1,5 Hektar ist der Acker am Toni-Fritsch-Weg in Floridsdorf groß. Zum zweiten Mal wird er heuer von den Ackerhelden wie
Jan Pech bewirtschaftet. Die Ackerhelden – das ist ein Projekt aus Deutschland, bei dem seit 2012 Ackerflächen an Stadtgartler (und solche, die es noch werden wollen) vermietet werden.
2017 hat sich Martin Rohla – Investor („2 Minuten 2 Millionen“), Gründer der Stadtflucht Bergmühle und Erfinder der Wiener Lokale Habibi & Hawara – an den
Ackerhelden beteiligt.
Zwei Jahre später hat der österreichische Ableger des Projekts die Fläche in Floridsdorf von der Stadt
Wien gepachtet. Heuer kommt erstmals eine Feld direkt vor dem Schloss Neugebäude in Simmering dazu.
Denn der Bedarf in der Stadt wächst: Im Vorjahr wurde der Acker in Floridsdorf in 45 Parzellen unterteilt, heuer braucht es schon 70. Bio-Bauer
Fritz Riepl aus Ulrichskirchen (NÖ) bereitet den Acker für die Stadtgartler vor. Nun muss er den Zaun verschieben und das Feld vergrößern.
Der Acker wird in etwa 40 Quadratmeter große Parzellen eingeteilt. Die kann man zu zweit oder zu dritt (oder zusammen mit Freunden und Familie bewirtschaften, denn 40 Quadratmeter Garten bedeuten tatsächlich viel Arbeit. Die Saison läuft von Mai bis Ende November.
Zwei Drittel der Parzelle werden von den Ackerhelden mit ungefähr 20 bio-zertifizierten Gemüsesorten bepflanzt, darunter: Zwiebel, Gelbe Rüben, Rote Rüben, Kohlrabi, Karotten, Mangold, Zucchini, Kürbis. Ein Drittel der Fläche können die Mieter nach eigenem Gutdünken anlegen. Kräuter gibt’s für alle gemeinsam in einem eigenen Hochbeet.
Was die Ackerhelden von allen anderen Stadtgartel-Initiativen in Wien (siehe Infobox) unterscheidet? „Bei uns muss man nicht garteln können“, sagt Jan Pech.
Die Ackerhelden helfen ihren Schützlingen, sie servicieren sie geradezu. Bevor die Gartenarbeit beginnt, bekommen die Neo-Gärtner einen Einführungsworkshop.
Da erfahren sie, was alles angebaut wird, dass es Geräte, Wasser und Gießkannen auf dem Feld zum Ausborgen gibt und dass zu viel Wasser zu einem größeren Problem werden kann, als wenig Wasser.
Alle paar Wochen gibt es einen eMail-Newsletter mit Infos und Tipps. Etwa: „Ihr müsst jetzt auf euren Kohl achten, weil die Kohlfliege schon ihr Unwesen treibt.“ (Die Kohlfliege ist der größte Feind des Kohlgemüses, Anm).
Außerdem werden Rezeptvorschläge verschickt – weil die Ernte ja auch irgendwann verarbeitet werden muss.
Wer jetzt glaubt, dass die Gärten vor allem von jungen Stadt-Hipstern gemietet werden, irrt. „Derzeit sind es vor allem Menschen im Alter von 45 bis 60 und Familien“, erzählt Jan Pech.
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