© Ichner Bernhard

Wien-Wahl
10/08/2020

Straches Wahlkampffinale zog nur wahre Fans an

Der Zuschauerbereich am Favoritner Viktor-Adler-Markt blieb großteils leer.

von Bernhard Ichner

Es sei ein Wahlkampffinale in „unserem Wohnzimmer Favoriten“, ließ Heinz-Christian Strache seine Fans am Mittwochnachmittag am Viktor-Adler-Markt wissen. Und tatsächlich war das „Fest der Freiheit“ des Team HC Strache (THC) eine Party im kleinen Rahmen.

Wenn sich Partei-Generalsekretär Christian Höbart auch bei den „Massen“ bedankte, blieb der Zuschauerbereich vor der Bühne doch weitgehend leer. Nur etwa 300 bis 400 Fans waren gekommen.

Viele waren es zwar nicht, die ihrem HC – mit und ohne Maske – zujubelten. Dafür ließen die, die da waren, keinen Zweifel daran aufkommen, wem sie ihre Stimme geben werden.

"Straches Idealismus imponiert"

„Wie mit HC nach Ibiza umgegangen wurde“, vor allen seitens der FPÖ, stört etwa Andreas (41) aus Meidling. „Aber dass er aus reinem Idealismus zurückgekommen ist, imponiert mir. Für die ganzen Vorwürfe gibt es sowieso keine Beweise.“

Nach dem „Verrat“, den die Freiheitlichen an Strache begangen hätten, gebe es kein Zurück ins blaue Lager, sagt er – selbst, wenn sich der Einzug ins Rathaus für das Team HC nicht ausgehen sollte. "Dann bleiben viele politisch Heimatlose zurück."

Das sieht auch Gerhard Wegscheidler so, der bis vor Kurzem FPÖ-Bezirksrat in Meidling war und "wegen des Umgangs mit Heinz-Christian und seiner Frau" mit seiner Stammpartei gebrochen hat. Er wechselte ins THC.

Elfriede Scheffel (76), die früher Haider-Fan war und nach dessen Tod Strache-Anhängerin wurde, braucht die Blauen ebenfalls nicht mehr. „Die FPÖ hat ja alles von Strache gelernt“, meint sie.

Erika K. (79) ist auch nicht mehr gut auf die Freiheitlichen zu sprechen: „Die waren gemein zum Strache – dabei ist er so ein Supermensch.“

„Vernichtungsfeldzug“

In seiner von sporadischen „HC, HC“-Sprechchören begleiteten Rede untermauerte Strache, dass er auf Ibiza in eine „Falle“ getappt und das Opfer eines „politischen Attentats“, ja eines wahren „Vernichtungsfeldzugs“ geworden wäre.

Zudem geißelte er die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung (nachdem er bereits am Nachmittag ein Volksbegehren gegen die "unsinnigen Corona-Zwangsmaßnahmen" in Aussicht gestellt hatte.

Kalauer und Vorwürfe

Und wie in guten alten FPÖ-Zeiten gelernt, kalauerte sich der THC-Spitzenkandidat quer durch die politische Gegnerschaft. Wäre Ex-SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl ein Getränk gewesen, dann wenigstens ein weißer Spritzer. Stadtchef Michael Ludwig sei dagegen ein „Schluck abgestandenes Wasser“ (den Witz hörte man nicht zum ersten Mal).

Ludwig lasse aber ohnehin die grüne „Vizebademeisterin“ Birgit Hebein regieren, so Strache in Anspielung auf den umstrittenen Gürtel-Pool. Gernot Blümel (ÖVP) sei „steif wie ein Zinnsoldat“, Christoph Wiederkehr (Neos) „ein lieber Bua“ und FPÖ-Chef Dominik Nepp habe „den Verrat gelebt“.

Von seinen Fans wünscht sich Strache, der sich zum Abschluss noch mit Jörg Haider verglich (der sich im Gegensatz zu ihm nicht mehr gegen Anpatzungen wehren könne), am Sonntag ein zweistelliges Ergebnis. Umfragen sehen ihn eher im mittleren einstelligen Bereich.

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