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Chronik Wien
02/18/2021

40 Prozent weniger Fahrgäste in den Wiener Öffis

Finanzstadtrat Hanke musste Wiener Linien im Jahr 2020 rund 75 Millionen Euro extra zuschießen.

von Andreas Puschautz

Es war bestimmt nicht die erfreulichste Jahresbilanz, die Günter Steinbauer in seiner 16-jährigen Amtszeit als Geschäftsführer der Wiener Linien zu verkünden hatte.

Gemeinsam mit Finanz- und Öffi-Stadtrat Peter Hanke (SPÖ) präsentierte Steinbauer am Donnerstag die auf den ersten Blick unerfreulichen Zahlen: Um satte 40 Prozent, von 961 Millionen im Jahr 2019 auf 574 Millionen im Jahr 2020, sind die Fahrgäste eingebrochen. Bei Einzelfahrscheinen und kürzeren Zeitkarten (bis 72 Stunden) beträgt das Minus sogar 68 Prozent.

Das Positive ist, dass die Anzahl der Jahreskartenbesitzer trotz diverser Halb- und Ganz-Lockdowns nur leicht gesunken ist: Von 852.000 auf 819.000 (minus 3,9 Prozent). „Ein schönes Zeichen“, so Hanke, das einerseits für die Qualität der Wiener Linien und andererseits für das „richtige Bewusstsein zum Thema öffentlicher Verkehr“ in Wien spreche. Immerhin hätte etwa London ein Minus von 95 Prozent und Berlin ein Minus von 75 Prozent zu verzeichnen gehabt.

 

Trotzdem: Unter dem Strich bleiben Einbußen von rund 110 Millionen Euro. 75 Millionen davon kamen als Betriebskostenzuschuss von Hanke, die übrigen 35 Millionen wurden durch diverse Maßnahmen wie die Einstellung der Nacht-U-Bahn, Effizienzsteigerungen oder die Verschiebung von kleineren Projekten eingespart.

Jahreskarte bleibt

Dass es künftig „da und dort“ zu Preiserhöhungen kommen könne, konnte Hanke „nicht sakrosankt ausschließen“. Die 365-Euro-Jahreskarte soll aber nicht angetastet werden und auch eine weitere Ausdünnung der Fahrpläne sei keine Option.

Zusätzlich kündigte Steinbauer eine Angebots-, Infrastruktur-, Finanzierungs-, Vernetzungs- und Gestaltungsoffensive zur Zurückgewinnung der verlorenen Fahrgäste an. Allem voran befinde sich das U2/U5-Linienkreuz „endlich im intensiven Bau“. Und mit einem Seitenblick auf Hanke: „Peter, du siehst jetzt also direkt, was mit deinem Geld geschieht.“

Zusätzlich läuft die Sanierung der U4 weiter, im Sommer werden etwa Tunneldecke und Straßenoberfläche am Franz-Josefs-Kai erneuert – ohne weitere Einschränkungen im U-Bahn-Betrieb.

Was steht noch an?

In Spittelau wird der Bahnhofsvorplatz runderneuert und begrünt, die unter dem Label „WienMobil“ firmierenden Verkehrsknoten werden weiter ausgebaut und man sei „mitten in der europaweiten Ausschreibung“ für den Citybike-Nachfolger, berichtete Steinbauer.

Krise als Chance

Hanke betonte den „wesentlichen Beitrag für den Wirtschaftsstandort Wien“, den diese Investitionen leisteten, und Steinbauer freute sich über 1.100 im Jahr 2020 neu aufgenommene Mitarbeiter. Hätten die Wiener Linien in der Vergangenheit öfter Probleme gehabt, offene Stellen zu besetzen, hätte man sich im vergangenen Jahr „als sehr krisensicherer Arbeitgeber präsentieren können“ und als Unternehmen die Krise als Chance genützt, um die Lücken zu füllen.

Um den Fachkräfte-Bedarf auch zukünftig abdecken zu können, laufen zwei weitere Projekte. Bereits ab diesem Herbst bieten die Wiener Linien zwei neue Lehrberufe an: Gleisbautechnik sowie die Doppellehre Elektrotechnik & Mechatronik.

Und Anfang 2022 soll plangemäß mit den Arbeiten für den neuen Lehrlingscampus am Gelände der Hauptwerkstätte Simmering begonnen werden. Bis zu 480 Lehrlinge sollen hier ab Herbst 2023 ausgebildet werden, knappe 20 Millionen Euro werden dafür in die Hand genommen.

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