Chronik | Wien
19.07.2018

Wiener Gebietskrankenkasse am Geld-Tropf

Die enorm steigenden Subventionen belegen Misswirtschaft. kritisieren die Neos.

Misswirtschaft bei der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) orten die Neos. Sie stützen sich dabei auf eine Anfragebeantwortung aus dem Sozialministerium.

Nach Lesart der Neos bewahren die WGKK nur massive Subventionen vor dem Ruin. Diese stiegen in den vergangenen Jahren tatsächlich stetig an. So lag 2016 der Gesamteffekt aller Subventionen um rund 94 Millionen Euro höher als noch im Jahr 2010.

Diese Gelder speisen sich aus vier Töpfen: Vergütungen der Pharma-Industrie, Abgangsabdeckungen für das Hanusch-Krankenhaus der WGKK aus dem Wiener Gesundheitsfonds, Ersatz von Leistungsaufwendungen durch den Bund sowie Zuschüsse aus dem GKK-Ausgleichsfonds.

In allen vier Bereichen gab es seit 2010 deutliche Steigerungen. „Während sich andere Krankenkassen aus eigener Kraft sanieren konnten, ist die WGKK seit Jahren auf steigende Subventionen von außen angewiesen und allein nicht mehr überlebensfähig“, sagt Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker. „Der Selbstverwaltung fehlt jeglicher Mechanismus, der ein solches Missmanagement abstellt.“

Hanusch-Spital

Besonders sauer stößt den Neos die Abgangsdeckung der Stadt Wien für das Hanusch-Spital auf: Im Jahr 2010 lag sie noch bei 34,9 Millionen Euro, 2017 waren es bereits 46,7 Millionen Euro. Pro Bett wären das 125.996 Euro. Verglichen mit anderen Spitalsträgern ist das ein enorm hoher Wert. Beim Wiener Krankenanstaltenverbund liegt er laut Neos-Berechnung bei 45.256 Euro, bei den Ordensspitälern gar nur bei 15.114 Euro. „Die absurd hohen Kosten pro Spitalsbett zeigen, dass die WGKK nicht fähig ist, ein Krankenhaus effizient zu führen. Wir müssen die Spitäler von den GKK trennen“, fordert Loacker.

Die Kennzahl „Abgangsdeckung pro Bett“ sei veraltet, kontert man bei der WGKK, der Vergleich mit anderen Spitälern unseriös, weil das Leistungsspektrum nicht berücksichtigt werde. Mit der Onkologie und der Hämatologie verfüge das Hanusch-Spital über besonders kostenintensive Fachgebiete.

Auch bei den Einnahmen und Ausgaben müsse man die besondere Situation Wiens berücksichtigen: Hier gebe es viele Pensionisten, Arbeitslose sowie prekäre und atypische Beschäftigungsverhältnisse, sagt eine Sprecherin.

Die Medikamentenausgaben seien in der Großstadt höher, vor allem durch den größeren Bedarf an teuren Arzneien für HIV- und Hepatitis-C-Patienten. Zudem habe Wien eine höhere Facharzt-Dichte. Deren Leistungen seien teurer als jene von Allgemeinmedizinern.