Nachrichten gab es gleich zu Wochenbeginn für die 80-jährige Platane vor dem Café Eiles an der Ecke Josefstädter Straße/ Auerspergstraße in der Josefstadt: Wie Baumchirurg Manfred Saller und die Wiener Linien dem KURIER bestätigten, muss der alte Baum nun doch nicht wegen des U-Bahn-Baus gefällt werden. Stattdessen findet die Platane am Schmerlingplatz ein neues Zuhause.

Saller führt die baumchirurgischen Maßnahmen im Gegenwert von rund 250.000 Euro mit seiner Firma unentgeltlich durch, die Wiener Linien sorgen für den Transport. „Man muss im Leben etwas zurückgeben, dafür zahlen wir dann weniger Steuern“, begründet der Fachmann augenzwinkernd sein Engagement. „Und es liegt mir am Herzen, Bäume zu retten, sonst hätte ich ja diesen Beruf nicht ergriffen.“

Außerdem sei „die große alte Dame“ außergewöhnlich, denn im Schnitt werden Bäume im städtischen Bereich nur 60 bis 65 Jahre alt. Der Experte widerspricht auch Spekulationen in sozialen Medien, wonach die Platane in Wahrheit weit jünger als 80 Jahre sein soll. Der Baum weise einen Stammumfang von 237 Zentimetern auf, lege in hohem Alter jedoch nur mehr maximal einen Millimeter pro Jahr an Dicke zu – „das kann also nicht sein“, betont Saller.

Hanke zog die Fäden

Neben Saller selbst und den Naturschützern des „Kuratoriums Wald“ habe sich auch der für die Wiener Linien zuständige Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) sehr für die Rettung der Platane eingesetzt. Der Grund für Hankes Engagement: Der Bau des U2/U5-Linienkreuzes macht die Aktion überhaupt erst nötig, denn der Baum muss einem neuen Zugang zur Station Rathaus weichen.

"Ich kämpfe für jeden Baum, weiß aber, dass die Rettung eine technisch schwierige Aufgabe ist. In Zeiten des Klimawandels muss die Politik jedoch alles tun, um bestehende Natur zu erhalten und mehr Grün in die Stadt zu bringen", so Hanke. So gesehen stehe die Platane "symbolisch für die ökologische Haltung der Wiener Stadtregierung" und zeige, dass es Rot-Pink "in erster Linie immer um die Lebensqualität in dieser Stadt" gehe.

Wegen des straffen Zeitplans der Bauarbeiten drängt nun die Zeit: Wie der KURIER berichtete, steht nur ein zweiwöchiges Zeitfenster für die Übersiedlung offen. Die Vorarbeiten sind bereits angelaufen, am Dienstag wird mit dem Schnitt begonnen. Dieser ist notwendig, weil der Transport auf der Zweierlinie ein Gesamtgewicht von 60 Tonnen nicht überschreiten darf. Sallers Team muss also sowohl die Krone als auch den Wurzelballen verkleinern.

Schweres Gerät

Anschließend werden die Wurzeln der Platane in einer Tiefe von 1,20 bis 1,50 Meter mit einer Diamantsäge abgeschnitten, bevor der Baum mit einem 130-Tonnen-Kran auf einen Tieflader befördert und an seinen neuen Bestimmungsort gebracht wird.

Das schwere Gerät ist der Beitrag der Wiener Linien, die sich zuvor nach einer europaweiten Ausschreibung wegen hoher Kosten in Kombination mit hohem Risiko „im Sinne des Einsatzes von Steuergeldern“ gegen eine Übersiedlung auf eigene Rechnung entschieden hatten.

„Da sind wir jetzt extrem gefordert“, ist auch Fachmann Saller die Komplexität des Unterfangens bewusst. Grundsätzlich ist er aber durchaus zuversichtlich, dass die komplexe Aktion gelingen wird, sonst hätte er sich gar nicht erst angeboten: „Wenn das schief geht, muss ich auswandern.“

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