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Chronik Wien
12/19/2021

Wiener Parkpickerl: Betriebe fürchten Verluste - und fordern Ausnahmen

Krankentransporte, Abschleppdienste und Logistiker fordern Ausnahmen von der bereits fixen Parkpickerl-Regelung. Die Wirtschaftskammer Wien legt nun ein Konzept vor.

von Agnes Preusser

„Für uns ist das Parkpickerl eine wirtschaftliche Katastrophe“, sagt Thomas Haller, Chef von Hallermobil, einem Fahrtendienst für kranke und behinderte Personen. Der Grund dafür sei die erwartete Steigerung von erzwungenen Leerfahrten, erklärt er im KURIER-Gespräch.

Ein Beispiel: Wenn einer seiner Fahrer in Liesing wohnt, konnte dieser bisher über Nacht den Krankentransporter bei sich Zuhause parken und in der Früh Kunden, die in der Nähe wohnen, damit abholen. Laut neuer Parkpickerl-Regelung muss das Auto aber über einen so langen Zeitraum am Betriebsstandort stehen.

Da dieser im Fall von Hallermobil aber im Industriegebiet in der Donaustadt liegt, müsste der Fahrer in der Früh mit dem Privatauto oder den Öffis mehr als eine Stunde in die Firma fahren, um dann wieder mit dem leeren Krankentransport nach Liesing zurückzufahren – und am Abend das gleiche nochmals in die Gegenrichtung.

Ab wann gilt es? Ab 1. März 2022 wird die Parkraumbewirtschaftung auf alle Bezirke ausgedehnt.

In welchem Zeitraum? Die allgemeine Kurzparkregelung gilt Montag bis Freitag von 9 bis 22 Uhr (zuvor in den Außenbezirken nur bis 19 Uhr).

Wie lange darf man parken? Die maximale Parkdauer beträgt zwei  Stunden, ausgenommen Parkpickerl-Inhaber. Dauerparken ist nur mit Parkpickerl im eigenen Wohnbezirk oder für Betriebsfahrzeuge in dem Bezirk des Firmenstandorts möglich.

„Die Firma kostet das Geld, unsere Mitarbeiter Zeit und gut für das Klima ist das auch nicht“, sagt Haller. Pro Jahr rechnet er durch die Leerfahrten mit Einbußen von bis zu 200.000 Euro.

„Völlig widersinnig“

Die Wirtschaftskammer Wien will darum am eigentlich schon fixen Parkpickerlkonzept der Stadt Wien rütteln – und legt nun einen eigenen Vorschlag mit dem Namen „Servicekarte+“ vor.

Diese soll von Unternehmen, die Personen oder Lasten transportieren, beantragbar sein, damit Dienstfahrzeuge über längere Zeit nicht zwingend am Betriebsstandort parken müssen. „In der Logistik geht es immer darum, möglichst wenige Leerkilometer zu fahren“, sagt Davor Sertic, Verkehrsobmann in der Wirtschaftskammer und selbst Logistikunternehmer. „Dieses ohne Fracht hin- und herfahren ist vollkommen widersprüchlich zu jeglicher Logistikplanung.“

Noch dazu würde es mehr Verkehr, Stau und CO2-Ausstoß fördern – was ja langfristig durch das Parkpickerl verringert werden soll.

Betroffen sind etwa auch Abschleppdienste. Diese parken derzeit ihre Fahrzeuge außerhalb der Betriebszeiten direkt in den jeweiligen Einsatzgebieten. Dadurch könne auf Einsätze schneller reagiert werden, so Sertic. „Zukünftig wird ein Abschleppwagen durch die ganze Stadt fahren müssen, wenn in der Früh ein Falschparker die Straßenbahn blockiert.“

Nur Platz am Stadtrand

Eine Servicekarte alleine wird bei den Abschleppfirmen übrigens nicht reichen. Hier gibt es nämlich ein weiteres Problem: Schwere Lkw (über 3,5 Tonnen), wie sie Abschleppunternehmen nutzen, müssen künftig nachts in mehr als 25 Metern Entfernung zu Wohnhäusern abgestellt werden.

Diese Flächen auf öffentlichem Grund gibt es aber nur in den Randbezirken, die bisher noch nicht in das Kurzparkzonenmodell eingeschlossen waren. Grundsätzlich müsse die Politik darauf achten, die Logistik in der Stadt aufrecht zu erhalten, so Sertic. „Logistik ist mehr als nur stinkende Lkw, es wird auch mehr transportiert als nur irgendwelche Packerl: nämlich lebenswichtige Güter und auch Personen.“

In Wien sind 66.000 Lkw zugelassen, davon sind 60.000 „leichte“ Lkw. Laut Schätzungen der Kammer wird es bei rund der Hälfte davon zu Problemen und vermehrten Fahrten durch die Parkpickerl-Regelung kommen, wenn keine Ausnahmen bewilligt werden. Es gebe darum schon Gespräche mit der zuständigen MA 46, auch an Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) will man herantreten.

Die „Servicekarte+“ soll dabei nicht kostenlos sein, sondern von den Unternehmen im „angemessenen Rahmen“ bezahlt werden. „Natürlich wären wir dazu bereit“, sagt Haller. „Sicher würde das auch Kosten verursachen, aber nur einen Bruchteil von dem derzeit erwarteten Schaden.“

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