Chronik | Wien
09.04.2018

Wiener Grüne: Schwung für das Postenkarussell

Maria Vassilakous politische Zukunft ist ungewiss © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Im Juni soll die Kür des Spitzenkandidaten neu geregelt werden. Indes bringen sich Vassilakou-Herausforderer in Stellung

Bei der SPÖ ist sie bereits gefallen, bei ihrem grünen Juniorpartner steht sie noch aus: Die Entscheidung darüber, wer die Partei an vorderster Front in die Wien-Wahl 2020 führen soll. Nach wie vor ist offen, ob Stadträtin Maria Vassilakou zum vierten Mal als Spitzenkandidatin ins Rennen geht. „Ich bin in einem intensiven Nachdenkprozess“, sagte sie zuletzt im KURIER. Öffentlich haben sich bisher keine potenziellen Nachfolger deklariert – im Hintergrund bringen sich aber mehrere Funktionäre in Stellung.

Wer auf Platz eins der Kandidatenliste für die nächste Gemeinderatswahl steht, stimmen die Grünen im November ab. Zuvor sollen im Juni neue Modalitäten für die Kandidatenkür beschlossen und damit erste Eckpfeiler der angekündigten Parteireform eingeschlagen werden. Diskutiert wird unter anderem eine Vorwahl von Anwärtern auf den Spitzenplatz, wie aus Vorstandskreisen zu hören ist. Interessenten für letzteren gibt es dem Vernehmen nach genügend. Denkbar ist, dass diese die Fixierung des Wahl-Prozederes abwarten, bis sie sich aus der Deckung wagen.

LANDESVERSAMMLUNG DER WIENER GRÜNEN MIT WAHL DER KANDIDATENLISTE DES LANDESWAHLKREISES WIEN FÜR DIE NR-WAHL
Maria Vassilakou mit Ulrike Lunacek auf der Grünen Landesversammlung, bei der über die Landesliste für die Nationalratswahl abge… © Bild: APA/EXPA/SEBASTIAN PUCHER / EXPA/SEBASTIAN PUCHER

Bei den vergangenen drei Listenwahlen kandidierte Maria Vassilakou ohne Konkurrenz für die grüne Poleposition – vor diesem Hintergrund wird eine Wahlmöglichkeit zwischen mehreren Kandidaten durchaus positiv gesehen. „Das wäre kein Betriebsunfall, sondern Demokratie“, sagt ein Insider. Damit verbunden ist aber das Risiko, in der Öffentlichkeit einen zerstrittenen Eindruck zu erwecken. Und Auseinandersetzungen gab es bei den Grünen zuletzt genug:

Erst im November hatten City-Klubchef Alexander Hirschenhauser und andere Gegner des Hochhauses am Heumarkt Vassilakous Rücktritt gefordert. Eine geheime Vertrauensabstimmung auf der folgenden Landesversammlung konnte sie zwar für sich entscheiden, allerdings betont sie seither: „Auch meine Position ist nicht sakrosankt.“

David Ellensohn (links vorne) und Joachim Kovacs (rechts vorne) © Bild: Karolin Pernegger

Sollte Vassilakou nicht kandidieren, könnte ihr Vertrauter Peter Kraus ins Rennen gehen. Bevor er 2015 in den Gemeinderat einzog, fungierte er als ihr stv. Büroleiter. Kraus bezeichnet dieses Szenario als „Gerücht“, das er nicht kommentieren wolle.

Als sehr wahrscheinliche Herausforderer gelten Klubobmann David Ellensohn und Landessprecher Joachim Kovacs . Ellensohn wird nachgesagt, bereits länger an Vassilakous Sessel zu sägen. Fragen nach einer Kandidatur weicht er offiziell mit Verweisen auf die laufende Parteireform aus, in manchen innerparteilichen Kreisen soll er sein Antreten aber bereits in Aussicht gestellt haben. Auch Kovacs gibt sich noch zurückhaltend: „Ich schaue auf die Aufgabe, die ich habe“, sagt er. Ob er kandiere, werde er zu gegebener Zeit bekannt geben.

PG GRÜNE INITIATIVE URABSTIMMUNG "HOCHHAUSWIDMUNG AM HEUMARKT-AREAL": HIRSCHENHAUSER
Alexander Hirschenhauser © Bild: APA/ROBERT JAEGER / ROBERT JAEGER

Unzufrieden mit diesem Angebot sollen Alexander Hirschenhauser und seine Mitstreiter sein. Hirschenhauser negiert jedes Interesse, Vassilakou selbst beerben zu wollen, sagt aber: „Ich wünsche mir eine Erneuerung, auch personell – dazu stehe ich nach wie vor.“ Die Parteirebellen würden sich derzeit intensiv nach einem eigenen Kandidaten umsehen, heißt es. Bevorzugt solle es sich um eine Frau handeln, die quer in die Politik einsteigt.

Immer wieder werden auch Albert Steinhauser Ambitionen auf die Spitzenkandidatur nachgesagt. Der vormalige Wiener Landessprecher führte zuletzt den grünen Parlamentsklub. Seit dessen Auflösung arbeitet er wieder als Jurist für die Gewerkschaft. „Dort liegt auch mein Schwerpunkt“, sagt Steinhauser. „Ich strebe unmittelbar definitiv keine Funktion an“, betont er. Sollte er jemals wieder ein politisches Amt übernehmen, dann auf Bundesebene.