Parfum   „Imperiales Veilchen“: Heute  ist es bei Touristen beliebt, einst bestellte es Kaiserin Sisi.

© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Wien
10/27/2021

Wiener Traditionsgeschäft: Es duftet nach Kaiserin

Seit exakt 212 Jahren gibt es die Parfümerie J. B. Filz. Dort sind Düfte erhältlich, die bereits in der Monarchie beliebt waren.

von Nina Oezelt, Gilbert Novy

„Vier Maß Veilchengeist. Vier Maß Bouquet-Geist, Eigenerzeugung. Ein Maß Bouquet-Extreme, französisch – mit Traumgeist gefärbt.“ So klingt es, wenn der 81-jährige Alfred Zrmzlik aus einem seiner geheimen Rezeptbücher vorliest. Die Notizen datieren teilweise bis ins Jahr 1829 zurück.

Unter seinen antiquarischen Büchern ist eines mit dem Titel „Kassabuch“ und auch eines mit dem Titel „Registerbuch“. „Diese Kurrentschrift kann fast niemand mehr lesen“, sagt seine Frau Helga Zrmzlik-Filz. Die beiden sind die Besitzer der ältesten Parfümerie Wiens. Sie führen das Geschäft in sechster Generation.

Während am Graben fast wöchentlich neue Lokale öffnen – angefangen vom neuen Kleidungsgeschäft von Red Bull bis hin zum US-Burgerladen Five Guys – gibt es also doch noch Beständigkeit: Die kleine Drogerie „J. B. Filz“ auf Nummer 13 im Generali-Hof. Gut Informierte wissen, dass es hier ganz besondere Düfte gibt: Etwa jenen, den man zu Zeiten des Wiener Kongresses trug oder das Parfum, das der Überlieferung nach keine geringere als Kaiserin Elisabeth liebte.

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Das Registerbuch, das Kassabuch oder das Rezeptebuch sind voller Geschichten der Vergangenheit.

Im Kassabuch

Selbst im Kassabuch stehen in den Notizen Details der Vergangenheit.

J.B. Filz

Das Geschäft J.B. Filz befand sich früher auf der Sonnenseite der Grabens. 

Registerbuch

Im Registerbuch stehen die Namen der Kammern, die in der alten Parfümerie bestelllten.

Royale Hautprobleme

Woher man das weiß? „Aus den gesammelten Aufzeichnungen der Vorfahren. Hier in diesen Büchern steht alles“, sagt Zrmzlik. Sie wurden im Keller des Geschäfts gefunden. Aus den Registerbüchern geht genau hervor, welche Adeligen damals in der Parfümerie bestellten.

Darunter war Erzherzog Peter Ferdinand von Österreich-Toskana oder die königliche Hoheit Elemér Lónyay. „Natürlich bestellten die Kammern der Adeligen, sie kamen nicht selbst vorbei und gingen mit ihren Geldbörsen spazieren“, sagt Zrmzlik. Er kennt zu fast jedem Namen in dem Buch den Hintergrund: „Nur wenige wissen, dass Lónyay nach dem Selbstmord von Kronprinzen Rudolf dessen Witwe, Prinzessin Stephanie von Belgien heiratete.“ Die soll Hautprobleme gehabt haben und sie mit Cremen der Parfümerie Filz behandelt haben.

Nicht weniger spannende Einblicke in die Vergangenheit bietet das Kassabuch. Daraus geht etwa hervor, warum Zrmzlik-Filz’ Urgroßvater – Wilhelm Filz – im Jahr 1874 exakt 15.000 Gulden Schulden hatte. „Zwei Mal musste Wilhelm Filz umziehen – in den Aziendahof, neben das Haus des Hofbuchdruckers Johann Trattner und von der Nordseite des Grabens an die Südseite“, sagt Zrmzlik. Geschichten über Geschichten, eng verbunden mit der Geschichte der Stadt.

Seifensiederei

Zur Chronologie: 1809 wurde die Parfümerie von Anton Filz gegründet – damals noch als Seifensiederei. Sein Sohn, Johann Baptist Filz, übernahm diese und ließ sich sein „Echtes Pariser Damen-Conservations-Wasser“ an der TU patentieren. 1872 erhielt dessen Sohn Wilhelm Filz vom Kaiser das Privileg des Hoftitels. Er wurde zum k.u.k.-Hof-Parfümeur. Bekannt wurde er für sein Lavendelwasser.

1904 übernahm sein Sohn Rudolf Filz und erlebte schwere Zeiten: Erster Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise und ein weiterer Weltkrieg. 1949 folgte ihm seine Schwiegertochter nach und 1978 schließlich Helga Zmrzlik-Filz. Heute übernehmen die Töchter immer mehr das Ruder.

Das von Wilhelm Filz kreierte Lavendelwasser – auch Wiener Wasser genannt – wurde sogar in den Romanen von Heimito von Doderer in „Die Strudlhofstiege“ und „Die Dämonen“ erwähnt. Im Roman schenkt die Figur René Stangeler einem Studenten das Parfum.

K. u. k. Hoflieferant

Im Geschäft am Graben findet man das Zeichen des Adlers, die Auszeichnung als k.u.k. Hoflieferanten.

Die Filz-Dynastie

Anton Filz, Johann Baptist Filz, Wilhelm Filz, Rudolf Filz, Gertrude Filz. Seit 1978 leitet die Tochter von Gertrude Filz, Helga Zmrzlik-Filz das Geschäft.

Geschichten über Geschichten

Alfred Zrmzlik liest aus den geheimen Büchern vor.

Nachschub aus Apotheke

Vor zwölf Jahren feierte das Geschäft sein 200-jähriges Bestehen. Dafür wurde in den alten Rezeptbüchern gekramt: Die Rezepte für den sogenannten Wiener Lieblingsduft, der 1830 von Johann Baptist Filz kreiert wurde, und für den 1850 komponierten „Imperiales Veilchen“-Duft, den Kaiserin Sisi schon bald ins Herz geschlossen haben soll. Die Parfüms ließ man in einer Apotheke mischen.

Glänzendes Haar
Die Haarpracht der Kaiserin ist bis heute legendär. Dafür soll sie täglich drei Stunden mit der Pflege derselben aufgebracht haben. Alle 14 Tage gab es eine Kur, bestehend aus Cognac und Eigelb.

Seidene Haut
Sisis Mittelchen für straffe Haut sind  gewöhnungsbedürftig. Angeblich trug sie in der Nacht unter einer Ledermaske rohes  Kalbfleisch. Außerdem soll sie in essiggetränkten Laken geschlafen haben.

Schlankheitswahn
Sisis krankhafter Körperkult ging so weit, dass sie rohen, gepressten Rind- oder Kalbsfleischsaft trank, um einer Gewichtszunahme vorzubeugen.

„Bei uns kommen viele arabische Touristen vorbei, die meisten kennen uns durch Mundpropaganda“, sagen Helga und Alfred Zrmzlik. Die beiden sind seit mehr als 50 Jahren ein glückliches Paar. Auch dafür haben sie ein Rezept: „Jeden Abend danke ich meiner Frau, dass sie mich erträgt“, sagt Alfred Zrmzlik.

Vielleicht kommt dieses Rezept auch in das antike Buch, gleich neben Sisis Imperiales Veilchen.

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