© EPA/Guillaume Horcajuelo

Chronik Wien
06/22/2021

Wiener Direktorin beklagt: "Uns fehlt es an Planungssicherheit"

Die Aufregung rund um die Zuteilung von Lehrerposten in Wien hat sich noch nicht gelegt. Schulleitungen über die Probleme.

von Ute Brühl

In einer Volksschule sind es 90 Stunden, an der anderen 52 Stunden, wie eine Wiener Volksschuldirektorin erzählt: „So viele Lehrerstunden sind es, auf die einzelne Standorte ab Herbst verzichten müssen.“ 50 Wochenstunden entsprechen etwa 2,5 Vollzeitstellen. Ein deutliches Minus.

Dass sie plötzlich weniger Personal haben, schockiert nicht nur die Direktionen der Wiener Pflichtschulen, sondern auch die Eltern, die jetzt auf die Barrikaden gehen (der KURIER berichtete). Einige haben einen Brief an die Bildungsdirektion geschrieben und hoffen, dass es alles doch nicht so schlimm kommt wie angekündigt.

Mehrstufenklassen

Vor allem dort, wo es pädagogische Konzepte wie Mehrstufenklassen gibt, in denen Kinder unterschiedlichen Alters sitzen, ist die Furcht vor Kürzungen groß. Wenn auf eine Klasse nur eine Lehrkraft kommt, kann man diese Form des Unterrichts nicht mehr fortsetzen.

Fixer Schlüssel

Aber nicht nur in diesen Schulen ist man über die Stellenzuteilung nicht glücklich: „Es geht auch um fehlende Planungssicherheit“, erläutert Doris Pfingstner, Mitglied des KURIER-Bildungsbeirats, und Direktorin der Mittelschule Eibengasse. „Künftig gilt ein fixer Berechnungsschlüssel von 25 Schülern pro Klasse. An meiner Schule bedeutet das zum Beispiel, dass mir noch vier Schüler fehlen, damit ich 1,5 Lehrerposten mehr bekomme. Wenn ich das jetzt schon wüsste, kann ich ganz anders planen.“

Was erschwerend hinzukommt: „Kinder mit einem pädagogischen Förderbedarf wurden bisher doppelt gezählt. Das fällt zukünftig weg, sodass auch in Integrationsklassen zukünftig 25 Kinder sitzen müssen“, berichtet die Direktorin.

Stundenplan

Sicher: Sollte die Schule im Herbst plötzlich mehr Kinder haben, so bekommt sie auch mehr Ressourcen: „Doch bis dahin stehen schon alle Stundenpläne, die ich dann nicht mehr so leicht umschmeißen kann. Zusätzliche Stunden einfach nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen, ist zudem nicht sinnvoll“, erläutert Pfingstner. Dass die Schülerzahlen schwanken, ist in einer Großstadt wie Wien keine Seltenheit, weil Familien hier häufiger umziehen oder weil Schüler im Herbst aus den Gymnasien in die Mittelschulen wechseln.

Was wäre also die Alternative? „Wenn wir zumindest mit einem Schlüssel von 24 Kindern pro Klasse rechnen könnten, könnten wir viel leichter planen“.

Apropos Planung: Wie genau die Lehrerposten in Wien verteilt werden, ist äußerst undurchsichtig. „Bisher haben manche Schulen mit innovativen Konzepten und einem guten Draht zu den Behörden überproportional viele Ressourcen erhalten, während mancher Standort nicht einmal einen Lehrer pro Klasse zugeteilt bekommt“, erzählt ein Beamter und meint: „Manche Schulen sind sich nicht bewusst, wie privilegiert sie waren.“

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