Neue Radroute fertig: In 20 Minuten vom Gürtel bis zur Donau
Seit sechs Jahren verfolgt die Stadt Wien ihre „Radwegoffensive“. Das große Ganze ist bei den vielen kleinen und großen Projekten aber oft schwer zu fassen. Die neue Radverbindung im Zuge der Verlängerung der Straßenbahnlinie 18 zeigt jedoch, wie es aussieht, wenn alle Puzzlestücke zusammenkommen.
Am neuen Zwei-Richtungs-Radweg in der Dr.-Natterer-Gasse im zweiten Bezirk wird bis Ende des Sommers noch gearbeitet. Hier mündet die neue Verbindung in den bestehenden Radweg in der Engerthstraße.
Radweg-Lückenschluss entlang der Straßenbahnlinie 18.
Gleichzeitig ist es der End- bzw. Startpunkt der neuen Route. Die Verbindung führt geradewegs mehr als 4,4 Kilometer vom Handelskai bzw. der Donau bis zum Landstraßer Gürtel im dritten Bezirk – und das in 20 Minuten.
E-Roller statt Rad
Befahren werden kann die Route fast vollständig schon jetzt – vorausgesetzt, man hat ein Fahrrad. Da an der U2-Station Stadion Donnerstagvormittag alle Wien-Mobil-Räder restlos vermietet sind, muss eine Gasse weiter ein E-Scooter als Ersatz her. App herunterladen, Bankkarte hinterlegen und los gehts, wenn auch nur langsam.
Am Olympiaplatz herrscht Großbaustelle für die Linie 18, deren Verlängerung für den Radwegausbau genutzt wurde. Die neuen Haltestellenbereiche werden gepflastert, Grünflächen errichtet. Geplant sind auch mehr als 50 neue Bäume. Der Weg durch die Umleitungen will hier erst mal gefunden werden.
Herzstück der Verbindung ist der rund 750 Meter lange Zwei-Richtungs-Radweg auf der Meiereistraße. Der war schon Teil der Radwegoffensive 2024/25 und ist so gut wie fertig. Was fehlt, sind die blauen Piktogramme – die Markierungen folgen in den kommenden zwei Wochen.
Bisher mussten Radfahrer auf dem Busfahrstreifen neben dem Durchzugsverkehr fahren, jetzt ist man parallel zu den 18er-Gleisen auf einem baulich getrennten Weg unterwegs. 100 neue Bäume sollen den Radweg beschatten; ein paar Wachstumsschübe braucht es dafür noch.
Kosten von 850.000 Euro
Zufrieden mit der Realisierung ist Mobilitätsstadträtin Uli Sima (SPÖ) bei der Probefahrt. Man schaffe „ein durchgängiges Netz, das den Namen auch verdient. Über 100 Kilometer neue Radinfrastruktur haben wir in den letzten Jahren schon neu geschaffen. Wo immer es geht, nutzen wir Synergieeffekte.“
Die Kosten für die Radwege in der Meiereistraße, Engerthstraße und Dr.-Natterer-Gasse betragen rund 850.000 Euro. Das Geld ist Teil des Wiener-Linien-Budgets für die Verlängerung der Linie 18. Das beträgt wiederum rund 88 Mio. Euro.
Testfahrt mit Martin Blum von der Mobilitätsagentur und Stadträtin Uli Sima (SPÖ).
Ein kurzer Halt am Donaukanal bei der Stadionbrücke, an der trotz Hitzewelle unermüdlich gearbeitet wird. Die Brücke wurde saniert, Gleise verlegt, Geh- und Radweg verbreitert. Ab Herbst wird die Linie 18 über die Brücke geführt und an die bestehende Strecke ab Schlachthausgasse anschließen.
Potenzial für noch mehr
Potenzial für einen weiteren Radweg-Ausbau sehen die Leopoldstädter Grünen. Ihr Antrag, die Trasse Franzensbrücke-Stadionbrücke entlang des Donaukanals als Rad-Hauptroute zu widmen, wird laut Stadt aktuell geprüft.
Von der Stadionbrücke geht es bis zur Würtzlerstraße. Hier wurde ein neuer baulich getrennter Zwei-Richtungs-Radweg errichtet, wo es vorher nur einen schmalen Ein-Richtungs-Radweg gab bzw. Radfahrer in Gegenrichtung mit Bussen und Autos fahren mussten.
Bereits 2025 wurden im Zuge der Gleisbauarbeiten für die Linie 18 ein Zwei-Richtungs-Radweg auf der Landstraßer Hauptstraße fertiggestellt, der an die bestehenden Radwege Richtung Landstraßer Gürtel anschließt und die neuen Radwege am Rennweg sowie die Fahrradstraße in der Rinnböckstraße ans Hauptradverkehrsnetz anbindet.
So kommt Stück für Stück alles zusammen. Lediglich mehr Leihräder braucht es künftig vielleicht noch.
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