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Chronik Wien
03/16/2021

Wiens neue U-Bahn: "Ein Jahr früher oder später ist nicht so wichtig"

Günter Steinbauer, der Chef der Wiener Linien, über die Verzögerungen und Mehrkosten beim Ausbau der Linie U2/U5

von Josef Gebhard

Günter Steinbauer, Geschäftsführer der Wiener Linien, über geplante Projekte und die Zukunft der Nacht-U-Bahn.

KURIER: Wir leben in ungewöhnlichen Zeiten: Es war zuletzt viel über den U-Bahn-Bau die Rede. Aber nicht über jenen in Wien, sondern in Graz. Was halten Sie von den dortigen Plänen?

Günter Steinbauer: Ich muss ein Geständnis machen: Ich war in meinem Leben einen einzigen Tag in Graz. Ich kenne die Verhältnisse so wenig, ich möchte keine Ferndiagnose stellen. Das Positive an der Diskussion ist, dass damit eine Bewusstseinsbildung für den Nahverkehr einhergeht.

Kommen wir zum U2/U5-Ausbau in Wien: Ab Mai ist die U2 zwischen Karlsplatz und Schottentor gesperrt. Was kommt auf die Fahrgäste zu?

Es wird am Ring eine zusätzliche Straßenbahn-Linie geben – vom Schottenring zum Karlsplatz. Wir werden das Fahrgastaufkommen gut abdecken können, weil die bestehenden Ringlinien auch noch Ressourcen haben.

Gerade am Ring ist sehr viel los – vom Verkehrsaufkommen bis zu den vielen Demos. Kann das gut gehen?

Wir sind mit den Einsatzstäben der Polizei im intensiven Austausch, damit wir bis Mai eine Lösung haben.

Das Projekt ist auch deshalb in Diskussion, weil es seit 2014 zu einer Steigerung der Kosten von 1,1 auf 2,1 Milliarden Euro kam. Auch der Eröffnungstermin wurde mehrfach verschoben. Können Sie garantieren, dass es zu keinen weiteren Verzögerungen und Kostensteigerungen kommt?

Hier zeigt sich das Problem der Baukosten von langjährigen Projekten: Die alte Zahl war der Preis zum Stichtag 2013. Da fehlen die mögliche Bandbreite und die Inflation. Die 2,1 Milliarden sind hingegen die Endausgaben, wenn wir 2028 abrechnen.

Warum stellt man dann die Kosten nicht von Anfang an anders dar?

Wir haben in den vergangenen Jahren bereits keinen Preis mehr genannt, sondern auf die aktuellen Stichtagspreise gewartet. Wir haben eine Ausschreibung wiederholt, was Zeit gekostet hat, sich aber in Summe auszahlen wird. Wir gehen dadurch von geringeren Kosten von circa 200 Millionen Euro aus. Eine U-Bahn fährt hundert Jahre oder mehr. Ob sie ein Jahr früher oder später fertig ist, ist nicht so wichtig.

Tendenziell sind die Außenbezirke, die bevölkerungsmäßig sehr stark wachsen, beim Öffi-Angebot etwas unterversorgter als die Innenstadt. Welche Maßnahmen sind hier geplant?

Diesen Befund teile ich nicht. Man muss berücksichtigen, dass die Bebauungsdichte am Stadtrand nicht so hoch ist wie im Zentrum. Es ist nicht so, dass hier ein großer Notstand herrscht. Aber wir haben auch hier Projekte – allen voran Straßenbahnlinien, für die derzeit die Trassierung festgelegt wird.

Zuletzt sorgte die Ausdehnung der Intervalle an den Tagesrandzeiten an den Wochenenden für Diskussionen. Die Wiener Linien haben das damit begründet, dass sich das Verhalten der Fahrgäste verändert hat. Warum soll das passiert sein?

Wir kennen die Auslastung unserer Züge sehr gut. Generell ist es sehr wohl so, dass sich die Lebensgewohnheiten der Menschen sehr stark verändert haben. Nehmen Sie als Beispiel die Mariahilfer Straße her: Vor 15, 20 Jahren war dort noch jedes Geschäft schon um 8 Uhr offen, heute keines vor 9 oder 9.30 Uhr.

Wegen der Pandemie wurde der Betrieb der Nacht-U-Bahn eingestellt. Kommt sie danach wieder?

Das werden wir mit der Stadt Wien diskutieren müssen, ob man sich dieses Angebot auch leisten will. Aus unserer Sicht ist es durchaus möglich, sie wieder fahren zu lassen, wenn die Nachtgastronomie aufsperrt. Dass die Nacht-U-Bahn jetzt nicht eine Cashcow war, ist auch bekannt. Ich persönlich würde jedoch die Wiederaufnahme für vernünftig halten.

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