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Chronik Wien
11/10/2019

Wien: Rätsel um Brand in Nordbahnhalle

Um die Nutzung der Halle gab es zuletzt Debatten. Dass sie ausgerechnet jetzt in Flammen aufgeht, macht die Initiative "IG Nordbahnhalle" misstrauisch.

von Katharina Zach, Elisabeth Hofer

Warum brannte es in der Nordbahnhalle? Diese Frage stellen sich derzeit nicht nur die Brandursachenermittler von Feuerwehr und Polizei, sondern auch die Gründer der Bürgerinitiative „IG Nordbahnhalle“.

Um den Fortbestand des Gebäudes am Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs in der Leopoldstadt hat es in den vergangenen Jahren heftige Diskussionen gegeben: Denn das Areal liegt mitten im Stadtentwicklungsgebiet Nordbahnviertel – und sollte 2020 geschleift werden.

Ein Teil der Halle war im September abgerissen worden, der zweite Teil sollte nach massiven Protesten für ein Jahr weiter genutzt werden.

Alarmstufe 3

Am Sonntagmittag wurde plötzlich die Feuerwehr alarmiert: Dichte Rauchschwaden zogen über die Innenstadt. Rund 100 Feuerwehrleute rasten zum Einsatzort.

Die Alarmstufe wurde auf 3 erhöht, die Berufsrettung Wien war mit acht Fahrzeugen vor Ort. Zunächst war unklar, ob sich Personen in der derzeit leer stehenden Halle befinden.

Unter Atemschutz durchsuchten die Feuerwehrleute die lichterloh brennende Halle, kurz darauf konnte glücklicherweise Entwarnung gegeben werden. Es gab keine Verletzten.

Brandstiftung?

Gegen 15.30 Uhr konnte Brand aus gegeben werden. Am Nachmittag waren die Einsatzkräfte mit Nachlösch- und Sicherungsarbeiten beschäftigt.

Laut Feuerwehrsprecher Gerald Schimpf wurde das Dach bei dem Brand so schwer beschädigt , dass Gefahr besteht, dass Teile herabstürzen. In der Struktur sei die Nordbahnhalle aber bestehen geblieben. Wie groß der Schaden ist, war am Sonntag noch unklar.

Mittlerweile suchen die Brandermittler nach Brandursachen. Christoph Kleinsasser von der „IG Nordbahnhalle“ hat bereits einen Verdacht: „Wir würden sehr von Brandstiftung ausgehen“, sagt er.

Denn mit Beginn der Abrissarbeiten seien nicht nur Strom und Wasser abgedreht worden, sagt er. Nach kleineren Vandalenakten in den vergangenen Wochen sei die Halle auch abgesichert worden; Türen und Fenster habe man mit Holzbrettern vernagelt.

„Der Einstieg in die Halle ist aufwendig, ohne Werkzeug würde man nicht reinkommen“, ist Kleinsasser überzeugt.

Feuer brach in der Halle aus

Allerdings dürfte der Brand genau dort seinen Ausgang genommen haben – im Inneren. „Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass das Feuer in der Halle ausgebrochen ist“, sagt Feuerwehrsprecher Schimpf. Wer von dem Brand der Halle profitiert, kann Kleinsasser auch nicht sagen.

Tatsache ist, dass die Nordbahnhalle in den vergangenen zwei Jahren als Veranstaltungsort wurde. Ausstellungen, kulturelle Events und Konzerte fanden dort statt.

Möglich hatte diese Zwischennutzung ein Projekt unter der Leitung der TU Wien gemacht. Im heurigen Sommer lief der Vertrag jedoch aus – und die Halle wurde an die Eigentümerin, die ÖBB, zurückgegeben.

Erhalt als konsumfreier Raum

Das sorgte für Proteste der Nordbahnhallen-Fans. Sie wollen, dass die Halle sowie der historische, denkmalgeschützte Wasserturm weiterhin langfristig nutzbar bleiben. Am besten als konsumfreier Raum, wie Kleinsasser sagt.

Im September gab das Büro von Planungsstadträtin Birgit Hebein (Grüne) schließlich bekannt, mit den ÖBB eine weitere einjährige Zwischennutzung vereinbart zu haben.

Seitens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) hieß es, man stelle 100.000 Euro für den Betrieb bereit.

Eine abschließende Prüfung der Baudirektion, wie die Halle weiterhin nutzbar sein kann, stand aber bis zuletzt aus.

Ob ein Weiterbestand nach dem Brand überhaupt möglich ist, wird sich nun zeigen.