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Chronik Wien
09/01/2020

Wien-Wahl in Corona-Zeiten: Ein Wahlsonntag ohne Ergebnis?

Bis zu 40 Prozent könnten diesmal mit Wahlkarte wählen. Deshalb wird es wohl Tage dauern, bis der Ausgang sicher ist

von Josef Gebhard

Die Corona-Krise ist nicht nur das bestimmende Thema im Wahlkampf. Die Pandemie zwingt Parteien und Wähler zu Einschränkungen, die sich erheblich auf das Wahlergebnis auswirken können. Warum diese Wahl so außergewöhnlich wird:

Viel mehr Wahlkarten:

Die Menschen werden immer flexibler und mobiler, weshalb auch der Anteil der Wahlkarten-Wähler stetig zunimmt. Bei der Wien-Wahl 2015 lag er bereits bei 18 Prozent, aufgrund der Corona-Krise dürfte er sich heuer verdoppeln. „Es ist möglich, dass 30 bis 40 Prozent der abgegebenen Stimmen Briefwahl-Stimmen sein werden“, sagt Wahlforscher Christoph Hofinger vom Sora-Institut.Welche Partei profitiert, ließe sich aber schwer sagen.

Bisher galt: Die Grünen legen mit der Auszählung der Wahlkarten stets zu, während die FPÖ an Boden verliert. Entscheidend laut Hofinger werde sein, welcher Partei es am besten gelingt, ihren Anhängern die Wahlkarte schmackhaft zu machen.

Extrem spätes Ergebnis: 

Manche Polit-Junkies werden am Abend des 11. Oktober etwas unbefriedigt ins Bett gehen. Denn wegen der hohen Zahl an Wahlkarten ist es wahrscheinlich, dass es zu diesem Zeitpunkt noch kein klares Ergebnis gibt. Diesmal wird man sich vielleicht sogar bis Dienstag gedulden müssen.

So lange wird möglicherweise allen voran Heinz-Christian Strache zittern müssen, bis klar ist, ob er den Einzug in den Gemeinderat schafft – was laut aktuellen Umfragen eine sehr knappe Angelegenheit werden dürfte.

Ähnliches gilt für das Rennen um Platz eins in verschiedenen Bezirken, wo schon in der Vergangenheit oft wenige hundert Stimmen ausschlaggebend waren (z. B. in Simmering oder Floridsdorf).

Zwar gibt es am Sonntagabend bereits eine Briefwahl-Schätzung, laut Hofinger könnte ihre Schwankungsbreite aber bei rund einem Prozent liegen – möglicherweise zu viel, um knappe Detailergebnisse vorwegnehmen zu können.

Immerhin: Ziemlich sicher wird am Sonntagabend feststehen, wer auf Gemeindeebene die vorderen Plätze einnehmen wird – so groß sind die Abstände zwischen SPÖ, ÖVP und Grünen in den aktuellen Umfragen. Um die Bevölkerung und die Parteien nicht allzu lange auf die Folter zu spannen, werde man heuer zusätzliches Personal rekrutieren, betont ein Sprecher des zuständigen Stadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ).

Viele bleiben daheim:

2015 lag die Wahlbeteiligung bei knapp 75 Prozent. Dieses Mal werden womöglich nicht mehr als 65 Prozent zur Wahl gehen, ergab eine KURIER-OGM-Umfrage. Wie sich das auswirkt, ist noch ungewiss, weil gleich mehrere Faktoren für den erwartbaren Sinkflug verantwortlich gemacht werden. Allen voran die Corona-Pandemie: Aus Angst vor einer Ansteckung könnten viele auf eine Stimmabgabe verzichten.

Hinzu kommt: Viele blaue Sympathisanten dürften aus Frust über die FPÖ- und Strache-Querelen daheimbleiben, aber auch etliche SPÖ-Wähler von 2015, weil heuer ohnehin klar ist, dass die Roten auf Platz eins landen.

Entscheidend wird also sein, wer seine Wähler mobilisieren kann. Und da bedient sich die ÖVP jetzt einer besonderen Methode: Sie wirft ihren politischen Mitbewerbern vor, sie kontinuierlich überzubewerten – und zwar aus strategischen Gründen: Wem nachgesagt wird, ohnehin ein tolles Wahlergebnis einzufahren, der braucht keine Stimmen mehr. Auch das ist natürlich Strategie: Wer seine Chancen öffentlich kleinredet, kann so auch Wähler mobilisieren.

Wählen so früh wie nie:

Sobald man seine Wahlkarte hat, kann man seine Stimme abgeben. Diesmal werden die Wahlkarten (auch wegen der Corona-Situation) schon ab Mitte September ausgegeben – rund eine Woche früher als 2015. Für die Parteien bedeutet das: Wahlkampf-Knüller müssen, wenn möglich, schon zu diesem Zeitpunkt gesetzt werden, um die Frühwähler noch zu erreichen.

Wahlkampf ohne Bodenkampf:

Die Pandemie schränkt den Wahlkampf der Parteien massiv ein. Massenveranstaltungen wird es dieses Jahr ebenso wenig geben wie die üblichen Hausbesuche der Funktionäre. Ein Nachteil vor allem für die SPÖ, ist Politik-Berater Thomas Hofer überzeugt: „Keine andere Partei kann für solche Aktionen so viel Personal in die Schlacht werfen.“ Dieser Vorsprung gegenüber anderen Parteien falle dieses Jahr weg.

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