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Chronik Wien
09/11/2019

Total-Abriss gestoppt: 100.000 Euro für Wiener Nordbahnhalle

Die Halle soll ein weiteres Jahr als Kulturzentrum dienen. Zumindest die Förderung ist zugesagt.

von Stefanie Rachbauer, Christa Breineder

Das Nordbahnviertel wächst – und das bringt auch Konflikte mit sich. Einer davon dreht sich um die Nordbahnhalle – die zuletzt als Kulturstätte bespielt wurde. Er hängt indirekt mit einem zweiten Disput zusammen, der die Straßenbahnlinie O betrifft. In beiden Fällen haben Bürger hunderte Unterschriften gesammelt. Und ein Einlenken der Stadt erreicht – zumindest teilweise.

Aber der Reihe nach: Im Jahr 2017 erhielt das Stadtentwicklungsgebiet auf dem Areal des ehemaligen Nordbahnhofs in der Leopoldstadt ein kulturelles Zentrum. Unter der Führung von Studenten der Technischen Universität Wien (TU) zogen unter anderem Werkstätten, Veranstaltungsflächen und eine Kantine in eine vormalige Lagerhalle unweit der Taborstraße ein.

Schon damals war klar: Diese Nutzung ist zeitlich begrenzt – konkret bis zum Abriss der Halle, der Platz für die Umkehrschleife der verlängerten Linie O schaffen sollte.

Anfang August war es soweit – zum Leidwesen der „IG Nordbahnhalle“. Die Initiative verlangte lautstark den dauerhaften Erhalt der Halle. Mit einer Petition, die mehr als 500 Bürger unterschrieben, wandte sie sich an den Gemeinderat – der zuständige Ausschuss behandelte sie am Dienstag. Das Ergebnis: Bei den zuständigen Stadträten und den betroffenen Bezirksvorstehern werden nun Stellungnahmen eingeholt, die Initiatoren der Petition sind in die nächste Sitzung eingeladen.

Einjährige Zwischennutzung

Unabhängig davon haben die Nordbahnhallen-Fans inzwischen einen Etappensieg errungen. Geschleift wird nämlich nur der vordere Teil des Gebäudes – vorerst. „Mit dem Kulturressort und der ÖBB (der Eigentümerin des Grundstücks, Anm.) ist eine weitere einjährige Zwischennutzung vereinbart“, sagt die grüne Planungsstadträtin Birgit Hebein.

Wie die Halle künftig bespielt werden könnte, prüft derzeit die Baudirektion. Eine weitere Zwischennutzung ist nämlich nicht so einfach möglich.

Das Problem: Mit dem Teilabriss erlischt eine Sonderregelung, wonach das Gebäude nur relativ niedrige technische Anforderungen – etwa die Elektrik betreffend – erfüllen muss. Nachzubessern, wäre teuer, sagt Hans-Christian Heintschel von der Baudirektion.

Förderzusage

Für den Betrieb selbst steht jedenfalls schon Geld bereit: „Das Kulturressort würde 100.000 Euro Förderung zur Verfügung stellen“, teilt das Büro von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) auf KURIER-Anfrage mit.

Dass die Nordbahnhalle dauerhaft bleibt, ist trotzdem unwahrscheinlich. „Diese Fläche ist bereits für Grünraum für die tausenden künftigen Bewohnerinnen und Bewohner des Nordbahnhof-Areals vorgesehen“, sagt Stadträtin Hebein.

Wasserturm wird saniert

Zumindest die Idee könnte aber weiterleben: im denkmalgeschützten Wasserturm neben der Halle. Wie er genutzt wird, ist noch offen.

Aber: „Das Ansinnen ist, dass sich der Geist der Nordbahnhalle nicht verflüchtigt“, sagt Heintschel.

Einen Teilerfolg gibt es auch im zweiten Konflikt. Mehr als 700 Personen fordern in einer Online-Petition ein Rasengleis für die neue Straßenbahnroute ins Nordbahnviertel. Die Linie O bekommt bis 2020 ab dem Praterstern vier neue Haltestellen (auf Höhe von Mühlfeldgasse, Am Tabor, Bruno-Marek-Allee und Taborstraße) und 1,4 Kilometer Strecke dazu.

Geht es nach den Unterzeichnern, soll die Bim auf begrünten Gleisen - sogenannten Rasengleisen - fahren. Allerdings: Ihr Bau kommt um 30 Prozent teuerer als die herkömmliche Variante. Und bislang wollte niemand die Mehrkosten tragen.

Nun verhandeln Wiener Linien, Stadt und Bezirk doch weiter – das Ergebnis soll in den nächsten Wochen feststehen.