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Chronik Wien
09/10/2021

Zahnarzt meint: Weltkriege und Corona kamen von Zionisten

Mann veröffentlichte 76 Minuten langes Video: 12 Monate bedingte Haft; nicht rechtskräftig.

von Michaela Reibenwein

Die Maske sitzt. Nämlich unter der Nase. Der angeklagte Wiener Zahnarzt ist damit nicht allein. Auch zahlreiche Zuhörer im Großen Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Wien entscheiden sich am Donnerstag für diese Tragevariante. „Im Zuschauerraum herrscht absolute Maskenpflicht“, wird die vorsitzende Richterin Olivia-Nina Frigo an diesem Tag mehrmals erinnern müssen. Ebenso den Angeklagten: „Auch für Sie gilt die Maskenpflicht über die Nase.“

„Juden hatten es schön“

Der Zahnarzt ist nicht wegen Corona-Verstößen angeklagt – auch wenn das Virus in diesem Verfahren noch häufig Thema sein wird. Es geht um das Verbotsgesetz. Am 21. Jänner veröffentlichte er ein 76 Minuten langes Video. „Darin erklärt er, dass der Nationalsozialismus und Adolf Hitler in einem falschen Licht dargestellt werden, Bilder aus den Konzentrationslagern gefälscht und gestellt wurden und die Juden es in den Arbeitslagern schön gehabt hätten“, holt die Staatsanwältin aus. Und: Zionisten sollen die Weltkriege und das Covid 19-Virus erfunden haben.

„Sie sagen also, was in den Geschichtsbüchern steht, entspricht nicht der Wahrheit?“, hakt die Richterin nach. „Nicht der ganzen Wahrheit“, meint der Angeklagte. Er habe viele Bücher gelesen und sich eine Meinung gebildet.

Aufklärung?

„Mein Mandant will aufklären“, sagt sein Anwalt. Doch seit er sich mit dem Thema Corona öffentlich auseinandersetze, hätte er eine Steuerprüfung gehabt, mehrere Verwaltungsverfahren und zuletzt hätten ihm zwei vermummte Personen vor der Tür aufgelauert und ihn attackiert. Und nun das Strafverfahren ... „Mein Mandant will das Leid der Bevölkerung mildern“, erklärt der Anwalt. Seine Kritik sei durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Die Geschworenen kommen zu einem anderen Urteil. Nach zwei Stunden Beratung kommen sie zu dem Schluss, dass der Zahnarzt in seinem Video 18 Mal die NS-Zeit verharmlost hat. Von der Verhetzung wird der Mann allerdings freigesprochen.

Urteil: 12 Monate bedingte Haft, nicht rechtskräftig. Als der Zahnarzt das hört, setzt er seine Maske auf den Kopf und verlässt verärgert den Verhandlungssaal.

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