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Interaktiv
01/11/2021

Wie das Großprojekt U2/U5-Ausbau getaktet ist

Im Wiener Untergrund wird es ernst: Beim Rathaus startet nach langen Vorarbeiten der Bau der U5 samt Anschluss an die U2.

von Stefanie Rachbauer

Am Anfang war die Station. Dann der Tunnel. Nach diesem Prinzip läuft die Schöpfung einer U-Bahn-Linie ab. Und genau das findet ab heute, Montag, beim Wiener Rathaus statt: Dort startet der Bau der neuen Linie U5 (die ab 2026 vom Karlsplatz zum Frankhplatz fährt) und für ihre Verknüpfung mit der verlängerten U2 (die ab 2028 Seestadt und Matzleinsdorfer Platz verbindet) (siehe Grafik).

Es ist ein Meilenstein in dem 2,1 Milliarden Euro teuren Großprojekt, das 2014 präsentiert wurde. Noch im selben Jahr starteten die Probebohrungen, seither wird emsig gearbeitet: War zuletzt eine Straße aufgerissen, so lautete die Erklärung oft: „Vorarbeiten für eine neue Station“ (etwa am Matzleinsdorfer Platz) oder „Vorbereitungen für das neue Linienkreuz“ (wie in der Kirchengasse). Doch das war nur die Vorhut.

Wie wird das dann heuer, wenn nun die Arbeiten so richtig beginnen und ins Zentrum Wiens rücken? Das ist für den Laien kaum fassbar. Wohl auch deshalb, weil vielen die Vorstellung dafür fehlt, wie man eine neue U-Bahn in eine dicht bebaute Stadt hineinbekommt. Der KURIER beantwortet diese und weitere wichtige Fragen zum Projekt.

Was genau wird beim Rathaus gebaut?

Zunächst wird eine Umleitung für den Verkehr eingerichtet. Dann beginnen die Wiener Linien, rund um den Frankhplatz und in der Landesgerichtsstraße bis zu 25 Meter tief in den Untergrund zu graben.

Und zwar, um dort zwei Dinge zu tun: Erstens bauen sie die neue Station Frankhplatz, die vorläufige Endstation der U5. Zweitens errichten sie unter der bestehenden U2-Station Rathaus die neue U2-Station Rathaus.

Das hat den Hintergrund, dass die U2 einen neuen Tunnel bekommt und ihre bestehende Trasse samt Stationen zwischen Karlsplatz und Rathaus an die U5 abtritt. Damit die vollautomatische türkise Linie dort halten kann, müssen etwa die Bahnsteigkanten mit Türen versehen werden. Das passiert ab Ende Mai. Die U2 ist dann für 23 Monate ab der Station Schottentor gesperrt.

Zuerst geht man also die Stationen an. Wann kommen die neuen Tunnel?

Die Tunnel werden erst gebaut, wenn die Stationen im Rohbau fertig sind. So ist gewährleistet, dass sich die Röhre – salopp formuliert – an der richtigen Stelle befindet und man nicht an der Station vorbei gräbt.

Die U5 betrifft das nicht, denn für sie muss keine neue Röhre gebaut werden: Sie gelangt vom Rathaus auf der bereits existierenden U2-Trasse unter der Landesgerichts- und der Universitätsstraße so gut wie direkt zum Frankhplatz.

Für die Verlängerung der U2 aber wird zwischen Schottentor und Matzleinsdorfer Platz ein neuer Tunnel gegraben. Beim Matzleinsdorfer Platz haben die Vorarbeiten dafür (und auch für jene an der Station) im Jahr 2018 begonnen, im Mai legt man auch beim Schottentor los. Die Stationen dazwischen (Neubau- und Pilgramgasse) werden im 1. Quartal 2021 in Angriff genommen.

Wie gräbt man eigentlich einen U-Bahn-Tunnel?

Mit einer Tunnelbohrmaschine – oder mit Baggern. Oder, wie bei der U2, mit beidem. Am Matzleinsdorfer Platz wird derzeit ein Schacht gegraben, über den voraussichtlich 2023 eine Bohrmaschine hinuntergelassen wird.

Ihr Bohrkopf löst den Untergrund, der Aushub gelangt nach hinten auf ein Förderband, von dort zum Schacht und weiter an die Oberfläche. Die entstehende Röhre wird mit Stahlbeton ausgekleidet. Auf diese Weise frisst sich die Maschine bis zum Augustinplatz im 7. Bezirk.

Weil der Untergrund ab dort anders zusammengesetzt ist, geht es mit Baggern weiter. Fast all das passiert unter Tage: „Wir arbeiten mit der Knopflochmethode, die auch in der Medizin angewendet wird. Der Großteil der Arbeiten findet unterirdisch statt“, sagt Günter Steinbauer, Geschäftsführer der Wiener Linien.

Die U5 soll 2026 in Betrieb gehen, die U2 erst 2028. Wie funktioniert die Übergangszeit?

Die U2 fährt nach der Sperre, ab Sommer 2023, wieder auf ihrer angestammten Strecke. Die Stationen sind dann bereits für die U5 adaptiert – es gibt also an den Bahnsteigen schon Türen.

Ab dem Jahr 2026 teilt sich die U2 ihre Stammtrasse mit der U5. Das heißt: Vom Karlsplatz fährt in dieser Zeit sowohl die U2 Richtung Seestadt als auch die U5 zum Frankhplatz (und umgekehrt). Ab 2028 hat die U2 dann ihre eigene, neue Röhre.

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